Lorena lief nachdenklich durch die Gänge vom Krankenflügel zurück in Richtung Gemeinschaftsraum. Da begegnete sie einer kleinen Gruppe von Gryffendors. Sie erkannte alle- Harry Potter, weil den sowieso jeder kannte, Hermine Granger, weil sie ihr immer in der Bibliothek begegnete und Ginny und Ron Weasley, da die Weasley Familie mit den roten Haaren grade bei Slytherins oft ein Lästerthema war.
„Hi!", rief Lorena ihnen zu.
Alle außer Harry machten beim Anblick von Lorenas grüner Krawatte einen Schritt zurück.
„Harry?", fragte Lorena, „kann ich kurz mit die sprechen?"
„Äh, klar", meinte Harry. Er ging mit Lorena ein Stückchen abseits, die anderen schauten ihnen neugierig hinterher.
„Worum gehts?", fragte Harry.
„Um Draco", antwortete Lorena.
Harry seufzte und verdrehte die Augen.
„Was will er von mir? Ich hab versucht, das Spiel abzubrechen, ich durfte nicht. Ich weiß, es war unfair, aber ich konnte es nicht ändern!"
„Ja und vielleicht solltest du ihm das sagen! Er liegt im Krankenflügel und fühlt sich schlecht. Du solltest dich bei ihm entschuldigen."
Harry starrte sie an.
„Du kannst Draco ja von mir ausrichten...", setzte er an, doch Lorena unterbrach ihn.
„Draco ist nicht sauer auf dich, er macht sich selbst Vorwürfe! Er hat dich gerettet und ich finde, dass du dich bei ihm bedanken könntest!"
Harry schnaubte. „Er ist doch sicher schon der Held des Tages. Seine ganzen Freunde werden bei ihm sein."
Lorena atmete kurz durch, dann sagte sie leise: „Draco hat keine Freunde, Harry. Das Team ist sauer auf ihn. Sein Vater schämt sich für ihn. Alle geben ihm die Schuld an Gryffendors Sieg."
Harry schluckte. Das hatte er nicht gewusst.
„Aber... Er hat doch nur..."
„Dich gerettet."
Lorena sah Harry eindringlich an.
„Ich bin sicher, er würde sich freuen, wenn du ihn besuchst."
„Oh, das glaub ich kaum...", murmelte Harry, doch Lorena war schon wieder weggelaufen.
„Was wollte sie?", fragte Ron, als Harry zurück kam. „Sie meinte, dass... Es Draco nicht so gut geht... Und es ihm vielleicht helfen würde, wenn ich ihn mal besuche."
Ron lachte. „Das ist doch wohl ein Witz!"
Harry schüttelte den Kopf. Und nun mischte sich auch Hermine ein: „Ihr habt das auf dem Feld vielleicht nicht mitgekriegt, aber die Slytherins sind ausgerastet. Die sind so sauer auf Draco! Weil er Harry gerettet hat, anstatt den Schnatz zu fangen."
Ginny nickte. „Harry, vielleicht solltest du dich bei ihm bedanken!"
Harry verzog das Gesicht, aber er nickte.
„Wahrscheinlich habt ihr recht. Ich werde ihm mal einen Besuch abstatten."
Ron sah ihn ungläubig an, doch Harry drehte um und ging in Richtung Krankenflügel.
Draco lag immer noch in seinem Bett. Er hatte gerade eine eklige Medizin zu sich genommen, als es an der Tür leise klopfte. Madame Pomfrey war gerade bei Professor Dumbledore, also rief Draco: „herein!"
Und es steckte- Harry Potter seinen Kopf durch die Tür.
Draco guckte nicht schlecht.
„Ähm... Hi Malfoy"
„Potter", begrüßte Draco ihn.
„Ich dachte ich guck mal vorbei...", murmelte Harry.
„Ja, das scheinst du schonmal geschafft zu haben", bemerkte Draco. Für beide war die Situation unangenehm.
„Tut mir leid", brachte Harry schließlich hervor.
„Was?", fragte Draco.
„Dass du wegen mir hier liegst"
„Ach..."
Draco hätte ihn gerne mit irgendwas angeschnauzt, doch ihm fiel auf die Schnelle nichts ein.
„Es... War ein unfaires Match. Und das werde ich auch jedem sagen, der mich fragt. Du bist der wahre Sieger."
Harry lächelte. Die Worte hatten ihnen viel Mut gekostet, doch es tat gut, es heraus gebracht zu haben. Doch zu seiner Überraschung schnaubte Draco nur wütend.
„Und was bringt mir das? Denkst du, aus deinem Mund ist das etwas wert?", fragte er.
Harry schluckte. „Dein Vater war da, oder? Er ist sauer?"
Dracos Gesicht verfinsterte sich.
„Halt die Klappe, du verstehst das nicht!"
Doch Harry wusste es nun besser. Zum ersten mal schien er wirklich zu verstehen, was in Draco vorging.
„Nur, weil es deinem Vater nicht recht war, heißt es nicht, dass du nicht richtig gehandelt hast", sagte Harry.
Draco starrte ihn nur an.
Für Harry war das das Signal, einen Schritt weiter zu gehen. Er setzte sich auf Dracos Bett. Draco war diese Nähe nicht gewohnt, doch es fühlte sich irgendwie gut an. Kurz war er noch sauer, dass Harry das mit seinem Vater erwähnt hatte, aber dann war er nur noch dankbar für die Gesellschaft. Für einige Momente vergaß er, dass er und Harry eigentlich Feinde waren.
Dann räusperte sich Harry wieder.
„Warum... Hast du das getan? Warum hast du mich gerettet? Und warum hast du keinem von... Du weißt schon erzählt?"
Draco dachte kurz nach.
„Ich weiß es nicht", gab er zu.
„Draco?"
„Ja?"
„Ich weiß, wir werden niemals Freunde sein, aber... Vielleicht können wir mit der Vergangenheit abschließen. Ein Neuanfang. Keine Ärgereien mehr... Keine Beleidigungen..."
Er sah Draco erwartungsvoll an.
Draco überlegte und lächelte dann.
„Vielleicht für den Moment. Aber ich verspreche nichts!"
Auch Harry lächelte und damit war das Eis gebrochen.
Sie redeten nicht mehr viel- nur noch ein bisschen über das Quidditch Spiel und ihre Besen- aber es tat ihnen gut. Als Harry den Krankenflügel verließ fühlte er sich besser als davor. Und Draco, der immer noch erschöpft war, schlief mit einem
Lächeln im Gesicht ein.
„Und wie wars?", fragte Ron, als Harry zurück kam.
„Eigentlich... Ziemlich gut", gab Harry zu.
„Zuerst war er ein bisschen gereizt, aber dann haben wir uns ganz normal unterhalten. Ich glaube... Wenn Draco nicht gerade andere Kinder mobbt, ist er ganz okay."
Ron starrte ihn an. „Ist das dein ernst?"
„Ron, keine Ahnung, wie ich das erklären soll, aber als ich mit ihm geredet hab... Da hatte ich das Gefühl, dass er sich einfach immer beweisen will... Auch beim Quidditch Spiel, er wollte zeigen, dass er der bessere ist. Und durch dieses Mobben und herum schubsen wollte er vielleicht auch nur Anerkennung."
Hermine lächelte. „Sie an, Harry wird Psychologe."
„Ach was!"
„Nein, jetzt mal im ernst: ich werde Draco nie mögen, aber alles ist besser als dieser ewige Streit. Harry, vielleicht solltest du versuchen noch mehr aufzubauen", sagte Hermine.
„Und einfach alles vergessen, was er je getan hat?" fragte Ron.
„Hast du eine bessere Idee?"
„Äh..."
„Ron, wir werden ja nicht gleich heiraten. Aber vielleicht hat Draco ja doch eine ganz nette Seite", beschwichtigte Harry.
„Na, wenn ihr meint...", murmelte Ron.
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Drarry
FanfictionHarry und Draco sind eigentlich Feinde und gehen sich aus dem Weg. Doch nach einem Quidditch Spiel fangen sie an sich näher zu kommen.
