Kate, ein Troublemaker für sich

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Mit voller Wucht wurde die Tür zur Jorvik Akademie aufgerissen und ein Mädchen mit dunkelblauen Haaren trat selbstbewusst hinein. Belustigt sah sie sich um, als sie mit hoch erhobenem Kopf an den anderen Schülern vorbei schritt. Kalt blickte sie um sich, während sie den Hof abscannte, nach den zwei einzigen Menschen, die mutig genug waren, sich mit ihr abzugeben. „Hey, du!" hallte ihre Stimme laut durch den Aufenthaltsraum. Augenblicklich war alles still. Jeder Blick war auf sie gerichtet, als sie mit schnellen Schritten auf ihr neues Opfer zuging. „Bist du taub?! Ich rede mit dir!" sagte sie streng zu einem der Mädchen, welches sie nun geschockt anstarrte. „Sch-sch-sch-sprichst du mit m-m-mir?" stotterte die zierliche Brünette nun verängstigt. „Mit wem den sonst?" rief sie nun und warf die Hände fragend in die Luft. „Ähäm... Äh... Wie kann ich dir helfen?" „Wann hab ich dir angeboten mich zu duzen?!" Das Mädchen sah sie geschockt an. Sie wusste, sie hatte gerade einen großen Fehler gemacht, der sie vielleicht sogar einiges kosten würde. „E-e-es tut mir sehr leid, Miss," gab die Schüchterne nun stotternd von sich. Vor Schadenfreude lächelte Kate nun auf. Sie verschränkte die Arme belustigt vor der Brust. „Wo sind meine Freunde?" Hätte man eine andere Sprache gesprochen, hätte man nicht auch nur annähernd herausgehört, dass dies ein Frage war. Vielmehr hörte es sich an, wie ein Befehl. „Ich ich weiß es nicht, Miss. Es es tut mir leid," entgegnete das junge Mädchen und senkte beinahe beschämt den Kopf. Mit einem wütenden Funkeln in ihren Augen, wandte sich die Blauhaarige von ihrem Opfer ab und ging finster drein blickend in die entgegengesetzte Richtung. Kaum hatte sie sich abgewandt, begann das typische Flüstern. Genervt stöhnte sie laut auf und augenblicklich verstummte es wieder. Verängstigt traten die Menschen vor ihr auf die Seite, sodass ein Weg entstand, wo sie ihre Füße hinsetzte. Sie genoss diese Macht. Sie hatte keinerlei Probleme damit, dass jeder vor ihr Angst hatte. Und wenn nicht, dann brachte sie ihn dazu, Angst vor ihr zu haben. „Kate!" Sie drehte sich um und sah, wie sich zwei Mädchen durch die Menge zu ihr kämpften. Keiner machte Platz für sie. „Sag mal, lasst ihr gefälligst meine Freunde durch?!" rief Kate mal wieder wie aus einem Lautsprecher durch die Menge. Sofort wurde Platz gemacht und nun hatten auch ihre zwei besten und einzigen Freunde ihren Auftritt. Sie liefen zu Kate, welche sie schon erwartete. Man konnte nicht von ihr erwarten zu lächeln, aber Emily und Helene hatten die Ehre dieses Lächeln öfter als gewöhnlich zu sehen. Wie auch dieses Mal. Emily trat vor und grüßte sie ebenfalls mit einem Lächeln. „Toller Auftritt, chica," sagte sie zu ihrer Freundin. Deren Blick wurde nun wieder wie gewöhnlich kalt. Sie schweifte etwas ab mit ihren Gedanken und beobachtete aus Langeweile die Gegend. Jeder, der ihren Blick bemerkte, vermied den Augenkontakt und sah ehrfürchtig zu Boden. Nur ein Mädchen schien nicht so ehrfürchtig wie die andere. Kates Blick verweilte kurz auf der Braunhaarigen. Diese hob gerade den Kopf von ihrem Rucksack, in den sie irgendetwas gepackt hatte. Als sie den kalten Blick bemerkte, der ihr geschenkt wurde, sah sie direkt zurück. Sie drückte sich nicht vor dem Blick, sondern forderte dessen Sender heraus. Das Blickeduell hielt nur wenige Sekunden an, bevor Kate wieder von Emily in die Realität gerufen wurde. Sie sah zu der Blonden hinunter, denn sie war schon ein Stück größer als diese. „Ich hab es ihr richtig gezeigt. Diese dämliche Göre musste echt den ganzen Nachmittag nachsitzen, ist das nicht super?" fragte sie enthusiastisch und lachte vor Schadenfreude. In diesem Moment musste auch Kate grinsen. Das Grinsen, dass für sie am bekanntesten war. Vor der Freude, die ihr am liebsten war. Der Schadenfreude. „Jepp! Gut gemacht!" sagte sie grinsend und hielt ihr eine Hand zum Abklatschen hin. Diese Chance wurde natürlich nicht ungenutzt und so hörte man ein lautes Pfetzen durch den Raum hallen. Die immer recht ruhige Helene, die gerne von ihren Freunden auch Lene genannt wurde, war fast zusammen gezuckt vor Schreck, hielt sich dann aber doch. Sonst würde sie noch einen Angsthasen genannt werden und von ihren beiden einzigen Freunden im Stich gelassen werden, damit deren Ruf nicht verletzt wurde. Aber das war doch auch verständlich, nicht? War das nicht normal?

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