5 Kapitel

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Erschrocken wirbelte ich herum.
Vor mir stand Mrs Chandel.
Erleichtert atmete ich auf.
"Was machst du noch so spät hier draußen? Weißt du nicht, wem du hier begegnen könntest??" Fragte sie mich besorgt und warf einen Blick über die Schulter.
"Ich hab nur meine Jacke von dem Trainingsplatz geholt." Ich hob kurz meine Jacke hoch zur Bestätigung.
"Gut. Und wenn ich dich hier sowieso schon einmal treffen, ich wollte noch etwas mit dir besprechen, wegen deinen Leistungen in Feuerkunde. Du machst zwar schnell Fortschritte, soweit ich das jedenfalls nach dieser Stunde beurteilen kann, aber um die anderen einzuholen und mit ihnen auf einem Stand zu kommen, brauchst du mehr Training. Ich habe überlegt, dass du ab jetzt vielleicht immer nach dem Abendessen eine Stunde " Nachhilfe" bei mir nehmen könntest. Dann wirst du die anderen Schüler schneller einholen."
"Okay..." Antwortete ich überrascht. Nach dem Abendessen noch eine Stunde Feuerkunde, cool! Ich lächelte.
"Gut. Dann komm morgen Abend um halb acht in die Eingangshalle." Sie drehte sich um und verschwand ohne ein weiteres Wort in der Dunkelheit. 
Aber warum lief sie Richtung Wald?
Was wollte sie da? Egal. Ich machte, dass ich rein kam, ehe ich noch jemandem begegnete, bei dem es nicht so angenehm werden würde...
Als ich wieder in meinem Zimmer war, erzählte ich meinen Mitbewohnern von meinen neuen " Nachhilfestunden".
" Wie cool!" Rief Mara aufgeregt.
" Das hätte ich auch gerne." Sagte Lilly, während sie ein paar Bücher von ihrem Bett räumte.
Ich legte mich auf mein Bett, doch ich war so aufgeregt auf Morgen, die Nachhilfestunden und was heute alles passiert war, dass ich nicht zur Ruhe kam. Also las ich noch etwas, bis mir schließlich die Augen zufielen.
Ich stand auf einer Wiese. Sie erstreckte sich bis zum Horizont. Die Sonne schien hell und wärmte mein Gesicht. Ich legte mich auf das weiche Gras. Ich schaute in den Himmel und sah die Wolken über mir vorüber schweben.
Auf einmal erfüllte ein lautes Rumpeln die friedliche Stille. Erschrocken sprang ich auf.
Vor mir war ein großer Berg aufgetaucht. Ich schaute ihn verwundert an. War er eben auch schon dort gewesen? Wieder ein lautes Rumpeln. Ich duckte mich. Ich fühlte, dass es diesmal nichts Gutes war. Ein Schatten legte sich über mich. Schnell sah ich auf. Ein riesiger Steinbrocken, etwa so groß wie ein Elefant, raste auf mich zu. Es war zu spät um auszuweichen. Ich schrie kurz auf und duckte mich instinktiv auf den Boden.
Ich streckte die Hand aus, um den Stein abzuwehren, obwohl ich wusste, dass es nichts helfen würde.
Ich bereitete mich auf den Schmerz vor, wenn der Stein auf mich krachen würde und mich unter sich begraben würde. Ich wartete.....und wartete.... Doch nichts geschah. Warum zerquetschte mich der Stein nicht? War ich vielleicht schon tot? Fühlte es sich vielleicht für einen so an wenn man starb? Man lebte sein Leben einfach weiter, nur ohne richtig zu leben?
Vorsichtig sah ich auf. Einen halben Meter über mir schwebte der Brocken. Langsam stand ich, die Hand immer noch ausgestreckt, auf und ging vorsichtig unter dem Stein hervor. Falls er doch noch niederfiel, wollte ich auf keinem Fall immer noch unter diesem Stein hocken.
Nun stand ich neben dem schwebenden Stein und ließ seltsam erschöpft meine Hände wieder sinken.
Polternd viel der Stein zu Boden und ich machte erschrocken einen kleinen Hüpfer.
Puh! Nochmal Glück gehabt!
Aber warum hatte der Stein mitten in der Luft angehalten? Ich hatte nicht weiter Zeit darüber nach zudenken, denn
auf einmal war die Wiese von panischen Menschenmassen gefüllt. Sie liefen alle in eine Richtung und schrieen voller Angst.
Der Stein war verschwunden. Wovor liefen sie davon? Die Schreie wurden immer schriller und verzweifelter. Ein kleines Mädchen, etwa fünf Jahre, saß auf dem Arm ihres Vaters. Sie sah mich flehentlich an: " Rette uns. Bitte! Rette uns!" Sie verschwand im Gewühl. Retten? Wovor denn retten?
Meine Frage beantwortete sich von selbst, als ich in die Richtung blickte, von der all die Menschen kamen.
Ein riesiger Drache erschien am anderen Ende der Wiese. Beim Laufen spritzen tausend kleine Wassertropfen in alle Richtungen und er hinterließ kleine Pfützen, während die Menschen vor ihm zu Boden gingen.
Eine Frau rempelte mich an, sah mich mit weit aufgerissen Augen an. Das blanke Entsetzen stand ihr ins Gesicht geschrieben.
„Es ist so weit." Zischte sie und warf einen Blick zurück.
„Er wartet auf niemanden."
Eindringlich starrte sie mich noch eine Sekunde an, dann würde auch sie von der Menge weggetragen.
Eine Mischung aus Schock und Verwirrung lähmte mich und wie hypnotisiert blickte ich auf dem Drachen, den ich beim Näher kommen immer genauer erkennen konnte.
Ein Wasserdrache! Meine Lähmung verschwand und das Adrenalin setzte ein.
Oh nein! Schnell weg hier!
Ich rannte mit der Menschenmasse, weg von dem Ungeheuer. Immer weiter. Getrieben von der Angst, er könne mich einholen und alles vernichten.
Auf einmal hatte ich wieder das kleine Mädchen vor Augen, die mich um Rettung anfleht.
Aber was sollte ich gegen einen Wasserdrache ausrichten? Ich konnte schließlich kein Wasser bändigen...aber Feuer! Ich könnte das Wasser vielleicht verdampfen lassen oder so etwas in der Art. Ich drehte mich um. Diesmal rannte ich auf den Drachen zu. Ich wurde von den vielen Leuten angerempelt und immer wieder in die entgegengesetzte Richtig gedrängt, doch schließlich schaffte ich es, die Masse hinter mir zu lassen. Zwischen mir und dem Drachen war nun nicht mehr als Gras und ein paar Gänseblümchen.
Entschlossen sah ich den Drachen an. Das war zwar verrückt und ich würde mit hoher Wahrscheinlichkeit dabei drauf gehen, aber ein Versuch war es wert.
Ich stellte mich fest auf den Boden und konzentrierte mich. Ich stellte mir vor, wie der Drache einfach verdampfte.
Er kam immer näher und näher. Ich konzentrierte mich mehr und nahm alle meine Kräfte zusammen, was in dem Fall nicht viel war. Ich steckte meine Hände aus. Der Drache kam immer näher. Ich schloss die Augen. Bitte!Bitte! Bitte! Lass ihn einfach verdampfen! Flehte ich zu mir selber. Ich öffnete wieder die Augen. Der Drache war nur noch ein paar Meter entfernt. Auf einmal fiel er einfach in sich zusammen. Das Wasser verteilte sich auf der ganzen Wiese. Ich hatte ihn zwar nicht verdunsten lassen, aber hatte es, wie auch immer, geschafft, ihn aufzulösen. Hatte ich gerade etwa das Wasser gebändigt? Nein, das konnte nicht sein!
Ehe ich noch weiter verwirrt dastehen konnte und auf das Wasser schauen konnte, wurde mir vor Erschöpfung schwarz vor den Augen und ich sank zu Boden.
Kerzen gerade setzte ich mich in meinem Bett auf. Mein Herz schlug rasend schnell und ich strich mir über meine schweißnassen Haare. Ein Glück, es war nur ein Traum gewesen. Kein Wunder das ich so mächtig gewesen war. Dennoch war ich verstört. Erst wurde ich fast von einem Stein zerquetscht und dann zerstörte ich einen Wasserdrachen, indem ich Wasser bändigte. Ich sank wieder zurück in mein weiches Kissen und dachte über diesen Traum nach. Es war erst halb vier morgens, also beschloss ich noch einmal einzuschlafen.
Nach einer Weile fiel ich schließlich in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
Am nächsten Morgen erwachte ich mit höllischen Kopfschmerzen. Müde rollte ich mich aus meinem Bett und schaffte es irgendwie mich umzuziehen und fertig fürs Frühstück zu machen.
" Alles in Ordnung, Emily?" Fragte mich Rose besorgt. " Ja, alles gut. Hab nur Kopfschmerzen...." Murmelte ich und wir gingen zum Frühstück. Den Tag über wurden meine Kopfschmerzen zum Glück besser, bis ich nur noch ein leichtes Pochen fühlte. Nach dem Unterricht gingen wir in die Schulbibliothek. Sie hatte hohe Wände und ordentlich hintereinander gereihte Bücherregale, die voll gestopft mit alten Büchern waren.
Wir gingen durch die Reihen, bis wir am anderen Ende der Bibliothek angekommen waren, wo einige Tische mit Stühlen standen und in einem Kamin ein kleines Feuer prasselte. Wir steuerten auf einen der Tische zu und packten unsere Sachen aus.
" Also, Geschichte und Erdkunde müssen wir machen." Sagte Rose. " Dafür brauchen wir bestimmte Bücher von hier. Den Rest können wir sonst auch noch heute Abend erledigen."
" Okay." Ich ging durch die Regalreihen. Ich brauchte das Buch " Geschichte der Elemente", also schaute ich unter G nach.
" Gans....Geometrie....Geschichte der Elemente, da ist es ja." Murmelte ich leise vor mich hin. Ich wollte es aus dem Regal nehmen, doch es hing an irgendetwas fest. Ich zog fester und bekam es schließlich heraus.
Als ich nachsah, woran es gehangen hatte, sah ich hinter einigen Büchern versteckt ein abgetragenes Buch. Ich schob die anderen Bücher beiseite und zog es heraus. 'Alles über Elemente' stand in verschnörkelten Buchstaben auf dem roten Ledereinband. Es war von 1903.
Ich schlug es auf und blickte auf das Kapitel 'Geist'. Geist? Was hatten Geister mit den den vier Elementen zu tun?
Ich begann zu lesen, und stellte schnell fest, das es sich in diesem Kapitel nicht um Gespenster handelte:
" Geist ist das älteste Element und ist der Ursprung der anderen vier Elemente, Wasser, Feuer, Erde und Luft.
Viele Menschen fürchten die Geister, da sie die vier....."
" Was hast du da für einen alten Schinken?" Fragte Rose und las die Überschrift.
" Leg das weg!" Rief sie erschrocken.
" Was?" Ich schaute sie verwirrt an.
Sie nahm es mir aus der Hand und schob es tief in eines der Regale, dann zog sie mich in den nächsten Gang und weg von dem Buch.
" Was hast du denn auf einmal?"
" Na, hast du es nicht gesehen? In diesem Buch stand etwas über Geister!"
" Na und? Lauf bitte was langsamer? Warum hast du ein Problem mit denen?" Fragte ich sie ahnungslos.
" Das ist verboten. Je weniger du darüber weißt, desto besser."
"Aber..."
" Kein aber. Frag bitte nicht weiter nach. Keiner darf darüber sprechen. Geister sind gefährlich. Also vergiss dieses Element samt diesem Buch, okay?!" Angst und Panik schwang in ihrer Stimme mit.
" Na gut..." Gab ich nach, doch dachte nicht im geringsten daran. Wenn mir Rose nichts darüber sagen wollte, dann fand ich es eben alleine heraus.

Die Hälfte von dem Kapitel hat sich leider gelöscht 😩
Die Fortsetzung von dem eigentlichen Kapitel kommt dann in dem nächsten Kapitel....
Ich hoffe, das ist kein Problem 😔
Danke für die vielen Kommis im letzten Kapitel <3
Eure LaraHockey

School of Elements I  ~ The forgotten ElementWo Geschichten leben. Entdecke jetzt