Lucifers Sicht
Die Ruhe hatte er benötigt. Ausgeruht und mit deutlich klarem Kopf machte sich der König der Hölle für sein Treffen mit den Ars Goetia fertig, dass er fast einen ganzen Tag geschlafen hat; darüber verschwendete er keinen Gedanken. Auch nicht an das mögliche Chaos, was Lilith und Alastor angerichtet haben könnten. Mit diesen Dingen konnte er sich auch später noch befassen. Würde er sich sofort den Kopf zerbrechen, könnte er wohl geradewegs zurück ins Bett wandern. Diese Option klang verlockend. Immerhin hatte er nur so fest geschlafen, weil das Bett nach dem Radio Dämon gerochen hat. Jedoch konnte sich der König nicht einen weiteren Tag Abstinenz erlauben. Besonders dann nicht, wenn seine Ex-Frau in der Nähe war.
Mit einem tiefen Atemzug richtete er sich seinen Hut und griff nach dem reparierten Gehstock. Ihm war immer noch ein Rätsel, wie und wann er diesen kaputt gemacht hatte. War es bei dem Gespräch mit Lilith? Das muss es wohl, schließlich machte ihn niemand so wütend wie sie. Und um seinen Stock zu zerbrechen, musste man wirklich einiges an Kraft aufwenden. Nur weshalb erinnerte er sich nicht mehr? Konnte Wut einem die Erinnerung nehmen? Bei Gelegenheit sollte er Satan danach fragen. Als Sünde des Zorns müsste dieser die passenden Antworten haben.
Nach einem letzten prüfenden Blick im Spiegel wandte er sich endlich ab und öffnete ein Portal. Besser, er brachte das Treffen schnell hinter sich. Er müsste danach dringend nach Alastor sehen. Fast hatte er vorgehabt, ihn mitzunehmen, entschied sich dann aber dagegen. Nach dem Treffen wollte der König noch etwas im privaten Rahmen mit einem der Goetias besprechen, da konnte er Alastors Anwesenheit nicht gebrauchen. Besonders deshalb, weil es dabei um ihn ging.
"Dad?" Die Stimme seiner Tochter ließ ihn innehalten. Mit einem Fuß war er bereits durch das Portal getreten, aber wenn Charlie etwas wollte, könnte er wohl ein paar Minuten zu spät kommen. Wer sollte ihn dafür auch schon tadeln? Er war der König, niemand würde sich beschweren, wenn er zu spät kam. "Einen Moment, Schätzchen!", rief er, schloss das Portal und lief zur Tür, um sie zu öffnen. "Was gibt es?", fragte er und ließ seine Tochter eintreten. Sein Herz erfüllte sich mit Wärme aufgrund der Tatsache, dass sie zu ihm kam. Ihn stimmte es glücklich, dass sie mit ihm reden wollte. So sehr, dass er nicht einmal ihren sorgenvollen Blick bemerkte.
"Ich hoffe, ich störe nicht. Ich wollte dich nur etwas fragen, wenn es dir nichts ausmacht", begann sie und spielte nervös mit ihren Fingern. Auch das, übersah der Teufel völlig. Mehr konzentrierte er sich auf ihre Worte. "Du störst niemals, CharChar! Zwar wollte ich gerade zu einem Meeting, aber ein wenig verspäten kann ich mich. Also, schieß los!", lächelte er und lehnte sich mit beiden Händen auf seinen Stock, während er gespannt darauf wartete, worüber sie reden wollte. Schließlich kam es nicht häufig vor, dass sie zu ihm kam.
"Also, ähm... Ich wollte wissen, wie du und Alastor euch kennengelernt habt. Und wie es dazu kam, dass du seine Seele besitzt..." Bei dieser Frage fielen Lucifers Mundwinkel nach unten und seine Stirn legte sich in Falten. Diese Frage bedeutete nichts Gutes. Ihm war bewusst, dass sie kommen würde. Besonders nach der Show, die der Radio Dämon letztens in der Lobby abgezogen hat. Doch nun, wo Lilith mit im Bilde war, konnte der Teufel davon ausgehen, dass sie Charlie einen Floh ins Ohr gesetzt haben muss.
"Nun, das ist eine lange Geschichte. Und ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich mit dir darüber reden kann. Alastor würde bestimmt nicht wollen, dass du alle Einzelheiten kennst. Er ist in solchen Dingen sehr auf Diskretion bedacht. Und ich ehrlich gesagt auch. Du weißt, ich liebe dich, Charlie, aber meine Arbeit würde ich, so gut es geht, gerne von dir fernhalten", erklärte er nach einer kurzen Weile des Grübelns. Dies war zumindest nicht gelogen. Alastor wäre stinkig, wenn er jedes Detail verraten würde. Doch auch Lucifer selbst wollte ungern mit seiner Tochter darüber reden. Um diese Geschichte zu erzählen, müsste er ihr gegenüber Dinge zugeben, auf die er nicht stolz war und die ein schlechtes Licht auf ihn werfen könnten. Ihre ohnehin schon sehr angeschlagene Beziehung würde bloß noch mehr darunter leiden.
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More than anything
Fanfiction[Radioapple] || Der König der Hölle und der Radio Dämon... Wer würde auch nur im Traum daran denken, die beiden in einem Satz zu erwähnen? Während Lucifer sich über die Jahre immer mehr zurückgezogen hat und kaum noch vor jemandes Gesicht trat, trei...
