Ein Berg an Schriftrollen

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"Oh na sieh einer an... unser Morgensternchen!" grinste Asmodaios Mammon zu, welcher neben ihm saß. "Entschuldigt die Verspätung, der Rat hat nach mir verlangt" erklärte der Rothaarige kurz. "Jaaa die lässt die man natürlich nicht warten" grummelte Mammon etwas beleidigt vor sich her. "Ach sei nicht so! Es muss wichtig gewesen sein ansonsten hätte unser Sternchen uns nicht versetzt" "Ts müssen diese Verniedlichungsformen denn sein!?" beschwerte sich Phosphorus und setzte sich links neben Asmodaios an den Tisch. "Na und ... was war so wichtiges?" Mammon sah zu ihm herüber. 

"Ich soll künftig ein par Aufträge auf der Erde bekommen.....  ich weiß nicht ganz was ich davon halten soll aber ich wäre doch neugierig wie die Welt dort unten so ist. Ich sehe sie maximal vom Himmelszelt aus." Er starrte etwas abwesend auf das Weinglas, welches ihm gerade von einer der Nymphen hingestellt worden war. 

" Ach so toll ist es auch nicht! Im Sommer ist es heiß und man betet schon für ein Fünkchen Schatten... im Winter genau anders herum und zwischen drin regnet es wie aus Eimern" 

"Meine Güter du hast eine Laune..... Ich finde es sehr schön dort. Gerade wegen den verschiedenen Jahreszeiten, die vielen unterschiedlichen Menschen und ihre Festlichkeiten. .... Gut ja es gibt ein paar hektische Momente aber ....heheheh.... für die bin ich nicht zuständig." schwärmte Asmodaios ein bisschen vor sich hin.

"Mammon gibt es denn wirklich nichts was dir dort gefällt? Es kann doch nicht alles so schlecht sein wie du es klingen lässt" Phosphorus lehnte sich etwas vor, um an Asmodaios vorbei sehen zu können.

".......Najaa..... gut..... Die ganzen Edelsteine, das Gold was man  sonst so an Bodenschätzen finden kann ..... es glitzert so schön und ist dort ein Vermögen wert" der Gedanke an die Schätze brachte nun auch ein Lächeln auf die Lippen des Miesepeters.

" War ja klar..... du hortest in deinem kleinen Tempel schon Unmengen davon. Brauchen tust du eh nichts davon .. Du sitzt da nur drauf wie eine Glucke auf ihren Eiern" kam es von Asmodaios zurück. Mammon knurrte etwas missmutig "He Lichtbringer, glaubts du auch das es soo schlimm ist ein paar Souvenirs mitzunehmen?..... ähm...hast du mich gehört?"

Phosphorus hörte schon nicht mehr zu und war in Gedanken. So ganz wohl war ihm nicht, je mehr er darüber nachdachte was die Götter von ihm wollten. Das Lachen und Singen aus vollem Halse um ihn herum von dem er sich zuerst hinreißen lassen wollte, waren ihm plötzlich zuwider. Die heitere Stimmung,.... das wirre Gewusel wurde ihm plötzlich zu viel. "Tut mir leid, ich muss gehen.... irgendwie sagt mir das Geschehen hier nicht mehr zu. Wir können uns ein andermal wiedersehen." hastig trank er den Wein aus und verließ mit schnellen Schritten den Platz. "Na dann ... Wiedersehen .... schätze ich...." winkte ihm Asmodaios unbeholfen nach. "Er hört dich eh nicht mehr" meinte Mammon stumpf und drehte seinen Kopf wieder zur Theke.

Phosphorus hätte durchaus nach hause fliegen können, jedoch wählte er zu Fuß zu laufen. Er hoffte seine plötzliche innere Unruhe damit loszuwerden. Sein Weg führte ihn über einige, aus Licht gefertigte Brücken, vorbei an riesigen Blumengestecken, Alleen aus Bäumen und Statuen, entlang kleiner Wasserströme, die schlussendlich in Wasserfällen, welche sich in den weiten des Himmels verflüchtigten endeten. Er hatte kein Auge für die schöne und beinahe kitschige Umgebung, kannte er sie schließlich auswendig. Hier änderte sich fast nie etwas. Keine Jahreszeiten, keine neuen Bauten. Alles blieb beim Alten, umspielt von einem Panorama von Sternbildern. Einerseits freute er sich endlich etwas anderes zu Gesicht zu bekommen, kam er sich hier doch manchmal vor wie ein Vogel in einem Käfig. Phosphorus hatte bisher keine Erlaubnis die Himmelgefilde zu verlassen. Als er noch jünger war wollte er einmal sehen wie weit er sich entfernen konnte bis es jemandem auffiel. Kurz vor der Grenze hatten ihn die Wächter eingefangen und wieder zurück befördert, sie waren allerdings noch etwas entspannter aufgrund der Tatsache das er ja gerade erst kreiert wurde. Heute sähe das anders aus.

Die Meter flogen unter seinem schnellen Gang nur so dahin. In Gedanken versunken bemerkte er gar nicht das er bereits sein Ziel erreicht hatte. Erst als er eine, ihm bekannte Stimme vernahm die seinen Namen nannte sah er auf. Aurora saß auf der Mauer vor ihrem Heim und begrüßte ihn. Es schien als ob sie wieder bessere Laune hatte. Ihr Gesicht war viel entspannter als zuvor. " Du bist so abwesend mein Junge ..... ist etwas passiert?" Fragte sie und sah ihm dabei zi wie er näher kam und sich neben ihr auf die Mauer setzte bevor er antwortete. " was würdest du sagen wenn ich dir erzähle das der Rat mich auf die Erde schicken will?". Aurora seufzte, das war es also. " .... Nun.... da haben sie es aber eilig gehabt... mein Gespräch mit ihnen am Vormittag handelte darüber... ich hatte nur nicht gedacht das sie es so schnell umsetzen. Ich muss sagen ich war nicht begeistert von der Idee" " verstehe.... das war es also... weshalb warst du dagegen? Ich meine ... natürlich scheinen sie etwas zu planen und etwas mulmig ist mir auch zumute... aber du hast vielleicht mehr Informationen" er blickte in ihr melancholisch Gesicht. " Da du es eh herausfinden würdest oder mich solange löcherst bis ich dir die Wahrheit sage...... ich befürchte das sie vorhaben dich langsam zum Krieger zu trainieren" erklärte sie. Phosphorus blieb gefasst, es würde nichts bringen sich darüber aufzuregen. Letztendlich bliebe ihm eh keine andere Wahl. " naja ich werde eben tun was sie sagen..... möglicherweise ist ihr Ansatz gar nicht so schlecht.... immerhin bin ich nicht zu Ares Trainingslager geschickt worden.. seine spartanische Erziehungsmethode geht mir nir vom hören an die Nieren." Er lehnte seinen Kopf auf Auroras Schulter und sah mit ihr zum Horizont.


Seine Morgenroutine lief ab wie schon seit Jahrhunderten nur mit dem Unterschied das ihn zu hause diesmal Hermes erwartete. Von weitem konnte Phosphorus schon erkennen das dieser eine riesige Schriftrolle mot sich führte. " oh bitte sag mir nicht das er vor hat das alles vorzulesen......" dachte sich der Rothaarige und verzog das Gesichte etwas genervt.

Der Götterbote der zuerst mit Aurora geplaudert hatte drehte sich abrupt um als er merkte das die Person wegen der er eigentlich hier war mittlerweile eingetroffen ist. "Oh guten Morgen .. schön das ich dich gleich antreffe. Hier sind alle nötigen Papiere ... die Aufenthaltserlaubnis für die Erde..   und das andere sind noch ein paar Gesetze die es unbedingt einzuhalten gilt. Einen offiziellen Auftrag hab ich noch nicht aber du kannst die Zeit nutzen dich mit der Welt dort unten vertraut zu machen. Die Regeln ....kannst du sicherlich selbst lesen und ich muss sie dir nicht erklären...... ich bin etwas in Eile..... muss eigentlich schon wieder weiter..... nun denn angenehm Tag." Er drückte Phosphorus hastig die Schriftrollen in die Hand, und war auch schon durch die Wolken verschwunden. Er atmete durch und trug den Haufen an Rollen erstmal ins innere des Tempels. Aurora musste etwas schmunzeln bei dem riesigen Stapel den er vor sich hertrug.

Er ließ sie mit einem rums auf einen Tisch fallen und sich selbst auch gleich auf den Stuhl daneben. Etwas lustlos sah er sich die Rollen durch. "Na dann mal los......." der Lichtträger griff nach einer der Schriften und entrollte sie. Seine Augen glitten über die Zeilen und überflogen dabei grob was dort geschrieben stand "....Herkunft soll unerkannt bleiben....aha.... kein Wissen aus den Himmelgefilden soll unter die Menschen geraten......mh.... Creaturen aus den Unterwelten sind zu vertreiben oder vollständig zu vernichten....... Besitz ergreifen von Menschen ohne guten Grund ist nicht gestattet..... eine Verbindung mit den sterblichen eingehen ist ebenfalls unerwünscht...Pf... es ist untersagt eigenmächtig außerhalb der Aufträge auf der Erde zu handeln......... ach.... bla bla... so genau nehmen sie es doch selbst nicht".  Er las weitere Pergamente und Schriften auf Tonplatten durch. Seine Miene verzog sich etwas "......Ihr wollt mir sagen das es diese ganzen Regeln gibt....... aber Ihr haltet euch so gut wie kaum daran??....." murmelte er zu sich selbst.

"Sie sehen es mehr als Richtlinie....." meinte Aurora etwas betrübt und starrte auf die Papiere.

"Aber sie verlangen von mir das ich mich präzise daran halte....." er drehte seinen Kopf zu ihr.

Die Göttin der Morgenröte nickte schwach. "......Ja... ich seh schon.... ich bin zu weit unten in der Hierarchie....möglicherweise ist das aber auch eine Chance aufzusteigen..... vielleicht komme ich ja auch in die höheren Ränge wenn ich mich brav daran halte, dann kann ich später ebenfalls ein paar Regeln hier und da übertreten...." dachte er laut. Für ihn schien die Idee plausibel. Dies brachte wieder ein kleines Lächeln auf seine Lippen. 

Aurora konnte jedoch nicht anders als dem Ganzen weiterhin skeptisch gegenüber zu bleiben.

Phosphorus - Es werde LichtWo Geschichten leben. Entdecke jetzt