Distrikt 4: Charlie Numb

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Ich bin klein. Klein und schwach. Ich habe keine Chance. Mein ganzes Leben besteht daraus, dass ich nie eine Chance hatte. Nicht in der Schule oder gar in meinem Distrikt. Das einzige was ich richtig gut kann, ist schwimmen. Aber das bringt mir hier in der Arena ziemlich wenig.

Ich heiße Charlie Dumb. Ich bin 1.40 m groß und 13 Jahre alt. Gegen die meisten Tribute habe ich keine Chance. Selbst die aus den äußeren Distrikten sind stärker als ich. Selbst die Mädchen. Vielleicht nicht das Mädchen aus Distrikt 10, 11 und vielleicht gegen den Jungen aus Distrikt 7. Das waren aber die einzigen, die schwach schienen.

Aber gegen die anderen habe ich keine Chance. Nicht gegen die Karrieros, gegen mein Distriktpartnerin Melody, die sich schon den Karrieros angeschlossen hat. Nicht gegen den Riesen aus Distrikt 11 und erst recht nicht gegen das Mädchen aus Distrikt 12. Ich denke, viele unterschätzen sie, das Mädchen, das in Flammen stand.

Die Zeit vergeht komisch. Plötzlich sind es nur noch fünf Minuten, bis ich in die Arena muss. Meine Zeit läuft ab.

Ich stelle mich auf meine Plattform. In dem Zylinder kann ich leicht mein Spiegelbild sehen. Ich trage die grüne Distriktjacke mit dem Wappen von Distrikt 4.

Ich werde auch keine Sponsoren bekommen ich bin zu schlecht. Ich habe eine Punktzahl von 7 beim Einzeltraining. Das ist wenig für einen Karrierodistrikt.

Der Glaszylinder schließt sich um mich und bringt mich auf meiner Plattform in die Arena. Ich habe keine Angst dazu kann ich es zu wenig realisieren.

„Meine Damen und Herren. Ich heiße sie herzlich Willkommen zu den 74.Hungerspielen. Hiermit sind die 74.Hungerspiele eröffnet. Möge das Glück stets mit euch sein.“

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Was soll man tun, wenn die letzte Minute deines Lebens läuft? Angst haben? Tapfer bleiben? Nichts machen, so tun, als würde es dich nichts angehen?

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Aber das geht nicht. Es geht mich etwas an. Es schließlich mein Leben, mein Tod, meine Schmerzen und meine Angst.

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Vor mir, etwa 40 Meter entfernt, thront das Füllhorn.

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Waffen, Rucksäcke, Lebensmittel, Schlafsäcke, Planen und noch vieles mehr liegen darum verstreut.

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Ich stehe neben dem Jungen aus Distrikt 11. Dem schwarzen Riesen. Er ist ein Muskelprotz wie Cato, der Karriero aus Distrikt 2.

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Schöne Scheiße!!!

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Was mach ich hier?

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Sterben, sagt eine leise Stimme in meinem Kopf.

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Auf meiner anderen Seite steht niemand. Weite Wiese und irgendwann dahinter Getreidefelder.

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Was soll man denken, wenn man doch bald schon tot ist?

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Ich mache mir nicht die Mühe zu denken, dass ich eine Chance hätte oder habe.

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Ich habe keine Chance.

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Ein leichter Wind fährt durch meine dunkelblonden Locken, als ich mich in Startposition stelle. Aber für was?

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Für den Tod?

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Ich weiß es nicht.

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Ich renne los. Wegen meinen kurzen Beinen bin ich nicht so schnell wie die anderen Tribute. Manche laufen in den Wald, andere laufen zum Füllhorn. Dort haben die Karrieros schon ihr Gemetzel angefangen.

Ich renne auf das Füllhorn zu, als plötzlich ein Mädchen vor mir auftaucht. Rote Haare! Das Mädchen aus Distrikt 5, das Fuchsmädchen?

Nein, ihre Jacke ist anders. Diese Jacke ist waldgrün mit dem Wappen von Distrikt 9 darauf.

Ehe ich mich versehe rammt sie mir etwas ins Herz. Ein Schmerz explodiert in mir. Aber dieser Schmerz ist befreiend.

Ich falle. Im Fallen ziehe ich mir noch den Speer auf dem Herz. Die Farben verschwimmen vor meinen Augen. Das Blau des Himmels vermischt sich langsam mit dem Gold des Füllhorns. Das grün des Grases vermischt sich mit den wenigen Sonnenstrahlen der künstlichen Sonne.

Blaugold und Grüngelb vermischt mit dem Rot des Schmerzes. Ein knalliges Rot, wie die Wut.

Mein Atem wird schwerer, mein Herzschlag immer holpriger. Lange werde ich es nicht mehr machen, das spüre ich.

Mir wird immer wieder schwarz vor Augen, wie als würde jemand in einem Zimmer das Licht immer schnell aus und dann wieder an machen.

Sollte ich mich einfach der Dunkelheit anschließen? Mit ihr verschmelzen, wie diese Farben miteinander verschmolzen waren?

Eigentlich kenne ich meine Antwort ja. Ich gebe meinen Widerstand auf und lasse mich fallen. Ich sinke langsam in die Dunkelheit und die Farben gehen mit mir. Ich rieche den salzigen Duft des Meeres. Ich bin zu Hause. Lächelnd sterbe ich.

Dead HeartsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt