Da ist ein Unterschied zwischen Gloss, AgustD und Yoongi

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Strophe 1: Da ist ein Unterschied zwischen Gloss, AgustD und Yoongi

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Strophe 1: Da ist ein Unterschied zwischen Gloss, AgustD und Yoongi

Als der letzte Ton verklingt, macht die Stille Platz für eine vertraute Stimme.
„BTS ist die erste koreanische Boygroup, die am alljährlichen amerikanischen New Year's Rockin' Eve auftreten wird", Jin spricht in so einer piepsig-hohen Tonlage, die er immer nur dann verwendet, wenn er wirklich begeistert von etwas ist. Yoongi hört ihm trotzdem kaum zu. Er interessiert sich nicht für den amerikanischen Rockin' Eve. Er interessiert sich auch nicht für den Erfolg der neuen Mega-Boyband BTS.
Die beiden sind seit Jahren beste Freunde. Auch damals schon, als Yoongi noch Gloss war oder AgustD.
„Ihr hört K-Hop FM, ich bin euer world wide handsome Jin und werde euch heute Abend in das neue Jahr begleiten..." Yoongi schaltet mit einer unwirschen Handbewegung das Radio aus. Es ist Silvester. Scheiße, dass sie beide arbeiten müssen.

Yoongi konnte das Idol-Leben noch nie nachvollziehen und der Hype um die Bangtan Sonyeondan – kugelsichere Pfadfinder, wer denkt sich denn bitte so einen debilen Namen für eine Band aus? – nervt ihn ehrlich gesagt ein wenig. Und diesen Ausdruck benutzt Yoongi nur, weil er in den letzten Jahren gelernt hat, sich etwas höflicher auszudrücken.
In einem anderen Leben – da hätte er vielleicht ein Teil davon sein können. Ein Teil dieser Glitzer-Glamour-Welt, in der alles nur aus perfekten Choreografien, perfekten Auftritten, perfekten Gesichtern und perfekten Menschen besteht. In der alles mehr Schein als Sein ist. Sein hat in perfekten Glitzer-Glamour-Welten keinen Anspruch auf Vermarktung, vielleicht nicht einmal einen Anspruch auf Existenz.
Funkelnde Idealbilder, die lassen sich verkaufen. Ein perfekt austarierter Traum von einem perfekten Leben. Darum geht es im K-Pop.
Yoongi ist nicht perfekt genug dafür. Er hätte es aber vielleicht sein können. Damals, als er noch nicht Yoongi war, sondern Gloss.

* * *

Die roten Lichter des Shadows berauschen ihn. Sie färben das Blut in ihm burgunder, dunkelrot, und lassen es im Takt der Wut pulsieren. Er ist so, so wütend und er weiß nicht einmal warum. Er trägt schwarze Skinnyjeans mit riesigen Löchern an den Knien, die nicht mal ansatzweise ausdrücken können, wie kaputt er sich fühlt. Die weiße Cap hat er sich tief in die Stirn gezogen und die rote Kapuze seiner Scharlachjacke wie eine Decke darüber ausgebreitet. Sein Outfit heißt Abweisung. Die goldene Kette um seinen Hals trägt er nur aus Hohn. Was für ein verdammtes Klischee. Er muss keinen Schmuck tragen, um den Leuten da unten zu beweisen, dass er ein Goldrapper ist.
Er ist Gloss. Und Gloss ist alles.
Seine Augen funkeln gefährlich unter der Kapuzen-Cap-Kombination. Der Vorhang wird gleich aufgehen. Ein bisschen bemitleidet er seinen heutigen Gegner. Er weiß sicher nicht, mit welchem Kaliber er sich gleich anlegen wird. Obwohl... selbst schuld. Es ist nicht das Problem von Gloss, wenn andere an Selbstüberschätzung leiden.

Das Publikum jubelt ihm zu, als er endlich die Bühne betritt. Es sind nicht so viele Zuschauer, wie Gloss verdient hätte und er ist nicht zufrieden damit. Das Shadow ist ein hässlicher, kleiner Drecksladen, in dem vordergründig Rapmusik gespielt wird und hinter geschlossenen Türen hübsche Jungen für alte Männer tanzen müssen.
Gloss verzieht verächtlich seine Mundwinkel und schmeißt seine Verachtung mitten in die Fresse seines Kontrahenten. Er ist viel zu gut für ihn. Mit zwei, drei Raplines hat er ihn schon in die Knie gezwungen. Gloss möchte ihn anspucken, um seiner Abscheu vor der lahmen Gegenwehr Ausdruck zu verleihen, aber er beherrscht sich. Jede seine Körperflüssigkeiten ist zu gut für diesen Klassenclown. Ist er etwa schüchtern?
Gloss zermalmt ihn mit Worten, begegnet seinem Gegner nur mit desinteressierten Blicken und brennenden Worten. Seine Raplines brennen sich wie eiskaltes Feuer durch das Fleisch seines Gegners. Dafür ist er bekannt. Alles was er auf der Bühne sagt, trifft immer genau sein Ziel. Nur an ihm selbst, da prallt alles ab. Ignoranz und unerschütterliches Selbstbewusstsein stellen seinen bruchsicheren Schutzschild dar, seine genuinsten Charaktereigenschaften.

Sugas_InterludeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt