Refrain - Zwischen Allem und Aufgeben

266 43 48
                                        

Refrain - Zwischen Allem und Aufgeben

Hoppla! Dieses Bild entspricht nicht unseren inhaltlichen Richtlinien. Um mit dem Veröffentlichen fortfahren zu können, entferne es bitte oder lade ein anderes Bild hoch.


Refrain - Zwischen Allem und Aufgeben

 „Hallo?", ertönt eine vorsichtige Stimme und tropft dabei von der Eingangstür wie goldbrauner Honig, klebrig und ein bisschen zögerlich, irgendwie zähflüssig.
„Haben Sie noch geöffnet? Draußen hängt ein Schild, auf dem steht, dass Sie noch geöffnet haben...?"
Yoongi muss sich erst an den Klang gewöhnen, ist irritiert von der schweren Süße, die sich im Raum ausbreitet und ihn erwärmt. In seinen Erinnerungen ist es oft kalt. Er friert noch. Es benötigt echt Übung, die Geister der Vergangenheit abzuschütteln.
„Klar ist noch offen", erwidert er deswegen noch ein wenig schnippisch, „sonst hätte ich das Schild doch nicht aufgehangen." Dabei kämpft er sich von der Liege hoch, auf der er es sich in den letzten Stunden bequem gemacht hat. Sein Rücken knarzt dabei und als Yoongi seine Schultern kreisen lässt, geben sie ein beängstigendes Knacken von sich. Sein Körper wird ihm die fehlende Bewegung nicht ewig kompromisslos verzeihen, geht es Yoongi unwillkürlich durch den Kopf. Aber das ist ein Problem für später, für das nächste Jahr vielleicht oder das danach. Im Probleme-Vertagen ist er schließlich Weltmeister und wer kennt das nicht?
Ab morgen achte ich mehr auf meine Ernährung, ab morgen beginne ich mit regelmäßigen Sport, morgen höre ich auf zu rauchen...
Falls du dich das auch schon mal gefragt hast, dann nein. Fang nicht erst morgen an. Der richtige Zeitpunkt ist immer jetzt.

Yoongi will gerade wieder zum Sprechen ansetzen, in seiner schnippischen Art, die ab und an noch ein bisschen hochnäsig ist, so wie Gloss damals, aber meistens eher vorlaut, so wie AgustD eben, und nur ganz selten zurückhaltend und höflich, weil sich Yoongi noch immer an sich selbst gewöhnen muss, da durchschreitet er den Sichtschutz zwischen der Tattooliege und dem Eingangsbereich und was er sieht, lässt ihn vergessen, wie man weiterspricht.

Der junge Mann vor ihm ist kein goldbrauner Honig. Er ist golden oder er besteht einfach aus Gold oder warum strahlt er so? Ist das denn überhaupt ein Strahlen oder ein Leuchten oder ein Schimmern? Was ist das? Yoongi kann es nicht beschreiben. Er weiß nur, dass der Mann vor ihm funkelt oder welches Wort man auch immer dafür verwenden mag, wenn man dem schönsten Menschen der Welt gegenübersteht. Seine Mundwinkel formen ein zurückhaltendes Lächeln, das selbst reflektierende Sonnenstrahlen auf der Wasseroberfläche blass erscheinen lässt.
Yoongi ist sprachlos.

Und natürlich erkennt er ihn. Er erkennt die hellblonden Haare, die vollen, plumpen Lippen und die rosigen Wangen. Das bildhübsche Gesicht aus der Renaissance.
Wie hätte er ihn auch nicht erkennen können? Sein Bild hängt überall in Busan, wahrscheinlich sogar überall in Südkorea oder auf der ganzen Welt.
Vor ihm steht Park Jimin. Wie unwirklich ist das?

In der Hauptstadt haben sie ein Zugabteil mit lebensgroßen Abbildern der Mitglieder der Bangtan Sonyeondan ausgestattet.
Auch wenn sich Yoongi nicht sonderlich viel aus der Idol-Welt macht, er ist an diesem Antlitz genauso wenig vorbeigekommen, wie jeder andere Südkoreaner auch. Er hat nur niemals gedacht, ihm mal persönlich gegenüberzustehen. Das ist irgendwie nicht nur überraschend, sondern vollkommen unerwartet.
Die Situation wird auch dadurch nicht besser, dass Park Jimin dabei ganz hinreißend aussieht, also wirklich und nicht nur ein wenig, sondern richtig atemberaubend, und er beißt sich vor Verlegenheit auf die Unterlippe und Yoongi kann nicht anders, als mehrmals tief ein- und auszuatmen. Schon mal überlegt, wie man in dieser Situation die Ruhe bewahren kann? Nein? Yoongi auch nicht.

Sugas_InterludeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt