Ein Lebkuchenmann zu Weihnachten

32 5 4
                                    

,,Anna?", drang die Stimme meiner Schwester an mein Ohr.
,,Hm?"
Ich löste meinen Blick von meinen Unterlagen, die den gesamten Schreibtisch bedeckten und sah sie fragend an.
,,Was hast du gesagt?"
,,Ob du nicht doch mitkommen möchtest? Mum und Dad würde sich freuen."
Seufzend lehnte ich mich zurück und musterte Lydia.
,,Ich kann nicht. Ich muss das fertigen bekommen."
,,Aber es ist Weihnachten", argumentierte meine Schwester.
Für sie war das Grund genug um Arbeiten ruhen zu lassen.
Für mich jedoch nicht.
Der Auftrag war wichtig und ich musste pünktlich fertig sein.
,,Weihnachten ist jedes Jahr, Lydia."
Und es war jedes Jahr das selbe.
,,Es ist etwas besonderes. Dieses Jahr besucht uns David."
Überrascht zog ich eine Braue nach Oben.
David war mein alter High School Freund.
Er blieb in der Kleinstadt, mich zog es nach Manhattan.
Und so, brach der Kontakt irgendwann ab.
,,Lydia."
,,Schon gut. - Hier."
Lydia hielt mir eine weihnachtlich verzierte Schachtel entgegen.
,,Ich war in der Bäckerei. Nur was kleines zu Weihnachten."
Verwundert nahm ich die Schachtel an und sah hinein.
,,Ein Lebkuchenmann? Süße Gesellschaft", stellte ich leicht amüsiert fest.
,,Dann bist du wenigstens nicht allein."
Schmunzelnd schloß ich die Schachtel wieder und stellte sie zur Seite.
,,Danke."
Lydia versuchte sich an einem Lächeln. Ich wusste, dass es ihr lieber wäre, ich würde jetzt mitfahren.
Schließlich verabschiedeten wir uns von einander und Lydia fuhr zu meinen Eltern.
Und ich?
Ich hatte wieder Zeit, mich um mein Projekt zu kümmern.
Konzentriert ging ich meine Unterlagen durch.
Markierte kleine Fehler, um die ich mich später kümmern müsste und machte mir einige Notizen.
Gähnend rieb ich mir nach einiger Zeit die Augen und warf einen Blick auf die Uhr.
Es war kurz vor Mitternacht und so müde wie ich war, sollte ich ins Bett gehen, doch wie so oft, entschied ich mich gegen den Schlaf und für das Koffein.
Mit der dampfenden Tasse in der Hand schweifte mein Blick über die Papiere.
,,Psst, Anna"
Erschrocken sah ich mich um, konnte jedoch niemandem entdecken.
,,Hier unten."
Meine Augen suchten den Boden ab, aber nichts.
Kopfschüttelnd nippte ich an meiner Tasse.
,,Anna, die Schachtel. Lass mich raus"
Als ich ein weiteres Mal diese Stimme hörte sah ich in meine Tasse. Dabei wusste ich, das dort wirklich nur Kaffee drin war.
Zögerlich öffnete ich die Schachtel.
,,Na endlich."
Ungläubig rieb ich mir die Augen, als der Lebkuchenmann aus der Schachtel stieg und mich anlächelte.
,,Was machst du hier?", fragte er neugierig und lief über die Unterlagen.
,,Arbeiten."
Ich schüttelte den Kopf.
Ich unterhalte mich doch nicht mit Gebäck.
,,Aber es ist Weihnachten."
,,Und das ist wichtig"
Der Lebkuchenmann ging zur Tischkante und setzte sich.
,,Weihnachten verbringt man mit den Menschen die man liebt", fuhr er fort.
,,Das Projekt ist wichtig. Ich muss,-"
Ich stockte und setzte mich Kopfschüttelnd wieder.
,,Ich muss mich vor dir nicht rechtfertigen. Du bist Lebkuchen."
Der Lebenkuchenmann stand auf und stellte sich vor mich.
,,Der Zauber der Weihnacht ist so viel wichtiger, als das da. Diese Zeit ist voller Magie und Wunder. Es ist die Zeit der Liebe und der Güte. Es...."
,,Kannst du den Mund halten?", fragte ich beinahe genervt.
Einen ähnlichen Vortrag hatte ich bereits von meiner Schwester bekommen.
,,Bring mich dazu."
Ich stoppte in meiner Bewegung und musterte den Lebekuchenmann, der breit grinsend zu mir auf sah.
Vielleicht würde es reichen, wenn ich die Schokolinsen esse, aus denen sein Mund bestandt.
Wäre aber eigentlich schade drum.
,,Wie wäre es mit einem kleinen Kuss?", schlug er mir schließlich vor.
Vielleicht war doch was in dem Kaffee, überlegte ich.
,,Nein."
,,Dann rede ich weiter. - Weihnachten ist das fest der Liebe. Das sollte man nicht allein verbringen. Es"
Ehe er weiter rede konnte, griff ich vorsichtig nach ihm und drückte ihm einen Kuss auf.
Anschließend setzte ich ihn wieder in die Schachtel.
Hoffentlich war nun Ruhe.
In dem Moment,  als ich mich wieder meinen Unterlagen widmen wollte, spürte ich zwei Hände auf meinen Schultern.
,,Anna."
Ich schielte zur Schachtel, die leer auf dem Tisch stand.
Verunsichert blickte ich hinter mich.
Es war die Stimme des Lebkuchenmannes, aber hinter mir stand ein Mann.
Ein echter Mann.
,,Was? Wieso? Aber ..."
,,Sehe ich so schrecklich aus?", fragte er sanft lächelnd.
,,Nein, aber du warst doch eben noch,- und jetzt, ich ...", stammeltr ich und stand auf.
Ich tigerte durch mein Büro, bis der Lebkuchenmann sich vor mich stellte.
Er griff nach meinem Handgelenk und zog mich zu sich.
So dicht vor ihm raubte er mir glatt den Atem.
,,Was möchtest du?", fragte ich.
,,Das du verstehst worum es an Weihnachten geht."
,,Das weiß ich, wirklich", versicherte ich ihm und schaute ihm dabei tief in die Haselnussbraunen Augen.
,,Dann weißt du, was zu tun ist."
Sanft strich er mir eine Haarsträhne aus den Gesicht.
,,Wenn ich dich erneut küsse, wirst du dann wieder zum Lebkuchenmann?", hauchte ich ihm entgegen.
,,Finde es doch raus."
Seine Lippen waren meinen so nahe, dass ich tatsächlich nicht anders konnte.
Unsere Lippen vereinten sich zu einem Kuss, der um mich rum alles vergessen ließ.
Alles verschwamm, bis ....

Ich hochschreckte und mit einem dumpfen Knall vom Stuhl fiel.
,,Verdammt!", fluchte ich und sah mich um.
Ich war allein.
Draußen ging bereits die Sonne auf.
Ich brauchte einen Moment, bis ich realisierte, dass das alles nur ein Traum war, ein wirklich skurriler Traum.
Ich stand auf und ließ mich seufzend auf meinen Bürostuhl fallen.
Dann griff ich nach der Schachtel.
Der Lebkuchenmann lag, ordentlich verpackt darin.
Lächelnd machte ich die Schachtel wieder zu.
Dabei fiel mir das Logo der Bäckerei auf.
,,Johnsons Bakery", murmelte ich.
Lydia war nicht in irgendeiner Bäckerei, sondern in der von David.
Zufall?
Sicherlich nicht.
Zumal sie extra gesagt hatte, das David Weihnachten da sein würde.
,,Okay, Lebkuchenmann. Du hast gewonnen", flüsterte ich.
Ich ließ mein Büro so wie es war, und ging packen.
Mit einem großen Koffer in der einen und dem Lebkuchenmann in der anderen Hand, verließ ich mein Haus und stieg in den Wagen.
Vorbei an geschmückten Häusern und schneebedeckten Landschaften  fuhr ich zu meiner Familie.
Und auch wenn ich es vielleicht nicht zugeben würde, freute ich mich darauf, die Weihnachtstage mit ihnen zu verbringen.
Einige Stunden später stand ich vor der Tür meiner Eltern.
Noch bevor ich auf die Klingel drücken konnte, ging die Tür auf.
,,Frohe Weihnachten, Anna", begrüßte mich David.
Sein Lächeln ließ mein Herz direkt schneller schlagen. Es fühlte sich an wie damals.
Und das nach all den Jahren, die vergangen waren.
Vielleicht hatte der Lebkuchenmann recht.
Es lag wirklich etwas magisches in der Luft.
Die Magie der Weihnacht.

Die Magie der Weihnacht

Hoppla! Dieses Bild entspricht nicht unseren inhaltlichen Richtlinien. Um mit dem Veröffentlichen fortfahren zu können, entferne es bitte oder lade ein anderes Bild hoch.
Du hast das Ende der veröffentlichten Teile erreicht.

⏰ Letzte Aktualisierung: Dec 13, 2024 ⏰

Füge diese Geschichte zu deiner Bibliothek hinzu, um über neue Kapitel informiert zu werden!

Produktive Langeweile Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt