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"Super gemacht Elenya...", denke ich mir nur und sehe hoffentlich nicht so verzweifelt aus, wie ich mich fühle. Ich möchte eigentlich nicht sonderlich gerne darüber sprechen und erst recht nicht in der großen Halle, wo es viel zu viele neugierige Ohren gibt.

Dabei weiß Narcissa sogar Bescheid. Allerdings hatte ich sie um stillschweigen gebeten, einfach weil das Thema mich mehr belastet als es soll. Oder anders gesagt, es belastet mich mehr als meine Eltern es für gutheißen.

Ihrer Meinung nach, ist es nicht nur schwach seine Gefühle zu zeigen, nein es ist auch mehr als verwerflich Personen hinterher zu weinen, welche aus der Familie verbannt wurden.

Und ja richtig gehört, mein Zwillingsbruder wurde aus der Familie geschmissen. Aber wenn ihr ihn fragen würdet, wäre seine Antwort, dass er das Richtige getan hat, als er Hals über Kopf zu den Potters und somit zu seinem besten Freund James abgehauen ist. An mich und unseren kleinen Bruder Regulus hat er dabei wohl kaum gedacht.
Wir mussten mitansehen, wie unsere Mutter Sirius aus dem Familienstammbaum gebrannt hat und uns verkündete, dass er als Blutsverräter nichts mehr im Stammbaum und Haus der Blacks zu suchen hatte.
Doch das geht eigentlich niemanden etwas an, weswegen ich, wie so häufig, abwiege wie viel ich Linnea sagen kann.
Schließlich seufze ich, lehne mich über den Tisch vor zu Linn und Cissa und sage: "Sirius wohnt bei Potter zuhause."

"Was?! Warum...ist er des Wahnsinns, bei Merlin", Linn stottert fassungslos vor sich hin. Genau deswegen habe ich das Thema Sirius bisher vermieden.

Mit gesenkter Stimme murmle ich zu meiner Freundin: "Ja, das ist er wohl. Du kannst dir sicher vorstellen wie die Stimmung bei uns Zuhause ist, aber jetzt ist wirklich genug von meinem dummköpfigen Bruder. Habt ihr Zaubertränke verstanden?"
Wie auf einen nonverbalen Zauberspruch hin, seufzt auch Linnea postwendend: "Erstens nein, wer soll das denn bitte verstehen und zweitens, dein Bruder mag zwar eventuell nicht der schlauste sein, aber definitiv ist er der schönste."

Darüber kann ich nur lachen und schüttle den Kopf. Die eigensinnige Hexe hat sich schon von Anfang an in Sirius verguckt, allerdings ist die sonst so selbstbewusste Linnea in der Gegenwart meines Bruders ein zurückhaltendes Einhorn Baby, welches es geradeso schafft normal zu laufen.
Ebendiese wirft im Moment ihre langen, lockigen honigblonden Haare zur Seite um sich umzudrehen und Sirius aus der Ferne anzuschmachten.
Ich widme mich deswegen wieder meiner besseren Hälfte Narcissa zu.

"Ich kann dir morgen gerne nochmal auf dem Weg zu Zaubertränke erklären, wie man einen Plapper-Trank herstellt. Es ist wirklich nicht so schwer wie du immer denkst", sagt sie mit weichem Blick zu mir.

Ich nicke ihr lächelnd zu und wir greifen das erste Mal an diesem Abend zu unserem Besteck. Zu meiner inneren Freude, ist Sirius kein weiteres Thema mehr und unsere Gesprächsthemen drehen sich hauptsächlich um Lehrer und Hausaufgaben. Für beides haben wir alle drei genug Aufreger und witzige Momente in den letzten Tagen erlebt.
 
                                                                                    

Nach dem Essen gibt es keine weiteren Zwischenfälle und nur wenig später liegen wir in unseren Betten. Doch während die anderen Mädchen langsam aber sicher in das Land der Träume gleiten, warte ich angestrengt auf den passenden Moment.

Nur kurze Zeit später lausche ich gewissenhaft, ob noch jemand wach ist. Doch das Glück ist auf meiner Seite, denn niemand regt sich im Schlaf und ich kann ungestört in meine Nachttischschublade greifen und ein kleines Buch herausnehmen.

Natürlich ist es nicht verboten oder verwerflich ein Buch zu lesen, dieses allerdings schon.
Aber ich kann nicht anders. Seit ich klein bin, übt schwarze Magie eine gewisse Faszination auf mich aus. Damals vermutlich vor allem, weil sie nun mal verboten ist.
Jedoch habe ich mit der Zeit begonnen, mich mit magischen Gegenständen auseinander zu setzen, oder besser gesagt verbotenen schwarzmagischen Gegenständen.

Mein Vater selbst ist ein Sammler solcher Gegenstände und ich sammle auch in gewisser Art und Weise. In diesem besagten Büchlein, schreibe ich alles zu allen möglichen Gegenständen auf und meine Sammlung ist über die Jahre immer größer geworden. Mittlerweile umfasst mein Notizbuch einige Gegenstände und ihre Aufenthaltsorte, um eine kleine aber feine Anzahl von Hexen und Zauberern zu verletzten, willenlos zu machen oder gar zu töten.

Es ist meine kleine geheime Lieblingsbeschäftigung und ich pflege sie in Hogwarts immer heimlich, nachts. Denn niemand darf hiervon erfahren, es wäre eine Katastrophe.
Nicht nur wegen meinem Wissen, sondern auch dem meiner Eltern. Sie sind die einzigen anderen Personen die es wissen, was hoffentlich auch so bleibt.

Sonst kann ich mit großer Wahrscheinlichkeit einpacken, Hogwarts ohne Abschluss verlassen und direkt in Azkaban einziehen. Nicht direkt wegen dem Notizbuch, sondern wegen meiner kleinen aber todbringenden Schmucksammlung, zu welcher mein Buch unweigerlich führen würde.

Natürlich töten sie nicht alle direkt, aber keines von den Schmuckstücken ist ungefährlich. Erst in den letzten Sommerferien habe ich mir als Trost über das Ausreißen von Sirius eine wunderschöne Opalkette bei Borgin & Burkes gekauft. Sie ist verflucht und ich muss mich in den nächsten Ferien noch genauer mit ihr beschäftigen.
Denn mit nach Hogwarts nehme ich nur das Buch und nicht meine Schmuckstücke. Die Gefahr, erwischt zu werden ist einfach zu groß.

Mein Blick streift meine kleine Uhr auf dem Nachttisch. Mit leichtem Schreck stelle ich fest, dass es mal wieder weit nach Mitternacht ist und ich dringend etwas Schlaf benötige, denn morgen stehen zwei Stunden Zaubertränke auf dem Stundenplan.
Deswegen verstaue ich mein Büchlein sicher wieder in der Schublade und lösche die Kerze neben meinem Bett.

Und langsam aber sicher drifte auch ich ab, in einem tiefen, aber nicht ganz so langen Schlaf wie ich es mir wünsche.

ElenyaWo Geschichten leben. Entdecke jetzt