Jasmin POV:
Das Ticken der großen Standuhr neben mir beruhigte mich etwas.
Ich atmete einmal tief ein und überlegte was ich als nächstes sagen sollte. Dann öffnete ich meinen Mund und sprach:"Es tut mir leid,aber es hat sich einfach nichts geändert. Manchmal macht es sogar den Anschein noch viel intensiver und schlimmer zu werden."
Leicht beschämt aber auch ziemlich entschuldigend sah ich auf meine Schuhspitzen.
"Dir brauch nichts leid zu tun. Mich wundert es nur,dass sie die Einzige mit solch einem Problem sind.
Sicher das es nicht nur Einbildungen oder Lichtspielereien sind?",redete Frau Dien sanft auf mich ein.
Verzweifelt antwortete ich:"Nein,nein.
Es ist definitiv keine Einbildung!
Es passiert immer nur dann,wenn ich mich auf ein Bild konzentriere.
Bitte sagen sie mir,sie kriegen das wieder hin!"
Ich flehte und faltete sogar die Hände.
Etwas überfordert suchte Frau Dien die richtigen Worte:"Also...ich..."
Ich sah ihr jetzt direkt in die Augen,mit hoffnungsvollem Blick:"Bitte...ich will doch später auch nur ein normales Geschäftsleben führen können wie sie. Bitte helfen sie mir,egal was sie wollen ich machs,aber machen sie diese Fata Morgana weg!"
Eigentlich wollte ich es nicht so dramatisch schauspielen,da ich keine Dramaqueen bin (so wie meine Mutter*hust*), aber wenn ich damit weiterleben musste,verlor ich gutmöglich bald den Verstand.
Es ist wirklich gruselig.
Stellt euch einfach vor ihr geht mit euren Freundinnen oder Freunden durch die Stadt.
Ihr kommt an einem Poster vorbei und dort ist so eine typische
"Happy Familie"-Werbung.
Doch diese Leute starren nur dich die ganze Zeit an und folgen dir mit ihrem Blick die ganze Zeit!
Ist das nicht ein bischen creepy?
Und ich bin mir zu 100% sicher, dass das keine Einbildung war!
Frau Dr. Dien grübelte und ging hinter ihrem Schreibtisch auf und ab.
"Heute weiß ich leider keine andere Lösung als Entspannen und jeglichen Kontakt mit Bildern oder Ähnlichem zu vermeiden. Wenn sie das nächste mal kommen finden wir gemeinsam eine Lösung okay?",ihr Blick schweifte von mir rüber zur Standuhr,welche 14:30 anzeigte.
"Oh Gott! Mein nächster Patient wartet schon seit fünf Minuten.
Tut mir leid aber du kannst...",sie schaute kurz auf ihrem Terminplaner vor ihr:"Wie wäre es mit Übermorgen zwischen 15 und 16 Uhr?Da hätten wir genug Zeit für dein Problem."
Ich nickte nur und speicherte mir den Termin auf mein Handy ein.
Dann verließ ich schnell das Zimmer und wäre fast in einen Mann hineingelatscht.
"Entschuldigen sie Sir. Tut mir leid.",meinte ich nebenbei,während ich versuchte,schnell zu entkommen um keinen Ärger zu ernten.
Ich hörte nur noch,wie der Mann zu einer Beschwerde ansetzte,als Frau Dien aus dem Behandlungszimmer eilte und den Mann mit ins Zimmer nahm.
Zum Glück schaffte sie ihn schnell ins Behandlungszimmer und zwinkerte mir noch einmal zu.
Ich nickte ihr dankend zu und trat lächelnd vor die Eingangstür.
Frau Dr. Dien war wirklich die beste Psychologin die es gab.
Sie behandelte jeden sehr freundlich und war offen für alles und jeden.
Ich bewunderte ihre positive Einstellung,da sie eigentlich eine recht traurige Vergangenheit hatte.
Manchmal bekam sie auch zu viel Stress,dann durfte ich auch einmal Psychologin spielen und sie Patient.
Sie erzählte mir dann ihre Sorgen und ich unterhielt mich mit ihr.
Ich wusste,dass sie damals noch in London gewohnt hatte,
geschieden von ihrem Mann.
Aber ihr Vater war noch für sie da und das war doch super,habe ich ihr erzählt. Und jetzt hat sie sogar neu geheiratet und ist hier her gezogen,zu meinem Glück!
Manchmal fragte ich mich,ob Frau Dien Kinder hatte.
Sie musste eine 1a Mutter sein,denke ich zumindest.
Ich vergaß komplet die Zeit und trödelte den kompletten Heimweg herum. Es machte aber zu viel Spaß,sich Gedanken um andere zu machen,um irgendwann ihnen helfen zu können.
Später wollte ich auch so einen Enthusiasmus haben.
"Da bist du ja endlich!",kam es direkt von meinem großen Bruder Darren.
"Ja da bin ich endlich. Und? Was gibts neues?",fragte ich mkt einem breiten Grinsen im Gesicht.
Er ging in die Küche und nagte weiter an seiner Pizza:"Iss erstmal dein Abendbrot,bevor es noch Beine bekommt und abhaut!"
Mir viel erst jetzt mein großer Hunger auf und ich stürzte mich auf den Pizzakarton. Während ich diesen knuspig salzigen Geschmack auf meiner Zunge genoss,dachte ich wieder an Ma und Pa.
Sie hätten mir soetwas nicht erlaubt.
Aber dank meines volljährigen Bruders musste ich die nun auch nicht mehr ertragen.
Ich lächelte zufrieden.
"Ist heute irgendetwas besonderes passiert oder warum bist du ausnahmsweise so ein strahlender Sonnenschein?",fragte Darren.
Er stand auf und schmiss seinen Pizzakarton weg.
"Nö. Obwohl...ich fühle mich schon viel besser. Ich glaube Frau Dien und ich machen Fortschritte!",meinte ich stolz.
Mein Bruder drehte sich zu mir um:"Du meinst das wirklich ernst? Ich meine,wie kann sowas überhaupt funktionieren? Die Bilder bewegen sich für deine Augen, richtig?"
Ich nickte zögernd, ohne zu wissen worauf das hinausführt.
"Weißt du,ich bin kein Doktor oder Was-weiß-ich-Arzt, aber ich glaube, dass das mit irgendeinem traumatischen Erlebnis aus deiner Kindheit zu tun hat.", Darren setzte sich neben mich.
Ich schüttelte den Kopf:"Ich hatte aber keins. Außerdem hatte Mrs. Dien das auch schon gedacht: Fehlanzeige."
Doch Darren ließ nicht locker und zog einen Zettel aus der Hosentasche.
Er faltete ihn auseinander und knallte ihn vor mir auf den Tisch.
Es war ein Foto von uns, Darren und mir.
Wir saßen auf der Schaukel in unserem alten Garten und wipten ein wenig.
Und ich meinte nicht wippen von wegen:Wir haben bei diesem Schuss gerade gewippt,nein! Auf dem Foto bewegten sich die zwei Kinder und wippten hin und her.
Und da passierte wieder etwas unerwartetes, und zwar riefen sie meinen Namen.
"Jasmin!",hallte Darrens Stimme durch meinen Kopf.
"Spiel mit uns!",meinte das Mädchen...ich.
Mir wurde schwindelig und ich fiel zur Seite.
Darrens Reaktion war schnell und er fing mich auf,um mich direkt auf der Couch abzulegen.
Mein Kopf dröhnte und die Stimmen hallten immernoch durch mein Gedächtnis.
"Grauen...voll",flüsterte ich,als ich wieder langsam zu mir kam.
Mein Bruder hatte mir ein Glas Wasser geholt und reichte es mir:"Trink was,vielleicht braucht dein Körper etwas Wasser."
Ich nippte kurz daran und fing direkt danach an zu husten.
Gequält sah ich zu Darren hoch:"Mach das nie wieder!"
Die Mahnung schien sich bei ihm festgesetzt zu haben,denn sein Gesichtsausdruck war ernst und er nickte streng,wie bei der Armee.Ein schwaches Lächeln legte sich auf meine Lippen und ich stand auf,um in mein Zimmer zu gehen.
"Gute Nacht.",sagte ich noch,bevor ich meine Zimmertür schließen wollte.
"Nacht.",kam es abwesend von Darren,welcher beim schwachen Schein der Küchenlampe das Bild anstarrte,welches mir soeben einen riesen Schrecken eingejagt hatte.
Die Tür fiel ins Schloss und seufzend ließ ich mich aufs Bett fallen.
Meine Augen vielen zu und ich hörte nur noch die Kirchenglocken.
Danach wurde alles ruhig und dunkel.~Timeskip~ (nächster Morgen)
Gähnend setzte ich mich auf und streckte meine Arme aus.
Ein Glück das heute Freitag ist,denn ich wünsche mir einfach so sehnlichst frei!!
Mir fiel im Spiegel auf,dass ich mit meinem Klamotten von gestern geschlafen habe und ich warf sie sofort in den Wäschekorb an meiner Zimmertür.
Für heute suchte ich mir ein bauchfreies schwarzes T-Shirt aus und eine zerissene Jeans.
Mein Ranzen lag wie ein Biest auf dem Korkboden meines Zimmers und wirkte wie eine riesige und schwere Last.
Das war der Ranzen auch,nachdem ich ihn mir über die Schulter schwang und in den Flur lief.
Noch schnell meine schwarzen Chucks an die Füße gebunden und ich konnte sofort los,doch da grummelte mein Magen und mir fiel mein Frühstück noch ein.
Schnell schnappte ich mir die Tüte,die fertig bepackt auf dem Küchenthresen stand.
Mein Blick fiel auf meinen Bruder,der schnarchend auf der Couch verweilte.
Ich lachte und dachte,wie gut es ist,dass sein Beruf Nachtwächter war.
Schnell lief ich den kurzen Weg zur Bushaltestelle,wo die Anderen schon auf mich warteten.
Groundderry war nicht soo riesig,weswegen ich nach London zur Schule gehe.
Mich hatte es total gewundert,dass fast ein drittel der Klasse auch hier wohnte.
"Hi Jammy!",rief mir Lucie zu.
Sie war eine meiner besten Freundinnen und wohnte Gott sei Dank gleich hier um die Ecke.
Wir verabredeten uns leider nicht oft,wegen meines kleinen Problems,aber Lulu weiß noch nichts davon.
"Hi Lucie. Wie gehts?",frug ich und gab ihr High-5.
"Jo ganz ok. Und du so?"
"Bestens. Was ist eigentlich mit deiner kleinen Cousine? Gehts ihr auch gut?",fragte ich besorgt.
Lucie überlegte kurz:"Ja,total. Die kleine Jessy ist wieder wie der Wirbelwind. Sie wirde vorgestern aus dem Krankenhaus entlassen. Die Ärzte meinen aber,wir sollten aufpassen,dass sie sich den Fuß nicht nochmal bricht,sonst könnte es problematisch werden."
"Ouh...",machte ich als Nebenbemerkung.
Da fuhr auch schon der Bus um die Kurve und hielt vor uns an.
Da nicht so viele Kinder mit diesem Bus fuhren hatte auch jeder immer einen Platz.
Außerdem kannte ich auch schon die ganzen Gesichter,die mit uns fuhren,weshalb ich Neulinge immer sofort bemerkte.
So wie jetzt...
Während ich durch die Reihen zu meiner Freundin maschierte,bemerkte ich ein Mädchen,etwa in meinem Alter ganz vorne in der ersten Reihe.
Verwundert nahm ich neben Lulu platz und sah mir das Kind genauer an.
Sie hatte ein langes schwarzes Kleid an,ebenfalls ihre Haare waren lang und schwarz.
Sie saß mit dem Rücken zu uns,weshalb ich ihr Gesicht nicht sah,aber ihr Arm den sie auf der Lehne abstützte war kreideblaich,fast weiß.
Mir fiel auch auf,dass sie keine Tasche mit sich hatte,nur ein Buch,in dem sie schrieb. Ich vermutete,dass es ihr Tagebuch war und lächelte.
Manche Menschen führen also auch noch mit Vierzehn Tagebuch,bemerkenswert.
Versteht mich nicht falsch,es ist wirklich schön zu sehen,dass sich Leute auch sowas in aller Öffentlichkeit zutrauen.
"Hey Jasmin! Pst!",Lucie stupste mich von der Seite an.
Ich sah zu ihr rüber und auch das Mädchen ein paar Sitzreihen vor uns sah zu mir:"Wohin starrst du? Kannst du mir nicht lieber nochmal das in Physik erklären?"
Mein Blick schwankte zwischen Lucie und dem anderen Mädchen.
"Klar!",meinte ich mit falschem Lächeln und nahm ihr Heft in die Hand.
Zum Glück drehte sich das merkwürdige Gothickind wieder um.
Langsam und verständlich erklärte ich Lulu das Thema Geschwindigkeit in Physik,doch eines ließ mich die ganze Busfahrt nicht in ruhe, und zwar die blutroten Augen dieses komischen Wesens vor mir,welches anscheinend jedes Wort was ich sagte mit gespitzten Ohren abhörte.
Werde ich jetzt etwa noch paranoid?
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Dreamworld
FantasyHay,freut mich das ihr auf mein Buch gegangen seid. ʕ•̫͡•ʔ In diesem Buch werdet ihr Jasmin kennenlernen,ein Mädchen welches seid ihrer Geburt das Familiengeheimnis nicht gewusst hat und plötzlich mit Dingen konfrontiert wird,die ihr das Leben zur H...