Kapitel 7 | Der nächste Tod

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Kiyara schluckte ihren Kommentar hinunter und nickte nur, als sich der Blick der goldenen Augen wieder auf sie legte.
"Ich werde tun, was ich kann, um der gesamten Gruppe zu helfen.", beschloss Vereesa und griff zu einer Tasche. "Kannst du überprüfen, ob das reicht?"
"Gerne." Kiyara lächelte und öffnete den Beutel.
Sie fand nur nützliche Dinge.
Vereesa hatte an manaregenerierende Vorräte gedacht wie auch an vernünftige wie Wasser und Früchte.
Das einzige, was ihr überflüssig schien, waren die Wechselsachen.
"Sind die wirklich nötig?", fragte Kiyara und hielt das himmelblaue Gewand hoch.
"Na ja, ich dachte, wenn man gefoltert wird..."
"Selbst ein Paladin nimmt keine Rüstung mit außer der, die er trägt.", konterte Kiyara. "Nimm lieber ein paar Dolche mit. Was, wenn dich ein Ghul angreift und du dich mithilfe von Magie oder Licht nicht verteidigen kannst?"
"Du hast Recht." Vereesa sah sich um. "Aber wo krieg ich Dolche her?"
"Nimm welche von mir, ich hab ein ganzes Arsenal." Kiyara trat zu ihr ans Fenster und zeigte auf ein anderes Gebäude. "Kannst du uns dort hinteleportieren?"
"Selbstverständlich.", meinte Vereesa und Sekunden später standen sie auf dem Balkon vor Kiyaras Wohnung.
"Sehr gut." Kiyara schloss die Tür auf, winkte Vereesa herein und schloss hinter ihnen wieder ab.
Vereesa drehte sich langsam im Kreis und musterte jedes einzelne der eisernen Stücke in der Wohnung.
"Meine besten sind hier." Kiyara klopfte auf eine Vitrine. "Such dir aus, was du willst."
Gedankenverloren griff die Novizin nach einem Gegenstand, ließ den jedoch sofort wieder fallen.
Kiyara lachte, hob das Stück auf und legte es zurück. "Ich denke, es gibt einen Unterschied zwischen Waffen und Folterwerkzeug."
"Wieso hast du so etwas hier?" Vereesa schauderte.
"Typischer Assassinenkram, lass dich davon nicht abschrecken.", winkte Kiyara ab und strich nachdenklich über eine eisenbesetzte Peitsche. "Allerdings erschreckt mich das manchmal selbst."
"Dann schaff es ab."
"Ich kann nicht...", wisperte Kiyara. "Ich kann nicht...alles gehörte meinem Vater, jedes einzelne Stück. Selbst wenn es mich abschreckt, ich würde es nie übers Herz bringen, auch nur eines wegzuwerfen."
Vereesa schwieg und sah dann zu blutverschmierten Ketten.
Kiyara folgte ihrem Blick und sah schuldbewusst zu Boden. "Bestimmt hast du dir solche Sachen bei mir nicht vorgestellt. Es tut mir leid. Wenn du gehen willst, dann tu das."
"Nein. Deswegen werde ich nicht gehen." Vereesa lächelte zögerlich. "Schließlich führe auch ich widersprüchige Dinge mit mir. Ich habe den Stab einer hochrangigen Priesterin bekommen, dann auch noch das Schwert, das mir ein Paladin überlassen hat und dann ein arkanes Artefakt der Shal'dorei, wie ich von Erzmagierin Rin erfahren habe. Ihr Vater Nozdormu hat es ihr für mich gegeben."
"Ja ja, da überschneiden sich schon viele Linien.", seufzte Kiyara.
"Und wieder haben wir eine Gemeinsamkeit gefunden.", lachte Vereesa. "Als wären wir dazu bestimmt, Freunde zu sein!"
Kiyara quittierte dies nur mit einem Lächeln.
Vereesa lächelte zufrieden vor sich hin, bis Kiyara die Vitrine öffnete und ihr einen Säbel entgegen warf. "Hier!"
Überrascht fing Vereesa ihn auf und musterte ihn.
"Er reagiert auf Arkanes. Mit deinem Artefakt dürfest du unbesiegbar sein.", erklärte ihr Kiyara. "Es war der erste Säbel, den Vater und Mutter gemeinsam geschmiedet hatten."
"Dann willst du ihn sicher behalten..."
"Nein. Ich schenke ihn dir." Kiyara umarmte sie. "Und weißt du was? Wenn wir lebend da rauskommen, werden wir beide Priester oder Paladine. In Ordnung?"
"Und wie!" Vereesa umarmte sie stürmisch. "Kommst du dann mit mir mit nach Kalimdor? Wenn ich sechzehn bin, wartet jemand in Darnassus auf mich."
"Worauf du wetten kannst!", lachte Kiyara und drückte Vereesa an sich. Doch noch während sie die goldenen Haare und Augen wahrnahm, dachte sie daran, dass sie jede Art von Tod, und sei es durch Arthas, in Kauf nehmen würde.
Dann wäre all der Schmerz von ihr...

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