Kapitel 7

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Bella

Am nächsten Morgen weckt mich mein klingelndes Handy aus dem Tiefschlaf. Stöhnend richte ich mich auf und taste blind nach dem Telefon. „Was?", sind meine ersten Worte, die der Anrufer zu hören bekommt. „Na, du hörst dich ja wach an", die amüsierte Stimme meines Vaters dringt an mein Ohr und ich muss fast schmunzeln. „Du weißt doch, dass ich kein Morgenmensch bin. Also, was willst du bitte um diese Uhrzeit schon von mir?!", schnaube ich genervt. „Ich bin der Meinung, dass es jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, den Mann, den ihr aus den Lagerhallen mitgebracht habt, ein wenig zu foltern." Sofort war ich hellwach. Der Auftrag war jetzt drei Wochen her und meine Schulter war zwar noch nicht vollständig geheilt, aber da es sich glücklicherweise nur um einen Fleischwunde gehandelt hatte, konnte ich sie schon wieder ziemlich gut benutzen. Trainieren konnte ich sogar auch schon wieder.

„Bin unterwegs." Mehr musste Dad mir gar nicht sagen. Alle wussten, dass wenn es darum ging, Informationen aus Menschen zu kriegen, ich die Beste war. Außerdem hatte ich damals bei meiner Ankunft klar gemacht, dass ich die Einzige sein würde, die probiert etwas aus ihm heraus zu bekommen. „Ok, bis gleich", verabschiedete sich Dad und ich erhebe mich stöhnend aus dem Bett. Wie man schon um diese unmenschliche Zeit auf den Beinen sein kann werde ich nicht verstehen. Bevor ich ins Bad gehen kann, klingelt mein Handy noch einmal. Wieder Dad. „Ja?", frage ich. „Was hältst du davon, wenn Draco dir zusieht,   ? Er kann bestimmt etwas dabei lernen." Bei dem Namen ‚Draco' verdrehe ich zwar meine Augen gebe aber trotzdem ein zustimmendes Geräusch von mir.

Als ich frisch geduscht und angezogen den Keller betrete, warten Dad, Draco und zwei von Dads Männern bereits auf mich. Wir stehen hinter einer Glasscheibe und betrachten den Mann auf der anderen Seite. Ähnlich wie in Verhörzimmern können wir zwar ins Innere des Raumes sehen, er kann uns aber nicht sehen. Der Mann, vermutlich Mitte 30, kniet auf dem Boden. Seine Hände sind mit Metallketten an die Decke gefesselt und sein grünes T-Shirt ist bereits blutverschmiert.

„Wie heißt er?", frage ich während ich schon vor der Tür zu der Kammer stehe in der der Mann sich befindet. „Paul." Ich nicke knapp und betrete schließlich das Zimmer. Als er meinen Schatten sieht, hebt er nur müde den Kopf. Ich sehe ihm genau an, wie mitgenommen er ist, obwohl er versucht stark zu wirken.

Ich stelle mich vor ihn und blicke demonstrativ auf ihn hinunter. „Hallo, Paul", sage ich gespielt freundlich und lächel dabei falsch. Ich sehe ihm genau an, wie die Angst aus seinen Augen weicht. Ich habe ihm zwar in den Oberschenkel geschossen, das ändert aber vermutlich nichts daran, dass er denkt, dass ich keine Gefahr darstelle. Wahrscheinlich denkt er sogar, der Schuss sei ein Glückstreffer gewesen. Er rechnet nicht damit, dass es im Endeffekt eine Frau ist, die ihn ruinieren wird.

Ich gehe in die Hocke, um auf Augenhöhe mit ihm zu sein. Er sieht mich an und ich sage „Wir werden sehr viel Spaß zusammen haben, da bin ich mir ganz sicher."

Draco

Ich stehe hinter einer blank polierten Scheibe und schaue auf einen Mann der blutend am Boden kniet. Und das schon seit bestimmt 20 Minuten. Um ehrlich zu sein, habe ich keine Ahnung, was ich hier soll. Mister LaRoux meinte, ich könnte hier etwas lernen. ‚Wir warten auf Bella' hat er gesagt. Sie hat schon bei unserer Ankunft vor drei Wochen klar gemacht, dass sie ihn foltern will.

Tatsächlich bin ich ziemlich überrascht, dass sie jetzt schon wieder so aktiv ist. Das Schusswunden normalerweise länger brauchen, um zu heilen, weiß ich aus eigener Erfahrung.

Exakt in dem Moment, in dem ich mich zum wiederholten Mal frage, wie lange wir hier noch schweigend herum stehen sollen, schwingt die Tür auf und Bella kommt herein. Ich hab sie seit knapp drei Wochen nicht mehr gesehen. Sie war nicht beim Training und auch sonst nirgendwo aufzufinden. Marcus hatte so lange meine Ausbildung übernommen, mir aber immer wieder klar gemacht, dass sie immer noch meine Chefin ist. Sie jetzt wieder zu sehen, fühlt sich zugleich ungewohnt, aber auch wie das Normalste der Welt an.

Broken like glass || PausiertWo Geschichten leben. Entdecke jetzt