Gestern ist nicht mehr viel passiert, nachdem mich Grayson am Friedhof überrascht hat. Wir sind zusammen zu mir gegangen und haben ein bisschen Zeit mit meiner Familie verbracht, bevor wir uns in mein Zimmer verschanzt haben, wo wir bis jetzt auch noch sind.
Gray schläft noch friedlich neben mir und ich beobachte ihn besorgt. Ich habe gestern einen großen Sprung in meinem Leben gemacht und bin auf einen guten Weg, aber Gray hingegen hat noch einige Sorgen. Heute ist die Woche vorbei, was heißt das die Frist abgelaufen ist. Und ich bin mir sicher, das er das Geld nicht hat. Wenn ich das Geld hätte, würde ich es ihm geben, aber 40.000 Dollar kann ich nicht aus der Hand schütteln, selbst wenn ich fünfzig Jobs hätte. Wozu hat er überhaupt so eine große Menge an Geld gebraucht?
Sein Gesicht ist zu mir gedreht und sein Mund leicht geöffnet, während er vor sich hin schlummert. Vorsichtig fahre ich ihm durch die Haare, worauf er sich näher an mich kuschelt. Was ist wenn es das letzte Mal ist, das ich ihn so sehen werde? Unbewusst steigen mir Tränen in die Augen und ich lege mich an seine Brust, wo ich mich festkralle, in der Hoffnung das er so immer bei mir bleiben wird.
„Brooke?" fragt er verschlafen und gähnt daraufhin.
Ein zittriges Lächeln huscht mir über die Lippen, aber ich drehe mich nicht zu ihm. Ich will nicht, das er mich schon wieder am weinen sieht. Er denkt bestimmt, ich könnte nichts anderes als weinen, weinen und noch mehr weinen.
Sanft dreht er mich ein Stück in seine Richtung, weshalb ich versuche nicht so auszusehen, als würde man mir heute vielleicht die Liebe meines Lebens nehmen. Ich lächele ihn so strahlend es geht an, aber die Mühe hätte ich mir auch sparen können, er durchschaut mich sofort. Wieso konnte ich früher meine Gefühle so gut verbergen und jetzt werde ich innerhalb einer Sekunde ertappt?
„Hast du geweint?" fragt er mich besorgt und fährt mit seiner Hand beruhigend meinen Rücken auf und ab.
„Nein. Doch. Vielleicht?" sage ich unsicher und vergrabe mein Gesicht an seiner Halsbeuge.
„Wieso? Wegen deiner Mutter?" Abwartend beobachtet er mich, als ich ihn nervös ansehe.
„Nein. I-ich... du weißt was heute für ein Tag ist, oder?" Fragend sehe ich ihn an und beiße mir auf die Unterlippe.
Unwissend antwortet er „Heute ist Sonntag."
Ich lege meinen Kopf schief und sehe ihn mit hochgezogener Augenbraue an. „Gray, du weißt das heute nicht nur Sonntag ist."
Seufzend sieht er an die Decke und murmelt „Ich weiß."
Ich klettere auf seinen Schoß, damit er meinem Blick nicht ausweichen kann. „Du hast das Geld nicht, oder?"
Beschämt nickt er und spielt mit meinen Fingern. Ich lasse die Schultern hängen und atme tief ein und aus. Ich will gar nicht wissen, was passiert, wenn Diego das erfährt.
„Und was hast du jetzt vor?" frage ich leise, obwohl ich die Antwort gar nicht wissen will.
Er streicht eine Haarsträhne hinter mein Ohr und erwidert „Ich gehe heute zu ihm und frage nach noch ein bisschen mehr Zeit."
Skeptisch studiere ich sein Gesicht und entgegne nicht überzeugt „Das ist dein Plan? Denkst du, wenn er dir nochmal zwei Wochen gibt, das du dann das Geld hast?"
Er zuckt lässig mit den Schultern, als würde von der ganzen Sache nicht sein Leben abhängen. „Nein, aber ich habe noch zwei Wochen länger Zeit um mir etwas zu überlegen."
Ich fahre mir durch das Gesicht und wispere leise „Gray, so kann das nicht weitergehen."
Beruhigend fährt er mit seinen Fingern an meinen Seiten auf und ab. „Überlass das mir. In ein paar Wochen ist alles vorbei und du kriegst die Antworten die du dir wünschst, okay? Wir haben schon so viel zusammen geschafft, das bekommen wir auch noch hin. Teampartner schon vergessen?"
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Lost Souls
RomanceBrooke Daniels ist unauffällig, schüchtern und lebt in ihrer eigenen kleinen Welt. In ihrer Familie ist sie auch eher das graue Schaf, dass keiner beachtet. Während Teenager in ihrem Alter feiern gehen, versteckt sie sich lieber hinter einem Buch un...
