Kapitel 5

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Kapitel 5

Einige Wochen vergingen, in denen Rina eine Menge zu tun hatte. Nicht nur ihre täglichen Arbeiten mussten erledigt werden, sondern auch der abendliche Unterricht bei Liliana, der ihr unheimlich viel Spaß machte.

Rina erwischte sich dabei, wie sie außerhalb der Unterrichtszeit die Buchstaben, aber auch Wörter vor sich hin murmelte und sie teilweise sogar mit dem Finger auf den Boden malte.

Daher konnte sie schon bald einen Großteil der Buchstaben, aber auch Zahlen. Sie hatte sogar ein einfaches Buch von Liliane bekommen, das sie abends, aber auch in den Pausen las. Es war eher ein Kinderbuch, aber ein perfekter Einstieg, wie Rina feststellte.

Nur wenn sie mit Kale und den Holzschwertern spielte, vergaß sie alles um sich herum und genoss die Zeit mit ihm.

Oft wurde sie vom Schamanen beobachtet, bemerkte aber auch, dass manchmal andere Kinder da waren, um ihnen zuzusehen. Nicht immer waren sie begeistert, doch sie schwiegen.

"Komm, es ist Waschtag", meinte Kale.

Da sie nicht jeden Tag die Zeit fanden, sich ausgiebig zu waschen, hatte jedes Kind seinen eigenen Tag, an dem es mit einigen anderen zusammen im großen Teich baden durfte. Zumindest, wenn es warm war. Sobald es kalt wurde, durften sie zusammen in großen Wannen baden.

„Ich komme sofort!", versicherte Rina, die ihr Buch schnell versteckte und die fertige Wäsche, die sie hatte draußen in der Sonne liegen lassen, aufnahm. Diese würde sie zuerst hineinbringen, bevor sie sich waschen konnten. Ihr war aufgefallen, dass ihre Kleider zunehmend schmutziger wurden, je mehr sie spielte. Vor allem, weil sie ab und zu hinfiel.

Das machte ihr jedoch nichts und auch ihr Vater meckerte nicht. Daher ging sie davon aus, dass es normal war.

"Ich kann es kaum erwarten im See zu schwimmen", freute sich Kale, der Rina folgte. Er hatte zusammen mit ihr Waschtag.

„Ich auch nicht", sagte sie fröhlich und zwinkerte ihm zu. Er war einer der schönsten Tage, wenn sie gemeinsam baden konnten. Hinzu kam die Wärme, die ein Bad noch schöner machte. „Ich möchte mit dir um die Wette schwimmen und im seichten Wasser planschen." Bisher hatte Rina jedoch noch nicht gelernt, wie man schwamm. Meist planschte sie am Rand des Teich herum.

Kale lachte. "Schwimmen ist nicht so meines", winkte er ab. Rina wusste, dass er es ebenfalls nicht konnte.

„Dann hüpfen wir eben wie die Frösche hin und her", lachte Rina vergnügt und nahm sich, aber auch Kale ein sauberes Handtuch vom Stapel. Eigentlich war es egal, was sie mit dem frechen Jungen, den Vater gerne manchmal Bengel nannte, unternahm. Es machte alles mit ihm Spaß und sie ging davon aus, dass der Schamane mit Kales frecher Zunge kein Problem hatte. Tatsächlich wirkte der alte Mann so, als wäre er glücklich, dass die Kinder so unterschiedlich waren.

Wie überall hatte er eindeutig seine Lieblinge, doch er hatte ein offenes Ohr für alle seine Kinder. Gleichzeitig war er aber auch sehr streng, wenn es darum ging, dass die Kinder sich nicht an die Regeln hielten. Regeln, die dazu da waren, dass ihnen nichts geschah.

Auf dem Weg zum Teich begegneten sie anderen, die sie grüßten. Einige Kinder waren dabei, Beeren zu pflücken, während andere in den Beeten herumwühlten, um neues Gemüse anzupflanzen. „Es wird wirklich Zeit, sich zu waschen. Ich bin ganz verschwitzt durch die Arbeit in der Sonne", gab Rina zu und blinzelte dem Sonnenlicht entgegen. Die letzten Tage waren ziemlich warm gewesen, sodass eine Abkühlung gerade richtig kam. „Wo bist du eigentlich gerade mit der Arbeit eingeteilt?", wollte sie wissen.

"Ich bin diese Woche das erste Mal bei den Jägern", sagte Kale stolz. "Ich darf mit Pfeil und Bogen mein erstes Tier erlegen", erklärte er, während sie dem See immer näher kamen.

Drachenaugen - Der Vertrauensbruch (Band 5) [Leseprobe]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt