Alles wieder auf Anfang

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Am nächsten Morgen war Harry müde und schlecht gelaunt. Er redete wenig mit Hermine und Ron beim frühstücken, obwohl die beiden versuchten, ihn aufzumuntern.
„Harry, war doch klar, dass du und Draco nie beste Freunde werden würdet. Wieso also so enttäuscht sein?", fragte Ron.
Harry grunzte ihn nur wütend an und Hermine warf Ron einen warnenden Blick zu. Doppelt blöd war, dass sie in der ersten Stunde Zaubertränke hatten, zusammen mit den Slytherins. Harry brauchte viel Zureden von Hermine um nicht zu schwänzen. Er schleppte sich den Gang entlang und dachte an Draco. Wie würde er ihn wohl angucken? Sauer? Enttäuscht? Gar nicht?
Hermine und Ron liefen vor ihm und Harry starrte nur auf den Boden. Sie betraten den Klassenraum und Hermine entfuhr ein „oh" und sie schlug sich die Hand vor den Mund. Ron drehte sich zu Harry um und warf ihm einen ängstlichen Blick zu.
„Was ist?", fragte Harry genervt, doch dann sah er es selbst. Jemand hatte quer über die Tafel Harry Potter ist schwul und stinkt geschrieben. Er runzelte die Stirn und betrachtete es genauer. Und dann kam eine unglaubliche Wut in ihm hoch. „Malfoy", zischte er. War Draco schon da? Harry sah sich um, er hätte Draco am liebsten eine reingehauen.
Da betrat der Blondschopf das Klassenzimmer.
„Du!", zischte Harry und machte zwei Schritte auf ihn zu.
Draco wich ängstlich zurück.
„Was sollte das, hm?!" Harry war so wütend, dass es ihm egal war, dass ihn die ganze Klasse anstarrte.
„Was denn?", fragte Draco nervös, aber auch etwas ärgerlich.
„Na das!" Harry zeigte auf die beschmierte Tafel. Draco starrte sie an und ihm fiel die Kinnlade runter.
„Aber... Ich war das nicht. Ehrlich!"
Harry knurrte. „Wer sollte es sonst gewesen sein?"
Auch Draco wurde jetzt wütend. „Vielleicht deine tollen Freunde? Wieso fragst du die nicht?!"
„Erstens: weil sie meine Freunde sind und keinen Grund haben, sowas zu tun. Zweitens: weil sie den ganzen Morgen mit mir verbracht haben und ich das mitbekommen hätte!!"
Draco schluckte.
„Vielleicht war es dann jemand ganz anderes!"
„Nein, nur du wusstest noch davon, sonst niemand!"
Da betrat Snape den Klassenraum (ja, bei mir ist Snape auch im sechsten Schuljahr noch ihr Zaubertränke Lehrer :D).
„Potter, was machen Sie da? 20 Punkte Abzug von Gryffindor."
Harry kochte innerlich vor Wut aber mit viel Selbstbeherrschung setzte er sich auf seinen Platz, ignorierte Snape, ignorierte Malfoy und alle anderen, die ihn anstarrten.

Draco und Harry waren wieder am Anfang. Immer wenn sie sich zufällig auf den Fluren begegneten warfen sie sich böse Blicke zu, die Draco einen Stich in die Brust versetzten. Er überlegte immer wieder, wie er es schaffen könnte, nur ein normales Gespräch mit Harry zu führen, aber ihm fiel nichts ein. Das Drarry Projekt war beendet und zu einem Quidditch Training hätte Harry wahrscheinlich keine Lust. Das ging auch gar nicht, weil Draco schon jeden Abend mit seinem Team trainierte, denn das Match gegen Ravenclaw rückte näher.
Doch Draco konnte sich nicht auf das Training konzentrieren. Seine Gedanken schweiften ab und es war mehr Glück als Können, wenn er einmal den Schnatz fing. Dabei hatte es im Training mit Harry immer so gut geklappt...
Es waren noch zwei Tage bis zum Spiel, als Draco am Abend in den Slytherin Gemeinschaftsraum kam. Wie immer wollte er eigentlich direkt in sein Zimmer, doch er wurde aufgehalten. Lorena stellte sich ihm in den Weg.
„Stopp, Draco. Bevor du wieder in dein Zimmer gehst und anfängst Trübsal zu blasen- obwohl, das machst du ja sowieso den ganzen Tag- erklärst du  mir, was los ist. Es kann doch nicht immer noch wegen Potter sein?"
„Doch", flüsterte Draco tonlos.
„Draco! Vergiss ihn!"
„Ich kann nicht."
„Draco... Verdammt, ich würde dir so gerne helfen."
Draco seufzte. „Dann erklär Harry, dass ich nicht auf die Tafel geschrieben habe, dass er schwul ist."
Lorena wurde ein bisschen blass, sagte aber nichts. Draco bemerkte es nicht, guckte nur betreten auf den Boden und flüsterte: „Ich liebe ihn. Und er hasst mich."
Er presste schluckte und kämpfte mit den Tränen. Alles, was sich über die letzten Tage angestaut hatte- der Kummer, die Verzweiflung, die Enttäuschung- alles kam mit einem mal raus. Er presste die Hände vors Gesicht um Lorena nicht angucken zu müssen.
Lorena nahm sanft seine Hände von seinem Gesicht und sah ihn fast genauso verzweifelt wie er sich fühlte an. „Draco, lass mich dir helfen...", murmelte sie. Dann nahm sie sein Gesicht in ihre Hände, beugte sich vor und drückte ihre Lippen auf seine. Draco wehrte sich nicht, obwohl er erschrocken war, doch er erwiderte den Kuss auch nicht. Nach ein paar unangenehmen Sekunden drückte Draco sie von sich weg. „Was sollte das?", fragte er, während auch Lorena eine Träne über die Wange rollte.
„Draco, warum kannst du nicht einfach... Verstehen..." Lorena schluchzte und drehte sich um und ging davon. Draco ging in sein Zimmer warf sich aufs Bett und begann zu heulen wie ein Baby. Die Lösung aller Probleme wäre, wenn er sich einfach in Lorena verlieben könnte. Dann wäre niemand unglücklich. Aber es ging nicht.

Am nächsten Tag saß Hermine in der Bibliothek und lernte. Sie war überrascht, als sich eine dunkelhaariges Slytherinschülerin neben sie setzte.
„Lorena", sagte Hermine zur Begrüßung.
„Hey. Hermine, du bist doch... Mit Harry Potter befreundet."
„Ja, das bin ich."
„Und ich bin mit Draco... Befreundet. Oder war. Na ja egal."
Hermine betrachtete Lorena verwundert. „Worum gehts?", fragte sie schließlich.
„Ich hab Mist gebaut", flüsterte Lorena,
„Ich hab das an die Tafel geschrieben. Und jetzt ist Harry sauer auf Draco und Draco ist verzweifelt."
„Aber wieso hast du...?"
„Ich wollte, dass Harry sauer auf Draco ist, damit sich Draco wieder an mich wendet. Ich... Ich..."
„Du bist in Draco verliebt?"
„Sieht so aus", murmelte Lorena nur und vergrub den Kopf in den Händen.
„Oh man, das... Tut mir leid." Hermine sah Lorena mitleidig an.
„Da kann man nichts machen. Aber bitte sag Harry, dass er nicht auf Draco sauer sein muss."
„Woher wusstest du überhaupt, dass Harry schwul ist?"
„Das ist Draco mal rausgerutscht. Er wollte es wirklich nicht sagen und außer mir wusste es keiner."
Hermine nickte.
„Ich hätte nicht gedacht, dass ich Draco Malfoy mal so einen Gefallen tun würde. Aber gut, ich werde mit Harry reden, der ist nämlich in letzter Zeit auch nur schlecht drauf."
„Danke", sagte Lorena.

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