Distrikt 8: Calm Thee

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Leer. Alles in mir ist leer. Ich bin eine leere Hülle. Dazu verdammt einen grausamen Tod zu streben.

Was habe ich gemacht?

Bin ich Schuld an meinem Schicksal?

Doch egal wie oft ich mir diese Frage stelle, ich finde nie eine Antwort. Es sind die Hungerspiele, sagt eine leise Stimme in mir.

Die Hungerspiele! Jedes Jahr werden 23 Kinder dazu auserwählt in der Arena zu sterben. Geliebte Menschen werden weggerissen. Diese Spiele bringen Angst, Kummer, Trauer und Schmerz mit sich. Doch wozu soll das gut sein?

Sind wir nicht schon genug damit bestraft, dass wir kaum etwas zu überleben haben. Das die meisten von uns verhungern und nicht am hohen Alter sterben?

Ich weiß es nicht. Anscheinend nicht. Sonst wäre ich jetzt nicht hier im Kapitol. Ich befinde mich in einem der Räume unter der Arena. Wenn die Hungerspiele vorbei sind, werden Touristen sie ansehen. Sie werden hier in diesem Raum stehen und sagen: „Schaut mal, hier hat Calm Thee, 17 Jahre aus Distrikt 8 gewartet bis er mit dem Zylinder in die Arena gefahren wurde. Wahrscheinlich hat hat er nachgedacht wie er sterben würde.“ Und dann würden sich lachen.

Nur einen klaren Gedanken kann ich noch fassen. Carly, meine beste Freundin und der einzige Mensch, der mir etwas bedeutet. Wäre sie hier nicht mit mir in Arena hätte ich einen Grund zu gewinnen. Doch jetzt da sie mit mir hier ist, bringt das auch nichts mehr.

Sie weiß auch, dass sie und ich hier den Tod finden werde.

Ich kauere mich in einer Ecke des Raumes zusammen und warte. Warte auf den Countdown. Darauf in den Zylinder zu steigen und meinem Tod entgegen zu fahren. Die nächsten 30 Minuten werden für mich wahrscheinlich tödlich enden.

Am anderen Ende des Raumes steht Cecelia, meine Mentorin an die Wand gelehnt. Ihr Blick ist unergründlich. Bestimmt hat sie Mitleid mit mir, aber ich will kein Mitleid, kein Erbarmen, keine tröstenden Worte, denn es sind nur falsche Versprechungen.

„Was ist?“, frage ich sie.

„Nichts. Ich finde es nur beeindruckend wie du dich beherrscht. Ich meine, da du dem Tod so nahe bist. Carly ist dir ziemlich ähnlich.“, antwortet sie mir.

Ich zucke mit den Schultern und stehe auf. Ich fange an im Raum auf und ab zu gehen.

„Ich habe nichts zu verlieren. Alle meine Verwandten und Freunde sind tot. Ich habe nur noch Carly. Wenn ich hier rauskomme, ist sie tot. Dann habe ich gar nichts mehr wofür es sich zu leben lohnt.“, sage ich.

Mit einer Hand schiebe ich den Ärmel meiner Jacke hoch. In geschwungener Schrift steht dort Carly Blue. Carly hat eine ähnliche Tätowierung nur mit meinem Namen.

„Noch 10 Minuten.“, ertönt eine Computerstimme.

„Willst du noch etwas machen. Essen, Musik hören?“, fragt mich Cecelia.

„Musik hören.“, lautet meine Antwort.

Wortlos reicht sie mir ihren Ipod touch. Ich stecke mir die Kopfhörer in die Ohren und suche mein Lieblingslied. Candy von Aggro Santos featering Kimberly Wyatt.

Wie von alleine fängt mein Körper an zu tanzen. Es beruhigt mich. Ich muss an nichts denken und bin voll aufs tanzen konzentriert.

Doch leider ist das Lied nach 3 minuten schon zuende. Deswegen gebe ich Cecelia den Ipod zurück.

„Das war beeindruckend. Sehr sogar.“, meint sie.

Nach ein paar Minuten, in der der uns an schweigen sagt sie traurig: „Es ist schlimm, wenn man Tribute ins Herz geschlossen hat und weiß, dass sie sterben werden.“

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