Frida sah zu den zwei Koffern, die links und recht von mir standen. Dann blickte sie wieder in mein Gesicht.
"Was ist passiert?", fragte sie und sah mich entsetzt an.
"Kann ich reinkommen?", war alles, was ich im Moment über meine Lippen brachte. Innerhalb weniger Stunden war so viel in meinem Leben passiert, dass ich es nicht einmal begreifen konnte...geschweige denn aussprechen.
"Natürlich!", sagte sie sofort.
Sie trat einen Schritt ins Treppenhaus und nahm mir einen Koffer ab. Beide zogen wir das Gepäck in ihre Wohnung. Sie schloss kraftvoll die Tür hinter uns und blickte mich nun zutiefst besorgt an. Frida kannte mich gut genug, um zu wissen, dass mein Problem gerade nicht nur ein unbefriedigendes Sexleben oder schlechte Stimmung im Job war.
Nein, meine Probleme waren größer.
Ich hatte den Tiefpunkt meines Lebens erreicht.
Im Flur ließ ich mich einfach auf den Boden nieder und lehnte meinen Kopf gegen die Wand. Ich konnte nicht mehr. Es fühlte sich an, als wäre ich einen Marathon gelaufen. Wie hatte mein Leben nur so schnell eskalieren können?
Frida setzte sich neben mich und nahm meine Hand. es tat gut, ihre Nähe zu spüren.
"Was ist passiert?", erkundigte sie sich erstaunlich gefasst.
Es war so viel geschehen, dass ich nicht einmal wusste, wo ich anfangen sollte.
"Basti hat mich rausgeschmissen.", sprach ich das Offensichtliche aus. Immerhin hatte ich mit zwei Koffern vor ihrer Tür gestanden.
Sofort richtete Frida ihren Oberkörper auf und sah mich entsetzt an. Das Mitleid, welches eben noch ihr Gesicht gezeichnet hatte, wurde nun durch Wut und Unverständnis abgelöst.
"Wie bitte? Spinnt er jetzt völlig? Er kann dich doch nicht einfach rausschmeißen.! Das ist eure Wohnung! Du wohnst da genauso!"
Ich nickte, sagte jedoch nichts. basti hatte immerhin einen guten Grund gehabt, mich rauszuschmeißen.
"Warum hat er das getan?", fragte Frida weiter. "Du hältst immer zu ihm und kümmerst dich. Warum sollte er dich rausschmeißen? Es muss doch irgendetwas vorgefallen sein!"
Nun füllten sich meine Augen mit Tränen. Ich konnte nicht einmal böse auf Basti sein. Ich hatte ihn betrogen. Wahrscheinlich hätte ich ähnlich reagiert wie er. Nicht er war der Böse, sondern ich.
"Ich bin fremdgegangen", sprach ich die Wörter aus, die ich selbst kaum glauben könnte. Ich hätte nie von mir selbst gedacht, dass ich mal untreu sein könnte. Das entsprach nicht meinem Selbstverständnis und doch hatte ich es getan. Mit einem meiner besten Freunde.
Kurz herrschte Stille. Frida hatte meine Hand fest zugedrückt, doch ich glaubte nicht, dass sie es bewusst getan hatte. Ich wusste genau, dass auch sie niemals gedacht hätte, dass ich eine Frau war, die ihren Freund betrog.
"Was?" Auch Frida war sichtlich geschockt. "Du? Du hast ihn betrogen?" Ihren Augen waren erschreckend groß, als sie das sagte. "Wann? und mit wem?"
Ich konnte ihr unmöglich sagen, dass ich es mit Finn getan hatte. Ich schämte mich viel zu sehr dafür. Denn ich hatte nicht nur Basti betrogen, sondern ich hatte mit einem verlobten Mann geschlafen und damit auch seine Beziehung aufs Spiel gesetzt.
Als der Tränenfluss so richtig in Fahrt kam, legte sie tröstend einen Arm um mich.
"Hey", sprach sie sanft. Da war keine Spur von Vorwurf und dafür war ich ihr unendlich dankbar. "Willst du eine ehrliche Meinung hören?" Sie wartete gar nicht auf meine Antwort, sondern redete weiter. "Es ist besser so. Basti tut dir nicht mehr gut. Es tut mir leid, dass es jetzt so dramatisch auseinander gehen musste, aber allein die Tatsache, dass du dich auf einen anderen Mann eingelassen hast, zeigt doch, wie unglücklich du warst. Normalerweise würdest du doch niemals so etwas tun. Ich weiß, dass es jetzt gerade wirklich weh tut, aber es wird besser werden und du wirst jemanden finden, der dich wirklich glücklich macht."
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Me and my damn Life
RomanceIlvi ist im Leben angekommen. Zumindest glaubt sie das: Sie hat einen guten Job, wohnt mit ihrem Freund zusammen und ist jeden Freitag mit ihren drei besten Freunden in ihrer Stammkneipe anzutreffen. Doch so einfach ist es nicht: Eine verhängnisvol...
