Albtraum

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-"Was werden wir wohl mit dir anfangen? Wenn sie dich erst kennen lernt-",flüstert er mir ins Haare.

Ich spüre, wie er mit seine rauen Fingern die Konturen meines Körpers entlang fährt. Meine Augen sind geschlossen. Meine Atmung geht stoßweise und ich presse meine Zähne zusammen, in Hoffnung nicht gleich los zu schreien.

-"Keine Angst wir werden gut für dich sorgen", meint der Mann mit einer tiefen Stimme, als ich einen kleinen Blick auf seine, in Blut getauchten, Zähne wage-

Ich keuche auf und greife nach dem Bettlaken. Mein Kopf pulsiert, als würde er jeden Moment in die Luft gehen. Meine Hände zittern, als ich mir durchs weiche Haar fahre, das jetzt nach Schweiß riecht. Ich schlucke.

"Verdammt", zische ich und richte mich auf, mein Gesicht in beide nassen Hände gelegt. Ich schüttel den Kopf und murmle aufgebracht: "Stell dich nicht so an. Es war ein verdammter Traum, mehr nicht Irina."

Ich stöhne auf und strampel die bunte Bettdecke weg, bevor ich mich hoch ziehe und zu einem Fenster laufe. Mit einem Ruck ist es geöffnet und ich spüre, wie die Kälte meinen Körper nur noch mehr erzittern lässt. Langsam atme ich tief ein und aus, während meine Augen geschlossen sind, mein Kopf dem Himmel entgegen gestreckt.

Ich zucke auf, als ich das Krächzen eines Raben höre und schließe das knarrende Fenster. Einschlafen werde ich sowie so nicht mehr können.

Ich laufe durch das kleine Zimmer und sehe mir die kleinen Bilder und Schmuckstücke an. Auf einigen sind Elena und ihr Bruder zu sehen. Aber auch weitere junge Frauen und Männer sind zu erkennen. Ihr Eltern? Ich weiß es nicht. Adoptiveltern. Ich presse meine Lippen aufeinander und greife nach einer Strickjacke, die sich in einem kleinen Beutel befindet, in dem ich das wichtigste eingepackt habe.

Da steh ich nun, in Shorts und Top, eingewickelt in eine Oversize Strickjacke, zitternd und verängstigt. Ob ich Elena aufwecken- den Gedanke verwerfe ich sofort. Ich mache ihr wahrscheinlich schon genug Sorgen ... Und ganz Mystic Falls auch. Leise lege ich meine Hand auf die kalte, vergoldene Türklinke und öffne mit einem lauten Quietschen die Tür. Ich verdrehe innerlich die Augen. War klar.

Nachdem ich ein paar Schlucke von dem Wasser getrunken habe, fühle ich mich wesentlich besser und lasse mich erschöpft auf einen Hocker fallen.

-"Alles okay?"

Wieder zucke ich auf und lasse das Glas fallen. Mit einem dumpfen Ton fällt es auf den Holztisch.

-"Tut mir lei-"

"Nein, schon gut", meine ich ausdruckslos und wische das Wasser mit meiner Jacke auf. Ich stelle das leere Glas in die Spüle und drehe mich dann zu Elena. Ich schaue sie an. Sie scheint auch nicht gut geschlafen zu haben. Dunkle Schatten liegen unter ihren langen Wimpern. Nein. Vampire schlafen doch nicht, oder?

"Konnte nicht schlafen", meine ich nur und zucke mit den Mundwinkeln.

Sie nickt und presst ihre trockenen Lippen aufeinander: "Ich verstehe, was du meinst. Geht's jetzt wieder?"

Das Mädchen hebt die Augenbrauen und fügt hinzu: "Ich meine ... den Umständen entsprechend."

"Ja, ja, wie gesagt ich konnte nicht schlafen. Aber, ehm, lass uns einfach morgen darüber reden."

Und mit diesen Worte laufe ich an ihr vorbei, nicke zum Dank und verschwinde dann schnell ins Zimmer. Die Decke bis zum Kinn hochgezogen, kämpfe ich gegen meine Tränen an. Ich weine nicht oft. Nicht einmal bei der Beerdigung meiner Eltern. Nicht weil ich sie nicht geliebt habe, das habe ich nämlich- sondern, weil Weinen eine Schwäche ist. Und das darf nicht sein, auch nicht jetzt. Wenn dieses ganze Vampir-Ermordungs-Kommando unterm Hut ist, dann ... dann werde ich weinen. Und wie, aber jetzt muss ich mich zusammen reißen. Ich bin wütend. Und müde.

* * * *

Es sind einige Tage vergangen. Ich gehe Elena aus dem Weg, auch wenn mir das ziemlich schwer fällt, aber ich konnte dieses ganze Familien Ding jetzt einfach nicht ertragen. Jeremy war ziemlich nett. Er hat mir mit den Dokumenten geholfen und mich ein paar Mal mit in den Grill genommen. Ich bin froh wenigstens einen in diesem Haus zu haben, mit dem ich mich anständig beschäftigen kann. Auch wenn es nur die kleinen Dinge sind. Stefan ist immer wieder mal vorbei gekommen, um nachzusehen, wie es mir geht und um mich auf dem neuesten Stand zu bringen.

-"Vielleicht wird uns das weiter helfen", meint er.

Ich nicke und murmle: "Ja wahrscheinlich hast du Recht". Ich starre auf meine Hände und fixiere meinen Blick auf den kleinen weißen Stein. Der Verlobungsring meiner Mum. Ich lächel. Stefans besorgte Stimme zerrt mich wieder zurück in die Realität.

-"Irina?"

"Bin noch dran", meine ich und setze mich auf. "Okay, war's das?"

-"Ja, ich denke schon."

Ich lächel leicht: "Danke Stefan. Für alles. Du und Damon und Matt... Jeremy... ich weiß echt nicht was-"

Doch bevor ich weiter reden kann, unterbricht er mich: "Irina, es ist okay. Wir alle wollen herausfinden, was dort draußen vor sich geht. Und außerdem, gehörst du quasi zur Familie. Familie hält zusammen."

Bevor Stefan was hinzufügen kann räuspere ich mich und atme tief aus. Gerade so eine Unterhaltung wollte ich vermeiden. Ich fahre mir nervös durch die Haare, während ich Stefan immer wieder etwas von "Das hätte ich nicht sagen sollen", oder "Es tut mir Leid" sagen höre.

"Ist okay. Wie gesagt, wenn das alles ist. Danke", sind meine letzten Worte, bevor ich schnell auflege und das Telefon zur Seite lege. Ich nehme meinen Kopf in die Hände und schließe die Augen. Verdammt, verdammt!

-"Alles okay?"

Ich zucke zusammen und schaue zu Elena hoch, die im Türrahmen steht.

"Ehm", ich fahre durch meine Haare und schaue mich kurz um.

"Ja, das- das war nur Stefan."

-"Immer noch nichts?",frägt sie und runzelt fragend die Stirn.

Ich schüttel den Kopf und schaue auf das Handy, das auf dem Tisch liegt. Ich atme schwer und kaue auf meiner Unterlippe herum. Vielleicht sollte ich einfach aufhören. Die letzten Tage, Wochen waren nicht wirklich einfach gewesen ... Keine Angriffe. Keine Neuigkeiten. Keine Spur von Connors. Ich seufze und merke gar nicht, dass Elena plötzlich neben mir sitzt. Ich zucke leicht zusammen und schaue hoch.

-"Es tut mir leid."

Ich schnaube.

-"Dass wir uns unter diesen Umständen kennen lernen mussten."

Ich runzle verwirrt die Stirn und drehe mich zu ihr. Sie starrt mich mit offenem Mund an, als ob sie gespannt auf meine Reaktion wartet. Meine Mundwinkel zucken und ich meine: "Mir auch."

Ich atme tief aus und spüre wie mein Körper sich beruhigt.

"Ich denke wir sollten diese ganze Sache einstellen. Ich kann nicht einfach hier sitzen und warten."

Elena atmet aus und denkt nach. Plötzlich hebt sie die Brauen und verzieht ihre Lippen zu einem Lächeln: "Wie wärs, wenn du dich in ein paar Kurse einschreiben lässt?"

Ich runzle verwirrt die Stirn: "Du meinst ich soll aufs College gehen? Doch nicht auf das Whitmore, oder?"

Sie nickt entschlossen und streicht sich eine Strähne hinters Ohr: "Du wärst für uns erreichbar und somit auch sicher, also kannst du endlich mal raus und außerdem hast du die Chance mehr über die Studien deines Vaters herauszufinden."

Ich folge ihr und überlege kurz. Es scheint keine allzu dumme Idee zu sein, doch an einen Collegeaufenthalt hatte ich nie nachgedacht. Naja, zumindest nicht seitdem meine Eltern gestorben ist.

"Wie soll das funktionieren? Ich  meine, ich werde mein Abschlusszeugnis brauchen und-"

-"Ein guter Freund arbeitet als Professor an dem College und außerdem, wozu hat man Vampirfreunde-", grinst sie, worauf ich skeptisch  lachen muss.

The Vampire Diaries - "Schwester eines Doppelgängers"Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt