Kapitel 5 - Warm-up

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Sorgfältig räumte Emma ein Kleidungsstück nach dem anderen aus dem Koffer, der geöffnet auf dem Gästebett lag in die kleine Kommode daneben. Sie war nun schon fast zwei Stunden in diesem Land und doch sie fühlte sich noch immer ein wenig unwohl. Das war natürlich nichts ungewöhnliches, dennoch hatte sie gehofft, zumindest Samu würde ihr ein besseres Gefühl geben. Doch auf der Fahrt vom Flughafen zu seiner Wohnung hatten sie kaum ein Wort gewechselt. Samu hatte einfach nicht gewusst, was er sagen sollte.

Während Emma nun damit beschäftigt war, sich im Gästezimmer einzurichten, saß ihr vermeintlicher Vater - sie war immer noch nicht hundertprozentig davon überzeugt, dass er es wirklich war - unten auf dem Sofa und zerbrach sich den Kopf darüber, wie er die ganze Sache angehen sollte. Er hatte doch praktisch keine Erfahrung mit so etwas, woher sollte er denn jetzt bitteschön wissen, wie er mit einem sechzehnjährigen Mädchen umgehen sollte, dass er vor gerade einmal drei Tagen kennengelernt hatte und das die Tochter von ihm und seiner verstorbenen Ex-Freundin war? Er kannte keine Mädchen in diesem Alter. Zumindest nicht gut genug, um daraus schlau zu werden oder irgendwelche Schlüsse ziehen zu können. Die einzigen, die in Frage kommen würden, wären wohl die Kinder seiner kleinen Schwester, die waren aber auch erst neun und elf Jahre alt. Und dann war da ja auch noch diese Sprachbarriere...

Seufzend stützte er die Ellenbogen auf seine Knie und den Kopf in seine Hände. Was sollte er nur tun? Als er Esther zugesagt hatte, das hier zu tun, hatte er es sich nicht so schwer vorgestellt. Er brauchte Hilfe, unbedingt! Verzweifelt stand er auf, zog sein Handy aus der Hosentasche und betätigte die Schnellwahltaste drei. Es klingelte und spätestens jetzt wurde Samu nervös. Er hatte noch niemandem, absolut niemandem von Emma erzählt. Doch bevor er weiter darüber nachdenken konnte, wie er das am besten anstellen sollte, meldete sich seine Schwester am anderen Ende der Leitung.

Emma hatte unterdessen gerade ihren Koffer unter dem Bett verstaut und wollte sich nun ein wenig umsehen. Samu hatte ihr zwar das meiste der Wohnung gezeigt, doch sie war schon von Anfang an verwundert gewesen, dass er, ein Rockstar dem es an Geld nicht mangelte in einem einfachen Loft im Stadtzentrum wohnte und nicht in einer Villa in irgendeinem Vorort. Noch dazu schien diese Wohnung nicht übermäßig groß zu sein. Deshalb folgte sie, obwohl ihr Gewissen sie davon abzuhalten versuchte, ihrer Neugier, die sie geradewegs aus der Tür des Gästezimmers, den kleinen Flur entlang in das, durch große Fenster hell erleuchtete Wohnzimmer führte. Hier sah es ganz und gar nicht aus wie bei ihrer Oma. Es war so modern und, wie sie vermutete teuer eingerichtet. Die Wände strahlten schon fast in verschiedenen Pastelltönen, die perfekt mit der dunklen Couch und den edlen Holzmöbeln harmonierten. Emma staunte nicht schlecht wie viel Geschmack Samu anscheinend hatte. Langsam, als wüsste sie, dass sie eigentlich nicht herumschnüffeln sollte, schlich sie an der Fensterfront entlang und ließ den Blick über die Dächer von Helsinki schweifen. Die Stadt an sich war ja schon ganz schön. Sie lächelte und drehte sich um, um den Raum weiter in Augenschein zu nehmen, doch als sie entdeckte, wer da auf einem der Barhocker in der Küche saß und sie beobachtete, fühlte sie sich sofort wieder etwas unwohl. Ertappt sah sie zu Boden.

Doch Samu war gar nicht sauer, nur überrascht. „Samu? Bist du noch dran?", drang eine Stimme an sein Ohr. Er hatte vollkommen vergessen, dass er doch eigentlich gerade telefonierte. „Äh, ja... ich ruf dich später noch mal an.", murmelte er und ließ das Handy auf den Tresen sinken. „Willst du auch etwas trinken?", fragte er mit Blick auf seine Kaffeetasse. Emma nickte und kam etwas unsicher auf ihn zu, während Samu aufstand und die Kühlschranktür öffnete, um den Inhalt zu überprüfen. „Ähm, I have water, or Coke...", er schob ein paar Bierflaschen zur Seite, um zu sehen, was dahinter lag. „Kann ich auch einen Kaffee haben?", fragte Emma jetzt. Überrascht drehte Samu sich um. „Du trinkst Kaffee?", fragte er und zog eine Augenbraue in die Stirn. Emma zuckte die Schultern und nickte. „Manchmal.". Samu konnte sich nicht erinnern, ob er mit Sechzehn schon einmal Kaffee getrunken hatte. Vermutlich schon, überlegte er, als er mit einer Hand nach der Kaffeekanne griff, um Emma eine Tasse einzuschenken und sie ihr zu reichen. „Danke.", murmelte sie und kletterte auf einen der Barhocker. Samu setzte sich wieder, ihr gegenüber und beobachtete sie, wie sie vorsichtig an der dampfenden Tasse nippte. Irgendwie musste er das Eis brechen, da erinnerte er sich an den Rat seiner Schwester.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Jan 06, 2018 ⏰

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