Ich öffne die Augen. Mein Shirt ist feucht vom Tau, der die Wiese um mich herum mit silbernen Tropfen bedeckt. Ich setze mich auf und sehe mich um. Ein kühler Wind lässt mich zittern, aber die Kälte macht mich wach. Wankend komme ich auf die Beine und laufe einfach los. Ich habe auf der anderen Seite des kleinen Parks auf dem Boden geschlafen. Während ich in Richtung Stadtzentrum gehe versuche ich mich an den vergangenen Abend zu erinnern. Warum bin ich hier aufgewacht, ich wollte doch nach Hause gehen..
Als ich endlich die City erreiche, sind meine Kleider wieder einigermaßen trocken, dennoch friere ich. Die Sonne blitzt zwischen den Häusern hindurch, ich kneife die Augen zusammen und mustere im vorbeilaufen die Menschen, denen ich auf der morgendlichen Einkaufspassage begegne. Sie eilen geschäftig zur Arbeit, viele haben nur Augen für ihr Handy, die meisten beachten mich gar nicht. Das Lachen einiger Schulkinder vor mir lässt mich langsamer laufen, ich habe keine Lust sie zu sehen. Ich weiß, dass ich nie in die Schule gehen werde. Diese Kinder können so dankbar sein.
Ziellos wandele ich durch die Gassen, ich will nicht nach Hause. Hier kenne ich mich aus, ich fühle mich gut. Auf einer Brücke, die über einen kleinen Kanal führt setze ich mich auf das Geländer und beobachte von dort aus, wie die Sonne immer höher steigt.
Meine Gedanken kehren zum gestrigen Abend zurück. Und plötzlich blitzt eine Erinnerung in meinem Kopf auf. Der Fremde auf dem Dach! Wer war das? Warum war er dort?
Ich habe keine Antworten auf all die Fragen, die in meinem Kopf herumschwirren. Warum bin ich nicht nach Hause gegangen, was hat mich vor der Gestalt weglaufen lassen?..
Ich sollte heute Abend zurückgehen, nur in den Ruinen werde ich Antworten finden, das spüre ich. Aber zuerst nach Hause...
Ich springe von der Brücke und laufe neben dem Kanal in den Untergrund. Während ich durch die feuchten Rohre eile, geistert ein Name durch meinen Geist: Joe. Irgendetwas in mir zieht es zu ihm zurück, dieser Mensch ist zweifellos besonders. Ich fühle ihm gegenüber Sympathie, ja fast schon Zuneigung, dabei weiß ich Nichts über ihn. Aber unsere Wege haben sich gekreuzt und ich glaube, dass sie es wieder tun werden. Nein, ich weiß es. Ich kann es fühlen.
Die Tür steht offen. Eigentlich nicht sonderlich ungewöhnlich. Aber die Stille im Haus beunruhigt mich, obwohl auch das normal ist. Es ist eine besondere Stille, zu leise, lauernd, wartend.
Schnell und voller bösen Vorahnungen betrete ich das Haus. Alle Türen, die vom Flur abgehen, sind geschlossen, bis auf die Küchentür. Alles ist wie immer. Etwas ist anders. Was ist es? Meine Sinne sind wie benebelt, ich höre nichts, fühle kaum den Dielenboden unter meinen Füßen, sehe das flackernde Licht nur verschwommen. Erinnerungen überschwemmen meine Gedanken. Angst. Panik. Blut. Ein Bündel am Boden: Meine Mutter. Blut. Mein Schluchzen in der Stille. So. Viel. Blut. Leiser Atem streift mein Knie. Ihre Zitternde Hand und meine Kleine verzweifelt ineinander verschlungen. „Ich bin bei dir“ „Danke, Schatz“
Ich stehe in der Tür. Eine Gestalt steht am Herd. Ich mache einen Schritt in die Küche, meine Mutter dreht sich um. Mein Herz bleibt stehen.
„Da bist du ja“ flüstert sie, ein Lächeln streift ihre Lippen.
Und dann zerbricht die Stille.
Sie sieht mich besorgt an. Ich forsche in ihren Augen nach der Unbehaglichkeit, die ich empfinde, aber ihr Blick ist ruhig und voller Wärme.
"Du hast gefehlt"
Ich sehe ihr in die Augen und spühre dabei, wie eine einzelne Träne über meine Wange rinnt und von meinem Gesicht fällt. Auf dem Boden zerspringt sie in tausend kleine Tropfen. Meine Mutter lächelt und nickt. Dann wendet sie sich wieder dem Herd zu.
Ich drehe mich um und gehe zum Wohnzimmer. Dort kauere ich mich auf dem alten Ledersofa zusammen und starre an die Decke. Aus der Küche höre ich eine leise gesummte Melodie. Die Töne dringen in meinen Geist ein und tragen mich in eine Welt, die einzig mir gehört. Ich schließe die Augen und dann bin ich allein.
***
Hey ich weiss das hat ziemlich gedauert, ich hoffe euch gefällt das Kapitel.
Schreibt mir ruhig in die kommis oder privat blablabla wie ihr wollt dass es weitergeht, ich bin offen für alles:D
Ich schreib schnell weiter, versprochen:) ihr seid die besten, bis ganz bald
Xx julia
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Mein Lied
FanfictionDa ist nichts. Dunkelheit, vielleicht sterne. Aber ich sehe nichts. Ich will nichs mehr sehen. Ein Schritt. Ich falle. Ich stürze in das Wasser. Welt aus. Dies ist die Geschichte meines Lebens. Ich hoffe, sie gefällt euch.