Kapitel 6.: Besuch

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Ein kitzelndes Gefühl weckte mich. Lansam öffnete ich meine Augen und sah Vincent in seiner Wolfsform auf mir liegen. Sein schweif wedelte leicht und kitzelte mich im Gesicht. Ich griff ihn vorsichtig und nahm ihn aus meinem Gesicht. Vincents Ohren stülpten sich auf und er drehte sich zu mir um. Er hatte etwas im Maul. Er legte es auf meinem Schoss und hechelte mich Schweif wedelnd an. Es war ein toter Vogel. Angeekelt schaute ich ihn an und griff mit meinen Fingerspitzen das tote Tier. ,, Das hebe ich mir für später auf," meinte ich und packte es in eine Tüte. Vincent bellte vor Freude und rannte im Wohnzimmer aufgeregt herum. ,, Ist ja gut, aber sag mal: Willst du heute die ganze Zeit über so bleiben?" Leicht nickte er und sprang auf und ab.

,, Gut. Ich wollte mich heute eh mit Vanessa treffen, denn sie sollte gestern auch nach dir suchen. Nur damit sie Bescheid weiß, dass es dir gut geht," erklärte ich. Vincent wedelte nur ungeduldig mit seinem Schweif und rannte zur Tür. Mit seiner einen Pfote kratzte er gegen diese und wartete auf mich.

,, Lass mich doch erst einmal wach werden du Spinner." Mit dieser Antwort gab Vincent sich nicht zufrieden und fing an laut zu jaulen. Ich hielt mir die Ohren zu und öffnete die Tür. ,, Na gut. Gehen wir," sagte ich an. Vincent hörte auf zu jaulen und lief hastig voraus. Er schien als Wolf zutraulicher und aufgeweckter zu sein. So, als würde seine Persönlichkeit sich nach der Verwandlung ändern. Ich ging ihn normal hinterher und freute mich über den Besuch. Heute hatte Vanessa mal frei und kann mal richtig entspannen. Wir wollen sie eh nur kurz besuchen. Wir gingen in die Stadt und alle schauten auf Vincent, weil er ja kein Hund war. Ich pfiff ihn zu mir, sodass ich keinen allzu großen Ärger bekomme. Leider hielt mich ein Polizist an, der sich noch den letzten bissen seines belegten Brötchen in den Mund stopfte.

,, Ist das ihr Wolfshund?" Ich nickte und wollte am besten gar nichts sagen. ,, Wieso haben sie ihn nicht an der Leine? In dieser Stadt sind Leinen Pflicht!" Jetzt wurde ich erst recht nervös und wusste nicht, was ich antworten sollte. Doch auf einmal reagierte Vincent und setzte ich vor dem Polizisten. Er wedelte mit seinem Schweif und hechelte sehr friedlich. Der Polizist streichelte ihn am Kopf und hatte seine Art lieb gewonnen. ,, Hm... ich denke, dass heute mal eine Verwarnung reichen wird. Ich wünsche ihnen noch einen schönen Tag," meinte dieser und ging weiter.

,, Das war aber haarscharf," meinte ich und atmete erleichtert aus. Wir machten uns danach mit gutem Gefühl weiter auf dem Weg. Vanessas Haus liegt genau neben der Bäckerei, was ein ziemlicher Zufall war, denn sie hatte mir mal erzählt, dass als sie in diese Stadt gezogen war sie keinen Plan hatte, wo sie arbeiten könnte. An ihrem Haus angekommen, drückte ich sanft auf die Türklingel. Sie hörte sich wie die Melodie von der Uhr Big Ben in London an. Das hatte Vanessa mir zumindest erzählt. Keine Ahnung, wie dieser Big Ben aussieht. Ein paar Sekunden später ging die Tür auf und Vanessa stand im Türrahmen. ,, Hallo Markus. Komm Ruhig rein." Als ich in ihr Haus ging, folgte mir Vincent mit hinein. ,, Oh süß. Wen hast du den mitgebracht," fragte sie aufgeregt und krauelte Vincent am Nacken. ,, Das ist mein Hund. Den habe ich mir gestern geholt." Ich musste lügen oder sollte ich ihr sagen, dass es Vincent ist?

Wir gingen in ihre Stube und ich setzte mich auf einen Stuhl. Vanessa setzte sich gegenüber von mir hin und Vincent setzte sich neben mich auf den Boden hin. ,, Soll ich euch etwas bringen?"

,, Einen Kaffee. Ich bin noch leicht müde und für Vinc... ich meine Vinnie eine Wurst oder so." Ich konnte die Sache mit den Namen noch gerade so hinbiegen. Vanessa ging in ihre Küche, um den Kaffee zu kochen und holte aus dem Kühlschrank ein rohes Kottlet. Sie legte es vor Vincent hin und fragte mich, warum der Wolf lila sei. ,, Das war Vincent. Er hat ihn aus Spaß mit Farbe angesprüht."

,, Also ist er wieder zurück?" Fragte Vanessa und schenkte mir den Kaffee ein. Ich nahm noch etwas Milch, damit er nicht so bitter schmeckt. ,, Ja. Wir haben uns wieder vertragen, weil wir  davor einen kleinen Streit hatten," erklärte ich. ,, Streiten ist nie schön, aber es freut mich, dass er wieder aufgetaucht ist." Ich nickte und trank einen Schluck aus der Tasse. Wir unterhielten uns noch den restlichen Tag, waren einmal essen gegangen und gingen auch einmal spazieren, weil Vincent Auslauf brauchte. Am späten Abend so um halb neun verabschiedeten wir zwei uns und gingen nach Hause.

Ein Wolf mit Vorlieben (boyxboy)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt