Der Boden wurde braun, starb ab.
Die einst so goldenen Bäume Quel'Thalas' zeigten zum ersten Mal ihre knorrigen Äste.
Aber es waren tote Äste.
"Was ist das?", fragte Kiyara leise und nahm die Hand ihres Vaters.
"Arthas...", sagte er leise. "Der König der Untoten. Kiyara..." Er drückte ihre Hand in die ihrer Mutter. "Bleib bei deiner Mutter. Eleonor, pass gut auf sie auf."
Ihre Mutter nickte und hob Kiyara hoch. "Was wirst du tun?"
"Euch den Rücken frei halten.", erwiderte der Elf mit den langen schwarzen Haaren, die er zu einem unordentlichen Zopf zusammengebunden hatte.
"Kommst du dann hinter uns her?", wollte Kiyara ängstlich wissen, als die ersten Untoten in Sicht kamen. "Schaffst du das?"
"Ich werde mich den Waldläufern von Sylvanas Windläufer anschließen.", beschloss er.
"Aber du bist kein Waldläufer, Enon.", widersprach ihre Mutter ihm. "Komm mit uns. Bitte."
"Ich bin Schurke und das reicht für den Nahkampf." Ihr Vater lächelte sie an, dann drückte er beiden einen Kuss auf die Stirn und wandte sich ab, um Richtung Silbermond zu laufen.
Doch kaum, dass sich Eleonor umgedreht hatte, ertönte ein schmerzerfüllter Schrei.
Kiyara sah über die Schulter ihrer Mutter zurück und sah fünf Ghule über den wild um sich schlagenden Körper ihres Vaters herfielen...
Schreiend fuhr Kiyara hoch.
Schweiß lief ihr über die Stirn und sie zitterte am ganzen Körper.
Stöhnend stand sie auf und bahnte sich ihren Weg in die Küche, wo sie mehrere Kerzen anzündete und dann begann, sich Tee zu machen.
Während das Wasser noch kochte, trat Kiyara auf den Balkon und starrte in den Nachthimmel.
Die Sterne glimmerten schwach und einmal hatte ihre Mutter Eleonor ihr erzählt, dass die Kal'dorei vor dem Krieg der Ahnen noch in der Lage waren, Geschichten, Legenden und sogar Prophezeiungen aus den Konstellationen zu lesen.
Nicht umsonst hießen die Kal'dorei Kinder der Sterne.
Doch schon vor über zehntausend Jahren, während dem Krieg der Ahnen, war das uralte Wissen für immer verloren.
Selbst in Suramar, der Stadt der Sterne, die sich seit dem Krieg der Ahnen mit einer Barriere aus arkaner Energie geschützt hatte, verfügte nicht mehr über dieses hilfreiche Wissen.
Alle, die es hätten wissen können, waren der Legion verfallen.
Zum Beispiel Illidan Sturmgrimm.
Einst ein großartiger Arkanist - der mit Sicherheit wusste, wie man die Sterne für sich nutzte - und nun eine Mischung aus Nachtelf und Verdammnislord.
Um diese 'Macht' eines Dämonenjägers zu bekommen hat er wohl alles geopfert - also auch das Wissen.
Das Brodeln des Wassers lockte Kiyara zurück in die einräumige Turmwohnung, die die Kirin Tor ihr und ihrer Familie schon lange überlassen hatten.
Ihr Tee war fertig.
Sie goss das kochend heiße Wasser in eine Tasse und ging zurück nach draußen.
Während sie den Tee abkühlen ließ, erinnerte sie sich sehnsüchtig an den Moment, als sie zu dritt von hier aus die Sternzeichen betrachtet hatten.
Es war wie ein Foto vor ihrem inneren Auge, doch es war, als zögen sich Risse durch das Glas vor dem Bild und es knirschte, bereit, zu zersplittern.
Eine Träne entfloh ihrem Augen und fiel in ihre Tasse.
Die Wellen kräuselten sich.
Ein neues Bild, eine neue Geschichte entstand.
Es war das Meer.
Es wogte, sanft und doch wild, beschienen und glitzernd dank dem Sonnenlicht.
Kirschblüten trudelten mit der Gischt Richtung Quel'danas, wo sich der Sonnenbrunnen befand.
Blut tropfte hinterher.
Ein Schrei.
Es war ein Name.
"Aeldan!"
Sie kannte ihn schon so lange.
Nein.
Sie hatte ihn so lange gekannt.
Aber er war weg.
Sein Name war sein Schicksal gewesen.
Vergängliches Leben.
"Ist dort irgendwer..." Traurig lächelnd sah Kiyara zum Mond. "...der mein grauenvolles Schicksal teilt?"
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Back to Life
Action~"Deinen Tod werde ich nie vergessen, Vater..."~ Kiyara Sonnenglanz, eine sechzehnjährige Schurkin, überlebt den Angriff des Lichkönigs auf Quel'Thalas. Doch sie bezahlt einen teuren Preis: ihr Vater stirbt und ihre Emotionen sind eingeschränkt. Sie...
