Ich folgte Yves Schatten jetzt schon seit einer halben Stunde, ohne dass etwas Interessanteres passiert war, als dass sie nach knapp fünfzehn Minuten hektisch nach ihrem Handy gesucht hatte. Das hatte sie aber nicht finden können, weil sie es zuvor auf dem Schulgelände verloren hatte. Ich schätze gerade da war ihr eingefallen, dass sie eigentlich mit mir verabredet war. Da Yve aber einfach schnell weiter geeilt war, ohne mir Bescheid zu geben, sagte mir, dass es wirklich wichtig gewesen ist das zu tun, weswegen sie hier herumschlich. Denn ich bin mir 100 %ig sicher, dass ihr klar war, wie große Sorgen ich mir machen würde, wenn sie nicht zur verabredeten Zeit bei mir auftaucht.
Ich musste mich ganz schön durchs Gebüsch schlagen, um ihrer Spur zu folgen. Ich konzentrierte mich so sehr darauf, sie nicht zu verlieren und zurück zu fallen, dass mir erst einmal völlig entging, dass fast ein duzend brennende Blicke meinen Körper streiften. Ich wurde beobachtet. Doch als ich mich alarmiert umsah, konnte ich nichts außer dem dichten Wald um mich herum ausmachen. Und natürlich dem Fluss der gerade vor meinen Füßen aufgetaucht war. Was sollte ich jetzt tun? Ihnen klar machen, dass ich sie bemerkt hatte? Sie einfach ignorieren? Immerhin tat ich hier nichts Verbotenes. Ein ganz normaler Walspaziergang... oder so.
Doch bevor ich mich entscheiden konnte, raschelte es laut in einem Busch zu meiner linken und ein riesiger schwarzer Hund kam herausgeschossen. Erschrocken zuckte ich zusammen und stolperte Rückwärts. Und natürlich blieb ich an irgendeiner bescheuerten Wurzel hängen und landete mit meinem Hintern im seichten Flusswasser. Ich musste echt unglaublich dämlich ausgesehen haben, wie ein begossener Pudel, denn der blöde Köter blieb knapp vor mir stehen und ich schwöre! Er hat hundemäßig gelacht, was sich anhörte, als hätte er Zahnschmerzen.
Verärgert wollte ich mich möglichst elegant aus dem Wasser erheben, um dann die Töle anzufahren, dass sie das ja nie wieder machen sollte und wie bescheuert man eigentlich sein konnte mich so zu erschrecken. Aber so weit kam ich gar nicht sondern rutschte prompt auf einem glitschigen Stein aus und landete platschend in der tieferen Flussmitte. Und als ich dann endlich wieder prustend auftauchte, kringelte sich der Hund sich den Bauch mit den Pfoten haltend am Boden.
Das ließ mich erst einmal inne halten, bevor ich wieder zu meiner Schimpftirade übergehen konnte. Denn das war sicher kein typisches Verhalten für einen Hund, ich habe mal ein paar Wochen im Tierheim gearbeitet, als Sozialpraktikum für die Schule, ich weiß also wovon ich rede. Und da war mir nie auch nur ansatzweise ein lachender Hund untergekommen. Das war schlicht und ergreifend einfach zu menschlich.
Völlig irritiert stand ich also bis zum Bauchnabel im Wasser und dachte über das seltsame Tier am Flussufer nach. Als er mein Starren bemerkte, raffte er sich auf und blickte mir hechelnd entgegen. Ich konnte es nicht fassen, aber seine Augen glitzerten belustigt. Ich glaub ich fress nen Besen. Und als er mich dann auch noch mit seinem Blick fixierte, zuckte ich heftig zusammen, sodass ich fast noch einmal im Wasser baden gegangen wäre.
Weil, und ich würde es nicht glauben, wenn ich es nicht selbst erleben würde, der Blick von diesem scheiß Köter genauso auf mir zu brennen schien, wie der von Torak. Komplett fassungslos konnte ich nur noch den Hund anstarren. Entweder das Ding vor mir war gar kein Hund... oder... oder... mir fiel kein weiteres oder ein.
„Scheiße, du bist gar kein Hund." Platze ich heraus, ohne auch nur einen Gedanken darüber verschwendet zu haben, ob es denn klug war, dass laut auszusprechen.
Jetzt wirkte die Töle vor mir total irritiert und auch ein bisschen baff, bevor er zu knurren begann, wie um mir zu beweisen, dass ich völligen Stuss redete. Doch ich war mir plötzlich ziemlich sicher, dass der Hund kein Hund ist. Ergibt das überhaupt einen Sinn? Naja auf jeden Fall wurde ich jetzt stinkwütend.
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The Door In The Forest
FantasyStolpernd lief sie durch den Wald. Ihr schönes Gesicht war Tränen überströmt und auf ihrer linken Wange prangte ein roter Handabdruck. Doch das war ihr im Moment völlig egal, sie wollte nur weg. Weg von ihrer Mutter, den beiden Geschwistern, diesem...