Kapitel 10

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Zwischen unseren Lippen hätte nicht mal mehr ein Blatt Papier gepasst. Mein Magen drehte sich um und ich spürte mein Herz schneller schlagen. Ich konnte nichts tun, es passierte einfach und ich verfluchte es dafür, denn ich hätte alles gegeben um in dieser Situation cool zu bleiben. Doch offenbar gelang mir das ganz und gar nicht, denn JJ wich auf einmal ein Stück zurück und ein amüsantes und schiefes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. "Was denn?", fragte ich verunsichert, als er sich seelenruhig wieder auf die Couch fallen ließ. "Nichts." Seine Mundwinkel zuckten kaum merklich. Arschloch! Hatte er irgendwas, von dem was er eben gesagt hatte Ernst gemeint? Oder war es amüsant gewesen, zu sehen, wie wenig Kontrolle ich über mich hatte, wenn er in der Nähe war und wie viel Einfluss er auf mich ausüben konnte? War das etwa nur eine bescheuerte Bestätigung für sein Ego gewesen?

Ohne ein weiteres Wort griff ich nach meiner Tasche und hörte im nächsten Moment auch schon die Tür hinter mir zu krachen. Ich lief ein paar Meter, ohne genau zu wissen, wohin ich wollte. Meine Eltern würden mich umbringen, wenn ich nach Hause kommen würde, aber wenn ich es nicht täte, vermutlich noch viel mehr. Das Herz schlug mir bis zum Hals, als ich völlig außer Atem am Wasser ankam und kalte Wellen mir die Knöchel hoch schwappten. Der Wind fuhr durch meine Lungen und ich hatte das Gefühl wieder atmen zu können und irgendwie auch wieder denken. Völlig erschöpft von allen gestrigen und auch morgendlichen Ereignissen, holte ich mein Handy heraus und begann eine Nummer zu wählen. Ein paar mal vernahm ich das laute Tuten auf der anderen Seite, bis Jemand abnahm und eine Stimme ertönte: "Hey, alles okay?" "Ja, ja... ich weiß nicht ganz wohin mit mir, kannst du mich eventuell abholen?"

Eine halbe Stunde später saß ich an einem Tresen und stopfte mich mit Pomfrit voll, während Ki eine Cola vor mir abstellte. Sie hatte mich hergebracht, weil ich darauf beharrt hatte, nicht nach Hause zu fahren und ihr es am logischsten erschien, mir erstmal was zu Essen zu besorgen. Ich bemerkte ihren stechenden Blick und hob fragend die Augenbrauen. "Was ist? Keine Sorge, ich kann auch bezahlen." Sie blickte mich irritiert an und schüttelte dann nur hektisch den Kopf. "Nein, das ist es nicht. Das Essen geht auf's Haus, ich hab dich ja eingeladen, aber... wenn ich dich was fragen darf..." Ich nickte nur verwundert. "Was ist zwischen dir und JJ vorgefallen?" Scheiße. Was sollte ich jetzt sagen? Ich war mir sicher, dass JJ nichts von allem was passiert war, an den großen Haken hängen wollte. Ich wollte jedenfalls nicht das Mädchen sein, der es so viel bedeutet hatte, dass sie unbedingt darüber sprechen wollte. Es war keine große Sache gewesen. Desto öfter ich es wiederholte, desto größer war die Wahrscheinlichkeit es mir irgendwann zu glauben. "Olivia?" Ich zuckte zusammen und blickte sie wieder an. Was sollte ich jetzt sagen? Eine Freundschaft baute man auch nicht auf Lügen auf, aber blieb mir etwas anderes übrig? "Ja, ich meine nein, es ist nichts gewesen. Er ist wirklich nicht mal besonders nett zu mir." Das entsprach sogar der Wahrheit. "Okay, weißt du, er hat so seine Launen und ihr kennt euch noch nicht so gut, ich bin sicher, das wird schon." Was meinte sie denn damit? Im Grunde gab es für mich keinen Grund ihn überhaupt je wieder zu sehen, aber dennoch nickte ich mit einem matten Lächeln und nippte an meiner Cola.

Meine Augen waren schwer und ich fühlte mich zwar als ob ich nichts dringender brauchen könnte als Schlaf, aber die Gedanken wirbelten in meinem Kopf hin und her. Vorhin hatte Ki dann doch darauf bestanden, dass ich meine Eltern anrufen sollte und ich war zwar super nervös gewesen und auch alles andere als begeistert, aber hatte ihr letztendlich zugestimmt. Wie sich heraus gestellt hatte, saßen meine Eltern momentan in einem Privatjet zu irgendeinem wichtigen geschäftlichen Termin und waren sehr im Stress gewesen. Meine Mutter hatte mich dennoch geschlagene zehn Minuten angeschrien, war aber etwas ruhiger geworden, als ich ihr erzählt hatte, dass ich bei Kiara übernachtet hatte und mein Akku leer gewesen war. Sie kannte offenbar Ki's Mutter und war froh, dass mir nichts passiert war. Ich war schon öfter ohne Bescheid zu sagen bei einer Freundin gewesen, und auch wenn meine Mutter mich dann anschrie und beteuerte, dass sie vor Sorge fast umgekommen wäre, war es ihr im Grunde nicht so wichtig. Manchmal hatte ich sogar das Gefühl, sie schrie mich an, um ihre Pflicht als Mutter erfüllt zu haben, auch wenn es ihr in Wahrheit nicht mal aufgefallen war. Kurz angebunden hatte sie mir nämlich daraufhin mitgeteilt, dass sie und mein Vater die nächste Woche über nicht da sein würden, ich aber Geld auf dem Küchentisch finden würde und ich auch gerne noch ein paar Nächte bei Ki schlafen könnte, wenn ich nicht alleine sein wollte. Bitte, ich war oft allein gewesen und um ehrlich zu sein, mochte ich es um einiges lieber, wenn ich das Haus für mich hatte. Dennoch hatte ich mich dafür entschieden bei Ki zu übernachten, und so lag ich nun hier, auf dem Rücken liegend, den Blick auf einen dunklen Fleck an der Decke gerichtet, der sich womöglich als eine Spinne enttarnen könnte und mit den Kopf so voll mit Gedanken über eine gewisse Person mit stechenden blauen Augen, dass ich das Gefühl hatte, ihn aufreißen zu müssen um wieder einen klaren Kopf zu kriegen.

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Hey Leute,
ich weiß, ich habe mal wieder sehr lange nichts hochgeladen und es tut mir echt leid, aber trotzdem danke für 2k 💜 Ich will jetzt wirklich mehr schreiben, denn mir sind einige gute Ideen für die Story gekommen.

Outer Banks - we call it DREAM // JJ ffWo Geschichten leben. Entdecke jetzt