Nervös strich ich mir eine Haarsträhne aus den Augen und das aufgeregte Kribbeln in meinem Bauch verstärkte sich. „Komm schon, Lottie, du Weichei!", ermahnte ich mich selbst und atmete tief durch. Es war nur ein Meeting, ein Meeting wie schon viele andere - nur konnte dieses mein Leben verändern. Ich blickte auf die Uhr: 10.56. Nur noch vier Minuten und ich lungerte immer noch auf der Straße vor dem besagten Gebäude herum.
Mein Handy klingelte laut und Amandas Name leuchtete hell auf - sie hatte in den letzten Minuten bestimmt schon dreimal versucht, mich zu erreichen. „Na los, auf geht's!", sagte ich streng zu mir selbst und endlich stieß ich die schwere Eisentür vor mir auf. 10.57 Uhr, noch drei Minuten.
Irritiert sah ich mich in der großen Eingangshalle um - ich hatte keinen blassen Schimmer, wohin ich sollte. Mit zitternden Händen holte ich den zerknüllten Zettel mit der Adresse aus meiner Hosentasche, doch es stand nichts weiter oben. Prima, erste Klasse, Lottie! „Ähm, Verzeihung, ..." Ich versuchte, eine kleine Blondine mit einem Klemmbrett aufzuhalten, doch es war vergeblich. Sie wich geschickt zur Seite aus und zischte etwas in ihr Telefon. Hastig tippte ich Amandas Nummer und versuchte sie zu erreichen, doch mein Schicksal schien es gut mit mir zu meinen - natürlich war ich in einem Funkloch, wo auch sonst.
Augenrollend steckte ich das Handy wieder in meine Hosentasche und sah mich hektisch nach Tür- oder Namensschildern um, doch ich konnte nichts dergleichen entdecken. Na toll! Vielleicht war es besser so... vielleicht sollte ich es als Wink des Schicksals deuten, dass ich nicht pünktlich erschien. Wahrscheinlich sollte ich dort gar nicht hin.
„Bis später!"
Ruckartig ging die Tür zu meiner Linken auf und erschrocken wich ich aus. Der junge Mann blickte über seine Schulter in den Raum zurück, aus dem er gekommen war und strich sich die Haare aus der Stirn. „Ruf mich an, Harry!", rief er, dann bemerkte er mich. Für einen kurzen Augenblick erstarrte er, seine blauen Augen verengten sich. „Hi!", brachte ich stotternd heraus.
Er hatte Harry gesagt! Meine Chance, herauszufinden, wo das Meeting stattfinden würde! Ich räusperte mich kurz. „Ich mein... Hi!", sagte ich nun mit festerer Stimme. Wie dämlich! Gegrüßt hast du schon, du kluges Mädchen, flüsterte mir meine innere Stimme zu. Ich spürte wie mir die Röte ins Gesicht kroch. „Sorry, aber weißt du wo...", begann ich, doch dann verstummte ich urplötzlich.
Ich stand tatsächlich vor ihm. Es war wirklich kein Traum, es war die eiskalte Realität. Hinter dem jungen Mann, der die Tür so plötzlich aufgerissen hatte, hatte ich meine Zielperson entdeckt: Harry. Harry Edward Styles. Mit geweiteten Augen sah ich ihn an und obwohl ich das Treffen in meinem Kopf schon zehnmal durchgespielt hatte, kam nicht ein Wort über meine Lippen. „Na dann", murmelte der junge Mann und schon machte er sich aus dem Staub, die Kapuze seines weißen Hoodies über den Kopf gezogen.
Er war es tatsächlich, Harry Styles. „Kann ich dir helfen?", unterbrach seine sanfte Stimme meine Gedanken. Wieso sah er so unglaublich gut aus? Er hätte ein Model sein können, ich würde ihn für jede Fashion-Show buchen! Prima, was machte ich hier denn überhaupt? Ich sollte seine Freundin sein? Nie im Leben! Ich atmete tief durch, dann ging ich auf ihn zu. „Hey, ich bin Lottie, Lottie Williams. Ich weiß nicht, ob dir der Name was sagt, aber ich bin auf jeden Fall hier für das Meeting und vielleicht wird aus der ganzen Sache ja gar nichts, das wär doch verrückt, oder? Und ich will mich dir ja auch gar nicht aufdrängen und-", sprudelte es aus mir. Als ich meinen Namen sagte, verfinsterte sich seine Miene leicht. Toll - er wusste es also schon und schien nicht wirklich glücklich darüber zu sein.
Mit hochgezogenen Brauen musterte er mich aus seinen grünen Augen. „Atmen!", unterbrach er mich, dann grinste er mich verschmitzt an. Jetzt musste auch ich lachen. „Sorry...", sagte ich lächelnd und sah ihn entschuldigend an. Na toll. Ich hatte noch nicht mal fünf Minuten mit ihm verbracht und schon hatte ich mich blamiert. Eine Luke im Boden käme mir gerade eben sehr gelegen.
„Na los, komm mit. Die beiden werden bestimmt schon wahnsinnig", meinte Harry und deutete mir, ihm zu folgen. Wie ein kleiner Hund trottete ich ihm nach, zielsicher führte er mich durch die vielen Gänge bis er endlich vor einer der großen Glastüren haltmachte. Erleichtert atmete ich auf als ich Amanda im Raum dahinter sitzen sah. Ihre ohnehin schon dünnen Lippen hatte sie eng aufeinander gepresst, wie eine Marmorstatue saß sie in abweisender Haltung im Sessel vor dem Schreibtisch.
„Harry! Wo warst du! Wir haben schon Ewigkeiten auf dich gewartet!", rief der Mann im Anzug hinter dem Schreibtisch und sprang auf, dann erblickte er mich. Harry war voraus gegangen und da ich nur stolze 1,68m groß war, war es nicht schwierig, mich zu verstecken. „Hallo, ich bin Lottie!", brachte ich heraus und streckte ihm die Hand entgegen. Ich spürte förmlich, wie alle Anspannung von Amanda wich. Sie hatte tatsächlich geglaubt ich würde nicht kommen. Das hatte ich eigentlich auch nicht vorgehabt - doch Liz konnte wahnsinnig überzeugend sein. Den ganzen Morgen hatte sie auf mich eingeredet und meinte, sie würde mir den Hintern versohlen, falls ich nicht zum Meeting gehen würde. Ich hatte wohl oder übel keine andere Wahl.
„Na dann - woll'n wir mal!", rief der Mann erfreut aus und klatschte mit einem breiten Grinsen in die Hände.
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„Hat er dich begrabscht?", fragte Alex forsch. „Nein, keine Sorge!", versicherte ich ihm ein zweites Mal. Tatsächlich hatte Harry in der ersten Hälfte des Meetings nur auf sein Handy gestarrt und immer wieder zustimmende Laute von sich gegeben. Eigentlich hatte er mich gar nicht richtig beachtet, nur ab und zu hatte ich seinen nachdenklichen Blick auf mir gespürt. Sehr gesprächig schien er ja nicht zu sein. Nach einer Weile war er aufgestanden und hatte gemeint, er müsste telefonieren, das Handy war auf dem Tisch liegen geblieben. Das konnte ja heiter werden.
„Hör mal, Alex, ich muss gleich wieder rein, dann muss ich den Vertrag unterschreiben. Soll ich", verbesserte ich mich schnell. Niemand konnte mich dazu zwingen und außerdem wollte ich es zuerst mit Alex besprechen. Schließlich war er genauso wie ich in die Sache involviert. „Der Plan sieht so aus - ich werde mich ein- bis zweimal wöchentlich irgendwo mit ihm treffen, natürlich hauptsächlich London", erklärte ich ihm.
„Wir können natürlich auch Treffen im Ausland organisieren, wo Lottie Harry begleitet oder umgeke-... Nein, Treffen, wo Lottie Harry begleitet", meinte der Manager zufrieden. Na toll. Ich war nur das Püppchen an seiner Seite, natürlich würde ich ihn begleiten und er mich nicht. Es war verständlich - immerhin war ich nur ich, doch es fühlte sich trotzdem wie ein Schlag in die Magengrube an. „Harry?", fragte ihn sein Manager. Dieser sah kurz von seinem Handy auf. „Hm?", fragte er geistesabwesend. „Ja, geht klar!", fügte er dann hinzu, bevor jemand auf seine Frage antwortete, dann tippte er weiter.
„Es geht dabei nur um das gemeinsam Gesehen-werden, wir müssen nur manchmal zusammen in der Öffentlichkeit auftreten", erzählte ich weiter. Ich nahm ein nachdenkliches Brummen von Alex wahr. „Und ab und zu umarmen, auch mal Händchen halten, aber das wars dann auch!"
„Nur auf und ab spazieren? Nichts Privates?", hakte er nach. „Nur öffentlich!", antwortete ich ihm knapp und kaute nervös auf meiner Unterlippe. Die Idee war doch verrückt! „Der Vertrag beschränkt sich nur auf sechs Monate, dann kann ich immer noch weitersehen!", ergänzte ich schnell. Es schien beinahe so, als würde ich mich rechtfertigen wollen.
Du weißt, dass du es willst, hörte ich die Stimme hämisch sagen. Du willst es und nichts, was Alex jetzt sagt, wird dich davon abhalten! Ich seufzte leise auf. Die Stimme hatte Recht. Mein Gewissen sagte mir, dass ich einfach nach Hause fahren sollte und mir diese große Lüge aus dem Kopf schlagen sollte, doch ganz meine Beine trugen mich wie von selbst zurück ins Gebäude.
Nervös überflog ich die vielen Worte ein weiteres Mal, dann setzte ich schwungvoll meinen Namen unter den Vertrag.
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Clueless
FanfictionWie groß ist die Chance, eine vorgetäuschte Beziehung mit Harry Styles zu führen? Richtig - gleich null. Aber nicht unmöglich! Für Lottie, die ihrer Schauspielkarriere auf die Sprünge helfen will, klingt die Idee zunächst absurd, doch wer kann ein...
