Manche Jahre sind wie Monster. Sie fühlen sich an wie der Endgegner, gegen den man einfach nicht gewinnen kann. Sie nehmen dir so viel weg. Yoongi wusste bis dahin gar nicht, dass er so viel zu verlieren hat.
Das Bild an der Wand ist nur eine Erinn...
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Refrain - Zwischen Allem und Aufgeben
„Bist du deswegen nicht in Amerika, sondern hier? Suchst du dich selbst in Busan?", fragt Yoongi, während er erneut beim ersten Buchstaben ansetzt, diesmal, um ihn auszufüllen.
„Ich bin hier, weil ich nie irgendwo sein kann. Sie beanspruchen dich an jedem einzelnen Tag der Woche. Natürlich auch an deinem Geburtstag. Oder an Weihnachten. Oder eben auch heute – an Silvester", erklärt Jimin mit trockener Stimme.
„Und trotzdem bist du hier."
„Ich hab mir frei genommen", grinst Park Jimin vorsichtig zurück. Yoongi hebt seinen Blick wieder nicht ganz, nur bis zu den Lippen seines Gegenübers und beobachtet fasziniert wie sich der unebene Zahn in die volle Unterlippe gräbt. Er darf nicht zu lange hinsehen. Er muss konzentriert bleiben.
„Frei genommen", wiederholt der Tätowierer die vorherigen Worte, das gleiche vorsichtige Grinsen schwingt darin mit. „So nennt man das also heutzutage." Sie beide wissen, dass man sich in dieser Welt als K-Pop-Idol der Superklasse nicht einfach freinehmen kann. Aber Yoongi möchte die Lügengeschichte dahinter eigentlich gar nicht erfahren. Sie tut auch nichts zur Sache. Viel wichtiger ist, dass sie sich plötzlich viel näher stehen als noch vor fünfzehn Minuten.
Park Jimins Geschichte hat die Mauer zwischen ihnen zum Einsturz gebracht. Er hat den Gedankenvorschuss von Yoongi mit doppelter Intensität zurückgezahlt. So viel mehr von sich Preis gegeben, als er vermutlich selbst von sich erwartet hätte. Aber vielleicht waren die letzten Tage oder Jahre wie Luft anhalten für Jimin. Vielleicht muss man als Idol immer die eigenen Worte runterschlucken und die plastikumhüllte Alternative aussprechen. Und vielleicht... waren das eben die ersten vorsichtigen Atemzüge nach einer langen, langen Zeit gewesen.
„Ich war noch nie in Amerika", beginnt Yoongi, damit der Stille zwischen ihnen kein Platz gegeben wird. „Ich auch nicht", reagiert Jimin unmittelbar. „Also... ich war natürlich schon oft in Amerika. Aber viel mehr in Studios und auf Bühnen und in Radio- und Fernsehsendern, als wirklich auf dem Land oder in einer Stadt. Ich... ich hab noch nichts dort erlebt, was nicht von Kameras festgehalten wurde. Noch nichts gemacht, was ich dort tun wollte."
„Was wolltest du denn in Amerika machen?"
„Mir ein Tattoo stechen lassen."
Das leise Glucksen von Park Jimin sind zähe Tropfen voll von Honig. Sie landen mit einem unsichtbaren Platschen auf Yoongis Haut und bedecken die darunterliegende Gänsehaut mit süßer Schwere.
„Mh. Der Plan ging auf jeden Fall daneben. Jetzt musst du mit mir Vorlieb nehmen."
„Ich denke, damit kann ich leben."
„Du musst. Die schwarze Farbe ist leider nicht abwaschbar. Sorry, wenn ich vorhin vergessen habe das zu erwähnen."
„Oh Gott", grinst Jimin in gespielter Überraschung. Selbst seine Augen weiten sich ein Stück und wenn er eine Hand frei hätte, dann würde er sie sich sicher zur Verstärkung des dramatischen Effekts vor den Mund schlagen. „Das wusste ich nicht. Wie soll ich das nur meinem Entertainment erklären?"