Wenn die Sonne aufgeht

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ist Soyeon schon lange auf den Beinen. Meist an der Bibliothek an der Universität. Die SNU. Mehr eine Last als eine Freunde, aber sie muss an ihre Zukunft denken. Sie lebt für ihre Zukunft. Der Glaube, dass alles besser werden wird, lässt sie weiter arbeiten. Die Bibliothek war noch lehr, da es erst halb sechs war. Sie genoss die Stille beim Lernen, wenn sie alleine war und sie wusste, dass niemand auf sie einreden würde. Sie war noch immer Müde, Augenringe bis zum Boden und ihre Augen halb zu, aber sie MUSSTE weiter lernen. Später am Tag würde sie wahrscheinlich keine Zeit mehr finden. Sie hatte zwar nicht immer Vorlesungen, bei denen sie anwesend sein musste, aber lernen und arbeiten war kein Leichts Unterfangen.

Sie war im nun im vierten Semester ihres Jurastudiums, also hatte sie noch einige Jahre, die sie durchmachen musste, bis sie den Master in der Tasche hatte. Sie war jetzt schon erschöpft und müde, aber sie konnte ihre Ziele nicht aus den Augen verlieren. Sie träumte von der Unabhängigkeit und sich endlich von ihrer Familie loslösen zu können. Das meiste Geld, welches sie verdiente, wurde für die Miete, Essen und ihren Bruder und ihre Mutter gebraucht. Letztlich bleibt nicht mehr viel übrig um ihre Studien gebühren zu bezahlen. Sie hatte zwei Jobs. In eine  kleinen Kaffee in der nähe ihres Hauptgebäudes der Jurafakultät und sie arbeitete noch in der Bibliothek im Zentrum von Seoul als Hilfskraft. Sie liebte ihren Job in der Bibliothek, aber er war nun einmal nur ein Mittel zu Zweck.

Die Zeit verging wie im Flug und sie lies ihr keine Zeit sich auszuruhen. Also packte sie ihre Sachen zusammen und begab sich in ihre erste Vorlesung. Die Uni war ein reines Labyrinth, doch sie hatte sich mit der Zeit daran gewöhnen können. Sie setzte sich wie immer in die hinterste Reihe und lauschte der Stimme des Professors, obwohl es ihr jeden Tag schwerer viel. Sie hatte sich damit abgefunden keine Freunde zu haben. Die meisten Studenten der NSU waren reich, hatten eine Familie die hinter ihnen stand und wie es der Zufall wollte, passte sie nicht zu ihnen. Sie hatte auch zu wenig Zeit sich um Freundschaften zu kümmern, also lebte sie ihr Leben so gut es ging alleine. 

Den Bauch leer und knurrend, versuchte sie ihren Hunger nach der Vorlesung mit einem Milchdrink zu stillen den sie Gratis bekommen hatte, weil es ansonsten weggeworfen worden war, wegen des Haltbarkeitsdatum. Sie hatte kein Geld mehr für Essen übrig nachdem ihr Bruder sie vor einem Monat ihres gesparten Geldes entledigt hatte, um seine Wette zu finanzieren, die er obendrein noch verloren hatte. 

Noch eine Vorlesung folgte, bei der sie aber noch kaum aufpasste. Ihre Konzentrationsspanne  wurde Tag für Tag kleiner, aber sie tat es damit ab, dass sie nur Müde war. Ihr Zeitplan war stickt und kurz, denn sie musste um dreizehn Uhr in der Bibliothek sein, um ihre Schicht anzutreten. Sie hatte nur noch zwanzig Minuten Zeit mit der U-Bahn dorthin zu gelangen. Mit ihrem Rucksack bewaffnet rannte sie schon fast zur Underground Station um ihre Linie nicht zu verpassen.

Ohne zu schauen, ob links und rechts ein Auto auf sie zukam, weil sie wusste, dass diese Strasse ohne hin selten befahren war, weil sie unwiderruflich direkt vor der Uni lag, rannte sie über die Strasse. Doch als das Auto hupte, war es schon zu spät. Sie blickte direkt auf das Auto. Eine schwarz sportlicher BMW mit dunklen Scheiben kam mit rasantem Tempo auf sie zu. 

Sie riss die Augen weit auf und versuchte noch von der Strasse zu rennen. Ein lautes gequietschte war zu hören, als der Fahrer versuchte zu bremsen. Das Auto erwischte sie gerade noch an der rechten Seite.

Sie wirbelte wie eine Feder durch die Luft, wie eine Feder, bis sie auf dem Boden aufprallte. 

Für eine kurze Zeit konnte sie sich nicht mehr bewegen. Das Atmen viel ihr schwer. Ihre Ohren schmerzten und sie spürte Blut ihre Wange runter Rollen. Der BMW kam zu stillstand und der Fahren stieg so schnell wie es ihm möglich war aus. Ein kleines Publikum hatte sich um die ganze Attraktion  versammelt, aber keiner machte den Anschein sich aktiv beteiligen zu wollen. Sie versuchte sich aufzuraffen. Alles schmerzte, aber das war ihr egal. Ich muss meinen Zug kriegen, dachte sie. 

,,Geht es dir gut?", sagte der junge Mann, der sich zu ihr hinunter kniete. ,,Fuck, du blutest. Du musst ins Krankenhaus", sagte er besorgt. ,,Mir geht es gut. Wirklich. Ich schaff das schon", sagte Soyeon. ,,Ich ruf am besten einen Krankenwagen. Du brauchst erste Hilfe", erwiderte er. ,,Nein! Blos nicht!" Sie bekam Panik. Ein Krankenwagen? Das Krankenhaus? Mit diesen Kosten wäre sie ruiniert. Sie versuchte noch einmal aufzustehen. ,,Ich muss gehen. Meine Arbeit", meinte sie. Die Leute um sie herum tuschelten und schauten sie verblüfft an, als hätte sie nicht mehr alle Tassen im Schrank. Sie war wie in Trance mit nur einem Ziel vor Augen: Diesem Albtraum zu entkommen. Sie zitterte aus Schock und Angst, aber das war ihr in Moment egal. Keinem blickte die ins Gesicht. Sie senkte aus Scham ihren Kopf und stand mit viel Mühe endlich auf.

,,Deine Arbeit", erwiderte er, ,,kann warten." Doch sie rannte schon los ohne auf die Menschen hinter ihr zu Achten. Ihr war schwindelig und sie musste sich durch eine Wand von Menschen drängen und die Männerstimmer ignorieren, die sie versuchte aufzuhalten.

Sie musste weiter gehen. 

Ihre Arbeit.

Ihre Zukunft.

Ihr Vorgesetzte war der Teufel höchst persönlich. Cheon wartete nur auf eine Gelegenheit. Wann sie angefangen hatte Soyeon so zu hassen, war ein Rätsel. Ein falscher Schritt und sie würde die Bibliothek nie wieder betreten dürfen. Er war ihr zu wichtig, um ihn wegen so einer Kleinigkeit zu verlieren. In dieser Bibliothek zu arbeiten war um einiges besser, als in einem Coffee Shop, da er auch besser bezahlt war.

Sie überlegte sich gar nicht so viel. Immer noch benommen von Schock und Schmerz und sie Hand an ihren Kopf haltend, damit das Blut ihr nicht über das Gesicht lief, rannte sie zum Underground damit sie ihre Bahn nicht verpasste. Merkwürdige Blicke wurden ihr zugeworfen, aber Soyeon hatte andere Prioritäten. Sie setzte sich in die Bahn, die sie gerade noch so erwischte und versuchte mit einem Taschentuch, welches sie in ihrem Rucksack tief verstaut fand, ihre Wunde am Kopf ab. Sie würde sich später darum kümmern, sagte sie sich und versuchte wieder etwas zu ihr zu kommen und nicht halb benommen durch die Welt zu laufen. 

Aber über den Mann, welcher sie angefahren hatte, verschwendete sie keinen Gedanken mehr. Sie hatte wohl wichtigeres zu tun. 

Wer war dieser Mann?

Her thoughtsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt