Zuhause angekommen schloss ich hinter mir die Tür zu und verriegelte diese, weil immer hin und wieder sich hier idiotische Menschen herumtreiben. ,, Mach es dir ruhig bequem," meinte ich nur und machte ein paar Kerzen mit einem gefundenen Feuerzeug an. Fast alles, was ich benutze ist gefunden oder im seltenen Fall geklaut. Der Wolf stand erst einmal herum und schaute sich in der neuen Umgebung um.
Als er das Sofa entdeckte, ging er darauf zu und sprang drauf. Dann setzte er sich hin und hechelte zufrieden. Ich ging kurz in die Abstellkammer mit einer kleinen Dose und holte Wasser aus einem Eimer, der immer an der Regenrinne steht. Als ich mit einer vollen Dose Wasser wieder kam passierte etwas, dass ich selber nicht für möglich gehalten hätte. Der Wolf verwandelte sich vor mir in einen Menschen und er hatte die selben Merkmale eines Wolfes wie ich. Er schaute zu mir herüber und sagte erst einmal kein einziges Wort. Ich stand nur verwirrt in der Mitte des Wohnzimmers und war total überrascht. Überrascht in dem Sinne von völlig schockiert und glücklich zur selben Zeit.
Plötzlich überrannten meine Gefühle mich und ich ließ mich auf die Knie fallen. Die Dose stellte ich ab und fing an leicht vor Freude an zu Tränen. Der andere Werwolf kam auf mich zu und umarmte mich. Er tetschelte mir auf den Kopf und versuchte mich zu beruhigen. ,, Es ist alles in Ordnung mein Freund," waren seine ersten Worte zu mir. Dann hob er mich hoch und trug mich zum Sofa. Dort ließ er mich wieder runter und setzte sich neben mich.
Wieder legte er seiner Hand auf meinen Kopf und streichelte mich sanft. Schnell wischte ich mir dann bald die Tränen weg und entschuldigte mich für den kurzen Gefühlsausbruch. ,, Kein Problem. Wie heißt du eigentlich, mein Freund?" ,, Ich heiße Markus und du?" Er fing kurz an zu überlegen, als ob er es schon lange nicht mehr seinen Namen gesagt hätte. ,, Nenn mich Vincent," antwortete er und schaute mich mit einem genervten Blick an, obwohl er glücklich zu sein schien.
Doch ihn darauf anzusprechen würde ihn bestimmt nerven. Er nahm seine Hand zurück und machte sich auf den Sofa breit. ,, Wie alt bist du eigentlich?" Meine Neugier konnte ich leider nicht verbergen, da ich noch nie einen anderen Werwolf gesehen hatte, geschweige denn mit einen gesprochen. Nachdenklich schaute er mich mit seinen weißen Augen an und kratzte sich an seinem Kinn. ,, Ich bin nach meinem 21 Lebensjahr nicht mehr gealtert und du? Du siehst noch sehr jung aus," meinte er. Ich nickte und meinte, dass ich 17 wäre und auch in diesem Alter geblieben wäre. Werwolfe altern nach einer bestimmten Zeitspanne nicht mehr.
Gerüchten zufolge vom 16-25 Lebensjahr altern sie nicht mehr. ,, Du siehst wie 21 aus. Immerhin hast du schon einen drei Tage Bart am Kinn und längere Haare. Außerdem bist du sehr groß, während ich nicht mehr wachsen kann und auch keinen Bart kriegen kann." Er grinste kurz schadenfreudig und zuckte mit seinen Schultern. Ich mochte seinen Kleidungs- Stil sehr gerne. Er trug ein weißes Langarm-Shirt und eine blaue Jeans die leicht zerfetzt war. Dazu noch abgenutzte Sportschuhe.
Ich stand vom Sofa auf und lächelte einfach. Vom Boden hob ich das Wasser auf und drückte es Vincent in die Hand. ,, Bitte sehr. Ich sammle von draußen noch etwas Holz für den Kamin. Wenn es getrocknet ist, können wir uns an den warmen Kamin setzten." Vincent neigte leicht seinen Kopf. ,, Holz zu dieser Jahreszeit noch sammeln? Dir wird sicherlich kalt und du erfrierst!" Ich schüttelte den Kopf und erklärte, dass es nicht allzu lange dauern wird. ,, Soll ich mitkommen?" Er fragte es in einen sehr besorgten Ton. Als würde er Angst haben, dass ich nie wieder kommen würde. ,, Brauchst du nicht. Es wird ungefähr so eine halbe Stunde dauern, bis ich genug habe," meinte ich und öffnete die Tür. Vincent nickte einfach und drehte seinen Kopf genervt von mir weg.
,, Das ist ein sehr seltsamer Typ, aber ich mag ihn," dachte ich mir und machte hinter mir die Tür zu. Neben der Tür war eine kleine, geflochtene Tasche, die ich immer für's Stöcker sammeln benutzte. Ich nahm sie unter meinen Arm und ging in den Wald, der etwa ein paar Meter hinter meinem Haus war. Es war sehr dunkel und kalt. Kein Wunder. Es war schön spät und mitten im Winter. Ich beschloss mich etwas zu beeilen, weil jemand auf mich wartete. Das kannte ich nur innerhalb des Rudels, wenn ich mal mit auf der Jagt war. Da ich von den Männchen den tiefsten Rang hatte, musste ich die Beute bis zum Revier ziehen, bevor andere Raubtiere kamen, um es streitig zu machen.
Im Wald hatte ich keine andere Wahl als mich durch den gefrohrenden Boden zu buddeln, um noch ein paar Zweige und Äste ergattern zu können. Zur Not konnte ich auch von Bäumen ein paar Äste abbrechen und mitnehmen. Nach ungefähr zwanzig Minuten war meine Tasche zur Hälfte gefüllt. Das reichte, um eine ganze Nacht mein Haus warm zu halten. Ich beschloss zurück zu meinem Haus zu gehen. Auf dem Weg schaute ich mir die ganze Zeit den Mond an, weil ich über etwas aus der Zeitung nachgedacht hatte. Darin stand, dass in ein paar Tagen der vollständige Blutmond am Himmel erscheinen wird und den ganzen Himmel in einem dunklen rot versinken lässt.
Darauf freue ich mich schon sehr lange und ich überlege mir, ob ich Vincent mitnehmen sollte. Ich möchte zu einem bestimmten Ort, wenn dieser besondere Mond erscheint. Zuhause angekommen sah ich, dass Vincent auf dem Sofa eingeschlafen war. Er atmete sehr leise und schien sogar im Schlaf etwas genervt zu schauen. Irgendwie war es für mich etwas fremd, jemanden bei mir zu haben. Vor allem auch nachts. Ich legte die Hölzer neben den Kamin und musste eine knappe Stunde warten, bis das Holz trocken genug war. Aus meiner Hosentasche nahm ich ein kleines Taschenmesser mit einer scharfen Klinge heraus und schnitt ein paar Zweige in kleine Späne, damit das Feuer schneller entfacht werden kann. Dann legte ich ein paar Hölzer hinein und machte den Kamin an. Ich rieb mir die Hände und saß eine Zeit lang davor, bis ich mich irgendwann auf den Teppich legte und einschlief.
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Ein Wolf mit Vorlieben (boyxboy)
FanfictionEs geht um den 17- jährigen Jungen namens Markus, der sein Leben unabhängig von Arbeit und Schule eigenständig aufgebaut hat. Er besitzt ein 1-stöckiges Haus mit wenig Möbeln und kein Geld. Er ist nur von essbaren Überresten im Müll abhängig und sei...