Kapitel 1

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»Guten Morgen, Hyper.« sagte Klaus.

Ich schlug die Augen auf und sah in sein Gesicht. 

»Hmmmm« brummte ich. 

Ich wollte jetzt noch nicht aufstehen. Aber So wie ich Klaus kannte, würde er nicht ewig darauf warten, dass ich meinen Allerwertesten aus dem Bett schwang.

»Also, heute bringst du mir einen Werwolf, hast du das verstanden?« sagte er kalt.

Mein Gott, geht das jetzt schon wieder los!

»Ja.« sagte ich. Klaus wollte wieder aus meinem Zimmer gehen, doch ich hatte noch ein paar Fragen, über die ich gestern Nacht nachgedacht hatte.

»Du, Klaus?« fragte ich und er drehte sich wieder um.

»Ja?« sagte er und sah mich nun wieder weicher an.

»Kannst du mir etwas über meine Eltern erzählen?«

Ich wusste, dass ich bei dieser Frage vorsichtig sein musste, denn Klaus hatte uns eigentlich verboten darüber zu reden.

Sein Gesichtsausdruck versteinerte und ich dachte, jetzt würde er ausrasten. Doch zu meiner Überraschung kam er zu mir und setzte sich wieder an den Bettrand.

»Deine Eltern...wollten dich nicht und haben dich weggegeben-« fing er an.

»Weggegeben?! Wie heißen sie?« fragte ich aufgebracht. Bis jetzt hatte ich gedacht, dass meine Eltern tot waren.

»Das kann ich dir nicht sagen.« antwortete er und wandte den Blick ab.

Irgendetwas verheimlicht er mir. Aber was?

»Na gut, dann....komm ich gleich runter.« sagte ich und Klaus ging aus dem Zimmer.

Als ich unten in der Gruft war, standen alle mit dem Gesicht zu mir in einer Reihe, was ziemlich ungewöhnlich war, denn normalerweise standen wir umgekehrt. Und zwar in Richtung Anführer.

»Hyper, sie alle haben ein Geburtstagsgeschenk für dich« sagte Klaus und zeigte auf die Reihe von Kindern vor mir. Ach ja, stimmt. Heute war mein 15. Geburtstag. Jedes Kind hatte ein Messer in der Hand. 

»Sie wollen dir damit ihren Respekt und ihre Loyalität beweisen.« sagte Klaus. Sein Lächeln und sein Ton gefielen mir gar nicht. Er nahm eine Schüssel und hielt sie dem ersten Kind hin. Dieses hob die Hand und schnitt sich. Das Blut tropfte in die Schüssel und ich stand schockiert da. Jedes Kind schnitt sich nach der Reihe in die Hand und die kleine Schüssel war nun voller dunkelrotem Blut. Klaus hielt sie mir hin.

»W-Was soll ich damit?« fragte ich immer noch schockiert.

»Du wirst es für deine Werwolfjagd brauchen, Schätzchen.« antwortete er und sah mich an als sei ich dumm. 

»Ach so, ähm. Ja, danke.« 

Ich war ziemlich nervös...und wütend auf Klaus. Ich wette, er hat sie alle angeheuert, sich die Hand auf zu schneiden. 

Wir gingen durch den Wald und waren so aufmerksam wie es ging. Aber ich sah, dass die anderen nicht wirklich wach waren. Ich war für einen kleinen Moment abgelenkt und plötzlich riss mich ein Werwolf von den Füßen. Als ich wieder aufsprang sah ich, dass es der gleiche Werwolf war, als ich mit 11 Jahren auf die Jagd gegangen war und uns die Werwölfe verschohnt hatten. Es war der, der vom Alphatier angeknurrt wurde, weil er uns angreifen wollte. 

Er wechselte die Richtung und sprang stattdessen Kili an. Als der Wolf wieder von ihm abließ, lag Kili blutend am Boden, mit einer riesigen Wunde am Hals. 

Dem werd ich es zeigen!

Schnell rannte ich dem Wolf entgegen, sprang auf seinen rücken und rammte ihm meinen Dolch in den Nacken. Sofort fiel er tot um, aber nicht ohne mein Bein einzuquetschen. Der schwarze Wolf war echt schwer und ich dachte schon mein Bein würde abfallen, denn ich hatte es für einen Moment nicht mehr gespürt. 

Nachdem mich die anderen Kinder von dem Körper befreit hatten, wollte ich zu Kili. Er zuckte kurz und blieb dann still liegen. Nein. Nein! Er durfte nicht! Er durfte einfach nicht tot sein! Ich befahl den anderen, die nicht mit dem Wolf beschäftigt waren, Kili zu tragen und mir zu folgen. Beim Haus angekommen, legten wir den Wolf in den Garten und Kili legten wir im Wohnzimmer auf eine Couch. Dann ging ich Klaus suchen. 

»Klaus! Wo bist du!« schrie ich, und schon war Klaus bei mir.

»Was ist los?« fragte er besorgt. War diese Besorgnis echt oder nur gespielt, so wie alles andere auch?

»Kili...er wurde angegriffen und...vielleicht ist er schon tot...kannst du ihm bitte helfen?« sprudelte es aus mir heraus. Eigentlich wusste ich gar nicht richtig was ich sagen sollte, aber Klaus verstand. Er wusste, dass Kili der einzige war, den ich noch hatte. Obwohl Klaus grausam und kaltherzig war, hatte er auch eine andere Seite. Eine weichere, wärmere Seite, die alles für mich tun würde.

Klaus ging vorran ins Wohnzimmer, wo nur noch Kili auf der Couch lag. Ich hatte den Eindruck, dass er schon längst tot war und Klaus bestätigte meine Befürchtung.

»Tut mir Leid, Schätzchen, aber ich kann nichts mehr für ihn tun.« sagte er.

Als ob das so wäre. Als ob es ihm Leid tun würde! Ich hatte genug von dem ganzen hier. Ich wollte nicht mehr brutal sein. Ich wollte nicht mehr töten. Alles was ich wollte, war meine Eltern zu finden und ein normales Leben zu führen. Ich war mir sicher, dass Klaus gelogen hatte, was meine Eltern betraf. Vielleicht waren sie doch tot. Als Klaus auf die Suche nach jemandem ging, eine kleine Reise sozusagen, beschloss ich, Klaus' Büro zu durchstöbern. Ich wurde sogar fündig. Es gab eine Kiste mit allen Namen der Kinder, die in Klaus' Besitz waren und gewesen sind, bevor sie gestorben waren. Ich suchte meinen Namen und zog eine Mappe heraus. Als ich die erste Seite aufschlug, waren alle meine Daten zu sehen. Wann ich geboren war, wo ich geboren war, wie mein Karakter war, was meine Eigenschaften und besonderen Fähigkeiten waren und...wer meine Eltern waren! Ich nahm die Karteimappe mit in mein Zimmer und schmiedete einen Plan. Es war beschlossen. Ich würde schon morgen Nacht von hier verschwinden.

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