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Voller Erwartung sehe ich Narcissa an und versuche mir vorzustellen, was für eine Nachricht sie dermaßen begeistert haben könnte. So viel Freude kann ich persönlich nur aufbringen, wenn man mir einen Jahresvorrat Schokolade schenken würde. Nicht dass dies schonmal vorgekommen wäre, leider.

Doch bevor eine von uns beiden ihr antworten kann, zieht Narcissa uns in unseren Schlafsaal.

Ich schmeiße mich erstmal auf mein kleines Himmelbett und Linnea fragt erwartungsvoll: "Na, wer oder was hat dich so glücklich gemacht, dass du strahlst wie der Sonnenschein?"

"Also...", Narcissa richtet sich im Schneidersitz auf, „Ich habe Post von meinen Eltern bekommen. Eigentlich war ich in der Eulerei, um meiner großen Schwester einen Brief zu schicken. Ihr wisst ja Bellatrix wohnt seit ihrer Hochzeit bei Rodolphus und es ist alles so spannend, da möchte ich einfach auf dem neusten Stand sein. Übrigens..."

Ich drifte mit meinen Gedanken weg. Cissi hatte schon immer ein Talent dafür vom eigentlichen Thema abzukommen und sich natürlich für Hochzeiten begeistern zu lassen.
Apropos Hochzeit, auf besagter von Narcissas Schwester war ich natürlich auch. Sie hat den älteren der Lestrange Brüder geheiratet, Rodolphus. Wahnsinnig selbstgefällig, wohlhabend und gleichzeitig ein sehr guter Zauberer, wenn ihr mich fragt. Sein jüngerer Bruder Rabastan ist ihm sehr ähnlich, wobei er definitiv der besser aussehende von den beiden ist, nicht dass es von Belang wäre.

Vor der Familie Lestrange habe ich schon immer Respekt gehabt. Sie sind im Ministerium genauso einflussreich wie meine Familie, nur sind sie in den reinblütigen Reihen eben auch dafür bekannt, sehr enge Anhänger vom Dunklen Lord zu sein. Kurz gesagt, man hat besser keinen Ärger mit ihnen.

Ein Seufzen von Cissi bringt mich wieder zurück ins hier und jetzt: "Ich könnte ewig über diese Hochzeit schwärmen. Aber wisst ihr was?"
Sie sieht Linnea und mich abwechselnd an, während wir darauf warten, dass sie endlich auf den Punkt kommt.

"Bald kann ich meine eigene planen!", quietscht sie.
"Ahhhh ich freu mich für dich!", platzt es aus Linn heraus, zeitgleich springt sie Narcissa quasi in die Arme. Als die Beiden sich etwas beruhigt haben, gratuliere auch ich Narcissa zu ihrer Verlobung: "Alles gute Cissi, deine Eltern haben also ihre Entscheidung getroffen. Na, mit wem darfst du den Rest deines Lebens verbringen?"

Wir schauen uns tief in die Augen und obwohl sie sich so freut erkenne ich dasselbe Gefühl, welches auch ich in meinem inneren trage, wenn es um meine noch bevorstehende Verlobung geht. Die Angst, nicht genug, nicht perfekt und nicht passend für unseren zukünftigen Mann zu sein. In meinem Fall auch noch die Ungewissheit wer es wohl sein würde. Immerhin diese wurde Narcissa jetzt von ihren Eltern genommen.

"Es ist Lucius, Lucius Malfoy. Ihr kennt ihn doch von den Bällen und noch von hier aus der Schule. Ich denke wir werden gut zusammenpassen. In den nächsten Ferien wird es offiziell bekannt gegeben", sagt Cissi nun voller Zuversicht. Linn fängt sofort an weiter mit Narcissa angeregt über ihre Verlobung zu sprechen und auch ich schließe mich ihrem Gespräch an, auch wenn mir ein ungutes Gefühl im Bauch sagt, dass es auch für mich bald 'Neuigkeiten' geben wird.

Wenig später sind wir auch schon auf dem Weg zum Abendessen in die große Halle. Wie so häufig frage ich mich, wieso wir eigentlich nicht im Gemeinschaftsraum essen können. Da würde uns allen der Weg erspart bleiben. Wer auch immer von den vier Gründern für die unendlich vielen Treppen verantwortlich war, gehört vor Gericht gestellt und nach Askaban geschickt. Hier kann man praktisch nicht keinen Sport machen.

"Na sieh einer an wen wir hier haben. Unser Lieblingstrio", höre ich eine belustigte Stimme hinter mir. Ich brauche mich nicht umdrehen um zu erkennen wer hinter uns läuft.
"Kommt schon einfach weitergehen und ignorieren. Bis zu unserem Haustisch werden sie uns schon nicht hinterher watscheln", beschwöre ich Linnea und Narcissa leise.

Doch ich habe die Rechnung ohne meinen Zwilling gemacht. Dieser packt mich am Handgelenk und mir bleibt nichts anderes übrig als mich zu ihm und seinen Freunden, den selbsternannten 'Rumtreibern' umzudrehen.
"Kann ich dir irgendwie helfen Sirius? Wenn du den Weg zur großen Halle nicht findest, du steht direkt vor der Tür. Also lass mich", zicke ich ihn mit ironischem Unterton an.

"Ach jetzt komm schon Elenya. Geht es dir immer noch darum? Du weißt ich habe das Richtige getan und du hättest mitkommen sollen. Ich sehe doch wie es dir geht", versucht er mich zu beschwichtigen.
Aber ich lasse mich und meine Meinung ganz sicher nicht schlecht reden, dafür bin ich zu stolz: "Wer hat denn seine Familie verraten, wer hat seine Schwester...seine Zwillingsschwester verlassen? Wer hat jetzt keine Zukunft mehr und keine Unterstützung seiner Familie? Ich auf jeden Fall nicht."
Die Freunde meines Bruders sehen mittlerweile so aus, als hätte ich sie persönlich angegriffen. Besonders James Potter scheint nachzudenken mit welchem Zauberspruch er mich wohl am besten loswerden kann. Doch Sirius ist zu perplex, dass ich ihn so anmache, deswegen nutze ich die Chance und entziehe mich seinen Griff.

Doch noch bevor ich mich entscheiden kann noch mehr zu sagen oder Sirius reagieren kann, kommt Professor McGonagall auf uns zu und taxiert uns mit wachsamen Auge: "Gibt es hier ein Problem Miss Black, Mr. Black?"
"Nein, Professor. Wir wollten grade gehen", antworte ich der Hauslehrerin der Gryffindors und ziehe die Mädels mit mir in die große Halle an unseren Haustisch.

Linnea beugt sich nach hinten um nochmal einen Blick auf meinen Bruder und seine Freunde James, Remus und Peter zu werfen. Sie sieht aus als würde sie überlegen was sie verpasst hat, denn vor weniger Zeit hatten Sirius und ich uns definitiv noch besser verstanden. Linn und Narcissa wechseln einen Blick, ehe Linn fragt: "Was war das denn?"

ElenyaWo Geschichten leben. Entdecke jetzt