Als ich aufwachte lag ich in einem Bett. Ich wusste nicht wessen Bett es war. Ich drehte mich um, nur um plötzlich in Anastasia's schlafendes Gesicht zu blicken. Hatte ich mit ihr geschlafen? Gott, sie war so eine Schlampe. Schnell stand ich auf und ging aus dem mir fremden Schlafzimmer. In der Wohnung versuche ich mich erstmal zu orientieren. Ein Sofa in hässlichem Dunkelgrün, ein Kaffeetisch. Das war David's Wohnung. Aber wo war David? Plötzlich bemerkte ich einen Zettel auf dem Tisch. "Hey Tyler, Hey Anastasia. Macht bitte das Licht aus wenn ihr euch verpisst und die Tür zu. Werft den Schlüssel in den Briefkasten. Hoffe ihr hattet ne gute Nacht". Konnte mich nicht mehr daran erinnern. Mein Kopf tat so höllisch weh...wie viel hatte ich getrunken? Oder geraucht? Egal. Ich zog Mir meinen Kapuzenpullover über und noch eine Jeans. Dann noch meine weißen Air Maxx. Die hatte ich zu meinem zwanzigsten Geburtstag bekommen. Meine Freunde hatten alle zusammengelegt um sie Mir zu kaufen. Ich war sehr stolz auf sie. Bevor Anastasia aufwachen konnte wollte ich weg sein also öffnete ich die Tür und joggte die Treppen runter um zu meinem Block zu laufen. Draußen war ein für deutsche Verhältnisse warmer Tag mit Sonnenschein. Der sonst so zwielichtige Park war sonnig und voller Spaziergänger mit ihren Hunden. Später am Tag würden die Jugendlichen aus der Schule kommen und die jungen Erwachsenen von der Arbeit. Ich hingegen ging Heim um zu duschen und mir etwas neues anzuziehen, dann würde ich zu meiner Mutter gehen. Während ich noch darüber nachdachte wie ich ihr erklären sollte, dass ich ein Versager bin stand ich auch schon vor meinem Block. Ein paar Minuten später auch schon in meiner Wohnung. Ich ging sofort ins Bad und zog mich aus um in die Dusche zu gehen. Als dann das lauwarme Wasser auf mich prasselte fühlte ich mich gleich besser. Die Kopfschmerzen waren weg und auch die leichte Übelkeit. Lauwarm duschte ich am liebsten. Danach trocknete ich mich ab und suchte etwas passendes anzuziehen. Ein weißes T-Shirt, dunkle Hose und Eine goldene Kette. Meine Mutter sagte immer ich solle nicht so rumlaufen, sonst würde ich nie einen anständigen Job bekommen. Ich wusste, dass sie Recht hatte, wir waren in Deutschland. Doch das war mein Style und den musste ich nun mal leben. Außerdem standen mir solche Dinge sowieso ziemlich gut, denn ich hatte eine braune Haut, weil mein Vater Afroamerikaner war.
Ich presste Moms Klingelschild. "Bist du das Tyler?", ertönte ihre erschöpfte Stimme. "Ja Mom. Ich bins", antwortete ich. Sie ließ mich rein und ich joggte zu ihrer Wohnung im sechsten Stock. Lisa stand in der Tür und sah mit großen Augen zu Mir hoch. Ihre kleinen blonden Locken standen vom Kopf ab. Sie war weiß und blond, Eben richtig Deutsch. Sie war meine Halbschwester. "Hallo Lis", begrüßte ich sie und umarmte sie. "Hey Ty. Willst du wissen was ich grade lerne?", fragte sie. Lisa war ein wissbegieriges kleines Mädchen, dafür hate sie nicht viele Freunde, da ihre Mitschüler sie ausgrenzten. Nur eine Freundin hatte sie, die lernte genauso gern wie sie. "Klar, auch wenn ich es selbst nicht verstehen werde", lachte ich. "Ach was. Komm mit", sagte sie und nahm mich an der Hand um mich in ihr Zimmer und an ihren Schreibtisch zu führen. Ich setzte mich auf einen ihrer lilanen Sitzsäcke und hörte Mir ihren Vortrag an. "Es geht um die Neutralisation von Basen und Säuren. Wusstest du, dass wenn man da Unitestlösung reintropft es je nach Stärke der Base oder Säure die Farbe ändert? Bei Säuren rot bei Basen blau. Und wenn es neutral ist grün", erklärte sie. Ich verstand nichts. "Was?", fragte ich verzweifelt. "Ach Ty. Wenn du nie was lernst dann lernst du ja nie was", lachte sie. Kopfschüttelnd lächelnd ging ich aus dem Zimmer und blieb im Türahmen stehen. "Kommst du wenn wir zum Essen rufen?", fragte ich.
"Ich bitte dich. Warum sollte ich nicht?"
"Weil du immer so vertieft bist. Ins Lernen."
"Dafür habe ich überall einsen auf dem Zeugnis", prahlte sie. "Wow toll meine Schwester disst mich", schmollte ich spielerisch. "Sorry Ty. So ist das Leben", entgegnete sie ohne von ihrem Buch aufzusehen. Wieder schüttelte ich den Kopf. Warum war sie schon so erwachsen?
Ich trottete zur Küche und setzte mich an den grünen Küchentisch. Meine Mutter stand am Herd und kochte Nudeln mit Tomatensoße und Würstchen. Aus ihrem alten, kleinen Antennenradio tönte "Sweet Home Alabama" und fast kam es mir so vor als würden wir in einem alten Haus mitten auf dem Land in Amerika wohnen. Einziger Unterschied war, dass unser Haus sechzehn geschossig war. "Du bist spät Tyler. Ich sagte um elf sollst du hier sein weil du Mir helfen solltest", sagte meine Mutter und kochte ihre Nudeln weiter. "Und jetzt ist es 11:30 Uhr und ich bin da", antwortete ich trotzig. Sie drehte sich zu Mir um und musterte mich. Meine Mutter hatte blonde Haare, aber sie hatte sie schwarz gefärbt. Heute hatte sie sie zu einem unordentlichen Dutt zusammengebunden. Außerdem hatte sie blaue Augen. In meinen Augen war sie die schönste Frau auf der Welt. Nur leider hatte sie ein gutes Gespür was Probleme betrifft. Wenn ich mich als Kind geprügelt hatte oder schlechte Noten in der Schule bekommen hatte und nach Hause kam versuchte ich immer mich an meiner Mutter vorbei zu schleichen, jedoch ohne Erfolg. Sie merkte wenn jemand herein kam und sie merkte wenn etwas nicht stimmte. "Tyler was ist los?", rief sie dann immer laut. Und ich sagte nichts sondern lief weiter. Doch sie kam dann und hielt mich an der Schulter fest und dann erzählte ich es ihr weil es sowieso keine andere Möglichkeit gab. Zwei mal hatte sie mich geschlagen. Zweimal genau ins Gesicht und dann weinte ich und sie umarmte mich. Das erste Mal war als ich Jonas aus der 4b krankenhausreif prügelte und das zweite Mal als ich zum ersten Mal geraucht hatte und sie das irgendwie roch. Damals war ich vierzehn. Nach dem ersten Mal sind wir dann zu Jonas ins Krankenhaus gefahren und ich musste mich entschuldigen, obwohl er angefangen hat! Er hatte mich als armen Nigga bezeichnet, das konnte ich doch nicht durchgehen lassen?! Jedenfalls hassten mich seine Eltern und er immer noch dafür. Nach dem zweiten Mal hatte ich dann zwei Wochen Hausarrest und musste mich um Lisa kümmern. In dieser Zeit habe ich sie lieben gelernt. Und jetzt saß ich hier und meine Mutter hatte schon wieder das Problem erkannt. "Was ist los Tyler?", fragte sie scharf.
"Ähh...", setzte ich an. "Tyler!", rief sie. "Ich bin gefeuert worden", gab ich zu und senkte den Kopf. Mama sog scharf die Luft ein und ließ sich auf den Stuhl Mir gegenüber fallen. "Und was jetzt Tyler? Wovon sollen wir jetzt durchkommen? Von den 400€ Hartz IV im Monat?!", zischte sie damit Lisa uns nicht hörte. "Beruhige dich ich find schon wieder was", versuchte ich sie zu besänftigen. "Und wann?! Wann hörst du endlich auf Dir mit deinen Drogen und dem Scheiß das Leben kaputt zu machen!", rief sie lauter. Ich atmete tief ein und aus und sagte ruhig: "Du weißt, dass das nicht so leicht geht." Sie sah mich an. "Raus", flüsterte sie. "Was?", fragte ich ungläubig. "RAUS!!", brüllte sie jetzt. Niedergeschlagen stand ich auf und ging zur Tür. Lisa stand im Flur und sah mich verständnisvoll an. "Bis später Ty", verabschiedete sie mich. Ich nickte ihr zu und schloss die Tür hinter Mir.
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A pretty unbelievable story
General FictionEr ist Drogenabhängig und hatte ein Scheiß Leben. Nur ein Wunsch gibt ihm Kraft: Er möchte nach Hause und Marahall Mathers treffen. Auf seinem langen Weg dahin macht er viele unglaubliche Bekanntschaften und Erlebnisse. Eine ziemlich unglaubliche Ge...