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"Warum tun sie uns sowas an Elli?", erklingt die mehr als verzweifelte Stimme meiner engsten Freundin Linnea neben mir. Ich seufze, drehe mich zu ihr um und muss unwillkürlich lachen als ich sie mit ihrem 'Geschichte der Zauberei Buch' in der Hand sehe.
"Das findest du schlimm? Sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen?", noch immer bin ich belustigt von der Art und Weise wie verzweifelt Linn vor mir steht.
"Du hast gut reden Elenya...du verstehst das alles, als ob du selbst dabei gewesen wärst. Das ist sowas von unfair, außerdem bin ich doch nur kurz mit meinen Gedanken zum Herbstball abgedriftet, während Professor Binns über Grindelwald philosophiert hat", versucht sie sich zu retten, während sie mich flehend anschaut.

"Oh bei Merlin...komm setz dich und ich erkläre es dir nochmal. Warum denkst du auch immer nur über Kleider, Bälle und Jungs nach?", noch während ich spreche, ziehe ich den Stuhl neben mir zurück und schüttelte lachend den Kopf. Linn versucht ernst zu bleiben, muss aber ebenfalls grinsen als sie sich endlich hingesetzt hat und kontert: "Als würde es dich nicht beschäftigen, wer mit wem tanzt, wer mit wem ausgeht und was für neuer Klatsch und Tratsch verbreitet wird", tatsächlich hat sie damit ins Schwarze getroffen, denn natürlich mache auch ich mir über so etwas Gedanken. Wenn auch aus einem anderen Grund als sie.

Wir sind mittlerweile 17, im siebten Schuljahr und somit aus Sicht der reinblütigen Gesellschaft bereit verlobt zu werden. Eine alte Tradition, welche seit Jahrhunderten weitergeführt wird. Zumindest in den meisten reinblütigen Familien. Einige haben dieser Tradition den Rücken gekehrt und dann gibt es auch noch andere minderwertige Zauberer und Hexen welche auf die Idee kamen und immer noch kommen, Muggel zu heiraten.
Ich zeige es zwar nicht nach außen, aber ich habe Angst wen meine Eltern für mich aussuchen werden. Immerhin hängt mein ganzes Leben davon ab in wessen Hände ich gerate. Linnea hat da das einfachere Los gezogen. Sie stammt zwar auch aus einer alten reinblütigen Familie ab, aber ihre Eltern haben beschlossen, dass sie selbst entscheiden darf wen sie und vor allem auch wann sie heiraten möchte. Demnach geht sie das ganze Thema Bälle und Jungs von Grund auf anders an als ich. Allerdings ist dieses Thema genau wegen diesem Unterschied ein schwieriges für mich.
Zudem beschäftigt mich noch eine weitere Sache, genau genommen mein Bruder, aber auch dies ist ein Thema, welches ich momentan nicht vor Linnea ansprechen kann, beziehungsweise möchte, da sie sonst viel zu viele Nachfragen stellen würde.

Da ich Linn aber antworten muss, lege ich mir meine Worte mit Bedacht im Kopf zurecht, bis ich zögerlich antworte: "Naja, ich...".
Doch die Stimme von unserer Schulbibliothekarin unterbricht mich: "Wenn die Damen dann fertig mit ihrem Kaffeekränzchen wären. Das hier ist eine Bibliothek!" Ungeachtet dessen, dass wir noch nicht geantwortet haben, dreht sie sich wieder um und verschwindet als wäre nichts gewesen zwischen den riesigen Regalreihen, welche sie förmlich verschlucken.

"Tss so laut waren wir auch wieder nicht", meckert Linn nur wenige Momente später. "Liegt wohl im Auge des Betrachters, aber ich habe auch das Gefühl, dass Madam Baker immer empfindlicher wird. Allerdings wolltest du doch noch Hilfe mit Geschichte der Zauberei, lass uns das jetzt erledigen", flüstere ich ihr zu. Hauptsache Linn würde nicht darauf zurückkommen, dass ich ihr noch keine Antwort gegeben habe.

Genervt stöhnt ebendiese auf und sieht wieder genauso verzweifelt wie vor fünf Minuten aus. "Hast ja recht, lass es uns hinter uns bringen."

Als wir wenig später, um einige Hausaufgaben leichter, den Slytherin Gemeinschaftsraum betreten, kommt uns meine bessere Hälfte mit einem strahlendem Lächeln entgegen. Narcissa und ich sind quasi zusammen aufgewachsen, wir sind Cousinen und uns trennen nur wenige Monate voneinander. Dadurch und durch die Tatsache, dass unsere Eltern sich so gut verstehen, weswegen wir uns häufig sahen, ist sie wie eine Schwester für mich geworden.

Doch noch bevor Linn ausholen kann um sich erneut darüber aufzuregen, wie viel wir schon am Anfang des neuen Schuljahrs aufbekommen haben und wie stressig dieses letzte Jahr werden würde, kommt Narcissa ihr zuvor: "Ihr glaubt nicht was ich gerade für eine Nachricht bekommen habe!".

ElenyaWo Geschichten leben. Entdecke jetzt