Distrikt 6: Cathy Moore

389 18 10
                                        

Angst. Ja, das ist das richtige Wort für meine Gefühle. Sie setzt sich in meinen Knochen fest und lähmt mich. ´Nein, ich darf nicht die Kontrolle verlieren. Ich muss stark bleiben. Ich muss, für meine Eltern.´

Ich zwinge mich still zu stehen und atme tief durch. In dem Raum neben mir befindet sich mein Mittribut Jackson. Wir beide werden wahrscheinlich heute am Füllhorn den Tod finden.

Ich finde, es bring nichts sich einzureden, dass man nicht sterben würde. Denn es ist so. Ich werde sterben. Vielleicht in 20 Minuten oder auch erst in einer Halben Stunde. Aber sterben werden ich. Das ist ganz sicher.

Ich habe noch 20 Minuten bis ich mit dem Zylinder in die Arena fahren werde.

Vor zehn Minuten wurde mir der Aufspührer in den Arm eingepflanzt. Joanna, meine Stylistin zwingt mich etwas zu essen und zu trinken. Dann dusche ich und sie hilft mir beim Anziehen der Klamotten. Jetzt habe ich noch 20 Minuten.

20 Minuten um über mein leben nachzudenken. Ich hoffe ihr Kummer wird nicht all zu groß sein. Ich hoffe mein kleiner Bruder muss meinen Tod nicht miterleben. Dass meine Eltern darüber hinwegkommen.

Mit meiner Punktzahl im Einzeltraining war eine 7. Also nicht sonderlich hoch. Damit werde ich keine Sponsoren bekommen. Im kämpfen bin ich nicht gut. Nur im Überleben, aber ich bezweifle das ich das Blutbad überleben werde.

Doch vielleicht wenn ich gleich in den Wald renne?!

Ich werde es versuchen. Ich muss stark bleiben. Ich darf nicht schwach werden ich werde den Karrieros keine Chance bieten mich lächerlich zu machen. Nicht mit mir. Nicht mit Cathy Moor aus Distrikt 6. Ich denke an meinen Freund Kyle zuhause. Er wird auch vor dem Fernseher sitzen und meinen Tod mitansehen müssen. Ich hoffe, er findet ein Mädchen, dass er wieder lieben kann und sie glücklich werden.

Niedergedrückt von all den Gefühlen, lasse ich mich an der Wand nach unten rutschen und setzte mich auf den Boden. Angst, Schmerzen, Trauer. Darüber, dass ich meine Familie nie wieder sehen kann. Ich atme tief ein und aus und spüre nur noch eine leere in mir. Ich bin ein Nichts.

Jetzt bin ich ein Teil des Kapitols. Der Teil eines grausamen Spiels mit 23 anderen Kindern. Ein Spiel aus dem nur einer lebend raus kommen kann und dieser jemand werde NICHT ICH sein.

Noch 10 Minuten. Der Raum beginnt sich vor meinen Augen zu drehen und ich merke erst, dass ich weine. Joanna kommt zu mir und nimmt mich in den Arm.

„Du musst nicht weinen, Cathy. Alles wird gut.“, murmelt sie beruhigend. Aber nichts ist gut und es wird auch nie mehr gut sein.

„Aber ich weiß, dass ich sterben werde. Können sie meiner Familie sagen, dass es mir Leid tut? Und bitte können sie Kyle diesen Brief geben? Es ist wichtig.“

„Natürlich.“, meint sie.

„Noch fünf Minuten.“, ertönt eine Computerstimme.

Ich stehe wieder auf und wische mir die Tränen weg. Ich nehme mir noch eine Semmel und ein Glas Wasser. Dies hier wird vielleicht meine letzte Mahlzeit sein. Also genieße ich es.

Nachdem ich die Semmel gegessen und das Glas ausgetrunken habe, weißt die Computerstimme mich in den Zylinder zu gehen.

Ich atme tief durch dann betrete ich den Zylinder. Sobald in drinnen bin, schließt sich die Glaswand und ich bin dem Zylinder. Eingesperrt zwischen Glaswänden. So langsam macht sich meine leichte Platzangst breit. Doch bevor ich verrückt werden kann, öffnet sich der Zylinder wieder und ich stehe auf einer Plattform.

Die Stimme von Claudius Templesmith erklingt aus allen Lautsprechern: „Meine Damen und Herren. Ich heiße sie herzlich Willkommen zu den 74.Hungerspielen. Hiermit sind die 74.Hungerspiele eröffnet. Fröhliche Hungerspiel und möge das Glück stets mit euch sein.“

Dead HeartsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt