2.Kapitel

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2.Kapitel

„Ardian?! Hey Ardian! Nicht in Ohnmacht fallen! Bleib bei Bewusstsein! Versuch normal zu Atmen Ardian!" hörte ich weit entfernt eine tiefe Stimme sagen. Ich gab mein Bestes und Letztendlich gelang es mir tatsächlich. Meine Atmung beruhigte sich und das Schwindelgefühl verschwand ein wenig, jedoch nicht ganz. Vor Schmerzen schloss ich die Augen, öffnete sie jedoch direkt wieder. „Taddl?! 'Piss dich, man!" rief ich sofort, als ich sein Gesicht erkannte. „Nein ich werde nicht verschwinden. Ich lass' dich doch nicht einfach so hier liegen!" Antwortete er. „Das ist dir ja sowieso egal! Lass mich einfach hier verrecken." Brachte ich schwer Atmend heraus."Nein! Ich nehm' dich mit zu mir! Keine wiederrede!" meinte er entschlossen also musste ich mich wohl oder übel damit zufrieden geben und mitkommen, denn wehren konnte ich mich nicht mehr. Er stand auf und strecke mir seine Hand entgegen, die ich skeptisch musterte. Ich schlug sie weg und versuchte alleine auf zu stehen während Taddl genervt die Augen verdrehte. Als ich dann irgendwann stand, kippte ich direkt zur Seite. Direkt auf Taddl drauf. Der mich auffing. Ich spürte, wie Taddl mich, nachdem er mich aufgefangen hatte, hoch hob und mich zu einer Bank, auf der er mich ab setzte und mir erklärte, dass er uns nur schnell abmelden ging und unsere Longboards holen würde. Ich nickte, nahm das alles jedoch nur halb wahr. Dann er ließ mich kurz allein. Nach ein paar, fast gedankenlosen, schmerzhaften Minuten, die sich anfühlten wie Stunden, kam er endlich wieder. Die ganze Zeit über hatte ich mich nicht bewegt. Ich hatte nur geradeaus gestarrt und versucht nicht wieder vor Schmerzen zu weinen. Als Taddl bei mir ankam, schmiss er sein Longboard neben mir auf den Boden und stellte unsere Taschen. Meins legte er vorsichtig vor mir auf den Boden und setzte mich einfach drauf, dann schob er die Longboards immer wieder mit den Füßen an, bis wir irgendwann bei ihm zuhause ankamen. Sein Haus war schön aber wohnte er hier alleine? Ich war zu schwach um zu Fragen. Ich war nach wie vor nur halb bei Bewusstsein. Als nächstes spürte ich etwas weiches unter mir, wahrscheinlich Taddl's Bett, dann verschwand Taddl für kurze Zeit wieder. „Schau' mich mal an." bat er mich und ich tat, was er sagte. Er wischte mir, mit einem feuchten Tuch, das Blut aus meinem Gesicht. Als er fertig war, musterte er mich kurz. „kannst du vielleicht dein T-Shirt ausziehen? Ich glaube du hast da auch noch Wunden." Fragte Taddl und kaute leicht beschämt auf seiner Lippe. Ich hatte nichts dagegen, also zog ich mir mein T-Shirt über den Kopf. Erstaunt blickte Taddl auf meinen Oberkörper. „Also... man sieht, dass du Breakdancet " meinte er und wischte mir vorsichtig das Blut auf meinem Bauch weg. „Wieso warst du so fies und hast mich heute Morgen Ignoriert?" Fragte Taddl nach einer Weile, den Blick nach unten gesenkt. „Hatte kein' Bock zu reden." Antwortete ich Schulterzuckend. „Ardy?"fragte Taddl dann „Taddl?" gab ich als Antwort. „Ich bin froh, dass du in unsere Klasse gekommen bist." Murmelte Taddl. „Bitte was?! Ich wurde zusammengeschlagen! Und das von DIR und DEINEN FREUNDEN!" rief ich sofort. Taddl senkte seinen Blick nach unten, er sah traurig aus. „I-Ich weiß...und es tut mir L-Leid. Aber ich bin trotzdem froh" meinte er dann, während er mich unschlüssig ansah. Wir ließen das Thema fallen und redeten noch eine Weile über andere Themen. Als es Abend wurde fragte mich Taddl traurig, ob ich nach Hause gehen müsste. Ich verneinte und erklärte ihm, dass ich allein wohnte. Mein Blick war dabei traurig zu Boden gerichtet. „Wieso denn alleine?" Fragte Taddl mich Stirnrunzelt. „Ich habe niemanden mehr..." antwortete ich knapp. „Familie?" fragte er ungläubig. „Tot." Erklärte ich. „Freunde?" fragte er dann. „Ich wurde immer geschlagen also habe ich auch keine Freunde." Gab ich als Antwort, während mir erneut Tränen in die Augen stiegen. Das war momentan einfach zu viel für mich. Taddl seufzte und nahm mich ein weiteres Mal, ohne ein Wort zu sagen in den Arm. „Das tut mir Leid. Ich werde für immer für dich da sein und glaub mir, wenn ich sage, dass du jetzt einen Freund hast!" nuschelte er in meine Bettdecke und zauberte mir so ein Lächeln auf die Lippen. „Schläfst du bitte hier?" fragte Taddl. Ich nickte lächelnd. Der Typ hatte echt viele fragen. „Bist du eigentlich wirklich Schwul?" war seine nächste Frage. Ich nickte ein wenig beschämt, da auch dies ein Grund war, warum ich an meiner alten Schule geschlagen wurde...traurige Welt, sehr traurige Welt. „Ich auch..." hörte ich Taddl sagen. Leicht geschockt blickte ich ihn an. „Ja aber niemand weiß es. Meine sogenannten 'Freunde' scheinen irgendwas gegen Schwule zu haben. Sie sind oberflächlich und der Charakter eines Menschen interessiert sie nicht. Trotzdem wollen alle von ihnen gemocht werden...ich bin nicht so, aber das wissen sie nicht, deswegen bin ich trotzdem einer von ihnen. Genau genommen ihr Anführer wenn man es denn so nennen kann. Sie haben von mir erwartet, dass ich anordne dich zu Verhauen.. es tut mir so leid Ardian!" erklärte Taddl, seine Stimme klang zum Ende hin etwas verzweifelt, so als würde er denken, ich würde ihn hassen, aber dann würde ich ja wohl nicht mehr hier liegen oder?! Um ihm zu verstehen zu geben, dass ich ihn aus irgendeinem Grund mochte, obwohl ich ihn eigentlich tatsächlich hassen sollte, sagte ich „Wenn du willst kannst du mich Ardy nennen. So haben mich meine Freunde in Albanien immer genannt, bevor wir umgezogen sind. Mein Vater war Albaner musst du wissen." Eigentlich wollte ich nur noch schlafen und Taddl schien es genauso zu gehen, denn er gähnte und sagte glücklich, lächelnd: „Gute Nacht Ardy". Auch ich lächelte und schloss meine Augen.

Hug me but don't hit me - PAUSIERTWo Geschichten leben. Entdecke jetzt