6. Kapitel

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Marcels Sicht:

Ich würde Laura gerne fragen was mit ihr los ist, aber ich hielt das für keine gute Idee. Wir kannten uns schließlich noch nicht einmal richtig.

So machten wir uns wieder auf den Weg ins Tal. Es machte Spaß mit Laura bergzusteigen, sie hatte ein flottes, gleichmäßiges Tempo. Ich hoffte wir könnten öfter etwas gemeinsam unternehmen.

Sie kam mir nicht mehr so kühl und abweisend vor. Ich würde sie so gern näher kennenlernen und mehr über sie erfahren. Sie hatte bestimmt ihre Gründe, warum sie so war.

Lauras Sicht:

Ich war froh, als wir endlich im Tal ankamen. Ich war erleichtert und fühlte mich viel unbeschwerter. Schließlich kamen wir wieder am Einstieg an. Wir verabschiedeten uns voneinander und ich schlug die entgegengesetzte Richtung ein. Ich spürte Marcels Blick noch in meinem Rücken, als ich um die nächste Kurve bog.

Als ich zu Hause ankam, war es bereits später Nachmittag.

Ich wusste nicht direkt was ich von Marcel halten sollte. Natürlich mochte ich ihn, es machte sogar Spaß mit ihm zu reden und etwas zu unternehmen. Aber ich bin am liebsten einfach alleine. Andere Menschen nerven mich meistens nur. Das mag komisch wirken, da ich in meinem Beruf viel mit Menschen zu tun habe, aber das ist etwas anderes.
Ich schlichte Streitigkeiten, kläre Verbrechen auf oder besser verhindere manche Straftat. Das ist meine Welt, ich bin Teil der Polizeifamilie und auf das bin ich stolz. 

Vor einem Jahr nahm ich mir eine eigene Wohnung und war somit fast immer alleine. Ich war immer gerne alleine, man hat so ein Gefühl der Freiheit, man kann machen was man möchte. Ich liebe dieses Gefühl, doch ich weiß, dass ich mir das alles nur einrede. Ich möchte so gerne jemanden der mich versteht, mit dem ich einfach reden kann.
Ich bin meiner besten Freundin, Andrea, sehr dankbar. Ich bin oft verwundert, dass sie mich immer durchschaut.

Alle anderen Leute haben immer nur Mitleid, ich hasse das. Das macht alles nur noch schlimmer und sie denken sie helfen einem damit. Doch mittlerweile ist das wenigstens vorbei. Nach dem Begräbnis von Julian war alles wieder normal. Die Leute lebten normal weiter, sie haben es vergessen. Doch ich nicht. Es vergeht kein Tag an dem ich nicht an ihn denke.

Marcel&Laura  Eine geheimnisvolle LiebeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt