Gedanken lesen.
Für die siebzehnjährige Hannah mehr Fluch als Segen.
Sie kann die Gedanken ihres Mitschülers Henry lesen, der sie wegen ihres Körpergewichts mobbt, und sich mit seinen Freunden zusammen über sie lustig macht.
Das war schon immer s...
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Aus irgendeinem unerfindlichen Grund stolperte Henry Macintosh nicht mit dem Gesicht voran über die schwere Holzbank auf den unebenen, verkratzten Hallenboden – wie es jeder andere Mensch an seiner Stelle getan hätte –, sondern fing sich mitten in der Luft, sein Körper in einer äußerst fragwürdigen, schrägen Position, und richtete sich innerhalb von Sekunden wieder zu voller Größe auf.
Er wirbelte herum, holte aus uns warf den Ball.
Auf seiner Stirn zeichnete sich ein dünner Schweißfilm ab, und die normalerweise halbwegs ordentlichen Haare hingen ihm strähnchenweise ins Gesicht. Um seine Mundwinkel hatte sich ein ehrgeiziger Zug gespannt.
Er hielt kurz inne, vermutlich um zu beobachten, wie sein Ball einen weiteren meiner Mitspieler traf, und dann mit einem siegessicheren Gesicht wieder direkt in die Mitte seines Spielfeldes zu laufen.
Mich, die er bei seinem Sturz höchstwahrscheinlich unfreiwillig mitgerissen hätte, ignorierte er dabei vollkommen. Worüber ich allerdings froh war.
»Das macht echt keinen Spaß«, maulte Ash und riss mich damit aus meinen Gedanken. »Mit den Jungs spielen ist echt ätzend. Dieser ganze übertriebene, männliche Ehrgeiz. Überhaupt nicht sexy.« Sie lehnte sich mit ihrem schmalen Rücken an die Turnhallenwand und beobachtete mit zusammengekniffenen Augen den Spielverlauf.
Unser Team lag in Unterzahl und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis die beiden übrig gebliebenen Jungs abgeworfen werden würden. Man sah es ihnen an, und die Tatsache, dass sie gerade mithilfe von zwei Bällen über unsere gesamte Spielfeldhälfte gejagt wurden, tat ihr übriges.
»Wir verlieren doch eh, warum stehen wir also noch hier und warten, bis einer von den Typen jemandem von uns den Ball zuwirft?« Noa verschränkte zustimmend die braungebrannten Arme vor der Brust und rollte mit den Augen. »Ich verstehe sowieso nicht, wieso wir das spielen. Völkerball ist ätzend, und mit den Jungs noch mehr. Was soll das uns bitte bringen?«
Ihre kurzen, schwarzen Haare flogen durch die Luft, als sie verständnislos ihren Kopf schüttelte. Erst vor ein paar Tagen hatte sie sich diesen süßen Kurzhaarschnitt verpassen lassen, sodass ihr ihre Haare jetzt nur noch bis zum Kinn reichten. Ihr stand so etwas. Ich sähe damit sicherlich furchtbar aus, wie mit ungefähr der Hälfte aller Sachen, die Noa standen.
Mit einem Lächeln wandte ich mich wieder dem Spielgeschehen zu. »Das sagst du doch zu allen Sportarten, die kein Hockey sind«, meinte ich und beobachtete den Ball, wie er eine weiche Kurve direkt auf Eric, einem der beiden übrigen Spielern unseres Teams, beschrieb. Er fing ihn und hielt kurz inne, als wüsste er nicht, was er jetzt damit tun sollte. Schließlich warf er ihn inmitten des gegnerischen Teams.
Ash stöhnte frustriert. »Wie kann man nur so blöd sein? Hätte er den Ball mal zu einem von uns hier draußen geworfen.«
Um ehrlich zu sein verstand ich Ash nicht so richtig. Normalerweise freute sie sich, aus dem Spiel auszuscheiden und nicht weiter einem ›blöden Ball‹ wie sie es nannte, nachzujagen oder von diesem gejagt zu werden. So konnte sie hier in Ruhe entspannen und uns Deppen dabei beobachten, wie wir diese ›sinnlose Sportart‹ ausübten. Aber heute schien sie einen besonders schlechten Tag erwischt zu haben, und meckerte in einem Fort. Allerdings war das Ganze wiederum auch verständlich, bei der Inkompetenz unseres Teams.