Während ich performte, spürte ich, wie mir die Last von den Schultern fiel. Es war ein wirklich schönes Gefühl, das mich irgendwie beruhigte.
Ich beendete den Song und sah in die Gesichter der Leute, die ihn nicht ganz deuten konnten.
„Also, Soraya, ich muss dir ehrlich sagen, dass du...," stoppte er plötzlich und ließ mich erzittern. Er schaute mich ernst an. Plötzlich fing er an zu grinsen, was mich verwirrte. „Das war wirklich krass! Obwohl ich diese Art von Musik sonst nicht mag, war das stark, ja. So jemanden brauchen wir unbedingt. Und wie gesagt, ein Rap-Part wäre auch krass," sagte er, was mich sehr freute.
„Also, da kann ich mich nur anschließen," sagte Abija.
(Hab vergessen, wie der letzte hieß.😭)
„Naja, ich finde, das ist 08/15-Gesang. Also, ich finde es jetzt nicht so krass, aber du hast Potenzial," sagte der Letzte, was mich aber nicht allzu störte, da ich nicht gedacht hätte, es bis hierher zu schaffen.
Danke, wirklich", sagte ich grinsend.
„Ach so, und Soraya, du hast vergessen, das Interview zu machen. Geh einfach da hinten hin und mach es schnell", sagte Sami noch, bevor ich ging.
Ich nickte nur und ging in einen kleinen Raum, in dem eine Interviewerin und mehrere Kameraleute warteten.
„Setz dich einmal", sagte die Frau.
Ich setzte mich und lächelte nur freundlich.
„Stell dich doch bitte kurz vor."
„Also, ich bin Soraya, 19 Jahre alt, und ja, ich bin halb Iranerin und halb Italienerin und lebe aktuell in Mainz", sagte ich.
„Interessante Kombi. Erzähl, was hat dich zu Rap la rue getrieben?" fragte sie.
Es war eher meine Freundin. An dieser Stelle: Hey Elif!", sagte ich und zeigte ein Peace-Zeichen in die Kamera, während ich lächelte.
„Sie wollte unbedingt, dass ich hier mitmache", beendete ich.
„Das ist ja schön", sagte sie.
„Okay, das war's schon, danke", sagte sie freundlich.
Ich nickte, stand auf und ging zurück in den Raum, wo keine Shorty mehr stand, da sie direkt nach mir aufgerufen worden war.
...
Als fast alle mit ihrem Auftritt fertig waren, stand ich immer noch dort und war interessiert daran, wie sich die anderen Teilnehmer schlagen würden.
Ich unterhielt mich mit Elif am Telefon darüber, wie es lief und wie die Leute hier so drauf sind.
Ich war komplett abgelenkt, als ich plötzlich eine vertraute Stimme hörte, die mich überraschte. Sie weckte Neugier in mir, weshalb ich mich ruckartig umdrehte und die Person sah, wegen der ich vier Wochen lang geweint hatte.
Er hatte mich anscheinend auch bemerkt, denn sein Blick war komplett auf mich gerichtet. Eine Gänsehaut durchzog mich, und ich ließ mein Handy fallen, als ich in eine Schockstarre geriet. Aus meinem Handy hörte ich nur noch Elif, die fragte, ob ich noch dran sei.
Die anderen Leute hoben mein Handy auf und griffen unter meine Arme, da ich mich an der Wand abstützte, um nicht hinzufallen.
Alles gut?", fragte eine unbekannte Person, aber ich konnte nicht antworten.
Amo war anscheinend auch fertig, denn er kam auf mich zu und hatte einen besorgten Blick.
„Soraya?", sagte er besorgt, während er mich ansah und mir näher kam.
Ich nahm mein Handy und rannte hinaus. Die Tränen strömten unkontrolliert über mein Gesicht. Amo rannte mir hinterher und setzte sich zu mir auf die Treppen.
Wir saßen mehrere Minuten stumm nebeneinander, bis ich mich traute, einen Blick in seine Richtung zu werfen.
Seine Augen waren komplett rot, und seine Augenringe waren tiefer als je zuvor. Es tat mir leid, ihn so zu sehen.
„Es tut mir so leid", sagte ich, meine Stimme zitternd.
Er nickte nur, und ich stand auf, um endlich zu verschwinden.
„Bitte, lass uns reden", sagte er.
Aber ich ging einfach weiter.
Ich ging einfach weiter, ohne mich noch einmal umzudrehen. Jeder Schritt fühlte sich schwer an, als ob ich durch dichten Nebel waten würde. Die Welt um mich herum verschwamm, und das einzige, was ich noch hörte, war das leise Echo von Amos Worten in meinem Kopf.
Als ich schließlich das freebc verließ, fühlte ich die kühle Luft auf meiner Haut, doch sie brachte keine Erleichterung. Die Stadt, die sonst so lebendig war, schien plötzlich still zu stehen. Ich wusste nicht, wohin ich gehen sollte, nur, dass ich weg musste – weg von allem, was mich an die letzten Monate erinnerte.
Ich lief ziellos durch die Straßen, bis ich schließlich an einem kleinen Park ankam. Die Bänke waren leer, und das Rauschen der Blätter war das einzige Geräusch, das die Stille durchbrach. Ich setzte mich auf eine Bank und starrte ins Leere, während die Tränen weiter flossen.
Es war nicht das erste Mal, dass ich mich so verloren fühlte, aber diesmal war es anders. Es war, als ob ein Teil von mir fehlte, ein Teil, den ich nicht so leicht zurückbekommen würde. Und obwohl ich wusste, dass es keinen einfachen Weg gab, den Schmerz zu lindern, wünschte ich mir nichts sehnlicher, als dass alles anders gelaufen wäre.
Die Minuten vergingen, und ich blieb einfach sitzen, die Zeit schien stillzustehen. Mein Atem ging schwer, und der Kloß in meinem Hals schien immer größer zu werden. Erinnerungen an die vergangenen Wochen fluteten mein Bewusstsein – Momente, in denen alles noch in Ordnung schien, als Amos Lächeln mir die Welt bedeutete. Doch jetzt war alles zerbrochen, und ich wusste nicht, wie ich die Teile wieder zusammensetzen sollte.
Plötzlich hörte ich Schritte, die sich mir näherten. Für einen Moment spannte sich mein Körper an, als ob ich mich gegen das Unvermeidliche wappnen wollte. Doch als ich aufblickte, sah ich nicht Amo, sondern eine alte Frau, die einen kleinen Hund an der Leine führte. Sie schenkte mir ein mitfühlendes Lächeln, bevor sie langsam weiterging. Ich erwiderte das Lächeln nicht, aber in diesem Augenblick spürte ich eine seltsame Verbindung zu ihr – ein flüchtiges Gefühl, als ob sie meinen Schmerz verstanden hätte, ohne ein Wort zu sagen.
Langsam beruhigte sich mein Atem, und ich wischte die letzten Tränen weg. Ich wusste, dass ich nicht ewig hier sitzen konnte. Irgendwann musste ich mich der Realität stellen, auch wenn sie schmerzhaft war. Ich nahm mein Handy aus der Tasche und sah, dass ich mehrere Nachrichten von Elif hatte. Sie musste sich Sorgen machen, und das letzte, was ich wollte, war, dass auch sie sich meinetwegen schlecht fühlte.
Mit zitternden Fingern schrieb ich ihr eine kurze Nachricht: „Bin okay, melde mich später." Es war nicht die ganze Wahrheit, aber es war alles, was ich im Moment zustande brachte.
Als ich das Handy wieder wegsteckte, wusste ich, dass ich eine Entscheidung treffen musste. Weglaufen würde nichts ändern, und so schwer es auch war, ich würde einen Weg finden müssen, weiterzumachen. Vielleicht würde es Zeit brauchen, und vielleicht würde der Schmerz nie ganz verschwinden, aber ich wollte nicht mehr diejenige sein, die ständig wegrennt.
Mit einem tiefen Atemzug stand ich auf. Der Park lag immer noch in einer stillen, beruhigenden Ruhe, und in dieser Stille fand ich ein kleines Stückchen Trost. Schritt für Schritt machte ich mich auf den Weg zurück – zurück nach Hause.
__________________________________
Längeres Kapitel Hehe
DU LIEST GERADE
Amo - Wenn nicht du,wer dann?
FanfictionSoraya, eine 19-jährige junge Frau, führt ein ganz normales Leben - zumindest glaubt sie das. Doch bald wird sich alles ändern. Wird sie ihr neues Leben akzeptieren können, und wie wird sie mit den Herausforderungen umgehen?
