Cover/ Titel: 7/10
Zunächst einmal das Lob: der erste Eindruck von deinem Cover ist ansprechend, es wirkt professionell und vor allem nicht überladen. Gut ist auch, dass es den Inhalt aufgreift, indem es einen Ausschnitt aus der SMS-Konversation von Annabelle und Peter zeigt, der zwar nicht die wichtigsten Nachrichten enthält, aber auch durchaus keine bedeutungslosen, sodass zwar das Interesse des Lesers geweckt, aber nicht zu viel verraten wird. :)
Allerdings haben wir auch ein paar kleinere Punkte zu kritisieren.
1. Es ist schade, dass an den Rändern deines Covers nur so wenig Abstand zu den Nachrichten oder dem Titel gelassen wurde, denn dadurch sieht es aus, als hätte es jemand ungeschickt zurechtgeschnitten. Falls du das noch ändern könntest würden wir dir empfehlen, die Überschrift in eine etwas kleinere Schriftgröße umzuändern und an allen Rändern mindestens einen so breiten Abstand zu lassen wie oben über der ersten Nachricht.
2. In Peters Nachricht hat sich ein Fehler eingeschlichen. "Hauptberuflich" müsste eigentlich klein geschrieben werden. Normalerweise wäre das bei einer Online-Konversation nichts Ungewöhnliches, doch da deine Protagonisten generell einen eher gehobenen Sprachstil haben, ist es doch ein bisschen ärgerlich..
3. Wir sind uns nicht so ganz einig, ob "Briefe an Annabelle" wirklich der richtige Titel für deine Geschichte ist, da es sich ja streng genommen weder beim Material, noch bei den formalen Gesichtspunkten um Briefe handelt. Wie wärs mit "SMS an Annabelle" oder "Nachrichten an Annabelle"? :)
Handlung/ Idee: 8/10
Die Idee von zwei Fremden, die sich mehr oder weniger durch Zufall über irgendeine Art der Nachrichtenübermittlung kennenlernen und trotz ihrer Anonymität näher kommen, ist zwar nicht bahnbrechend neu, aber auch noch nicht ganz breitgetreten, also gibt es dafür keinen Abzug von uns. Auch die Handlung ist zugegebenermaßen nicht besonders überraschend, aber trotzdem schaffst du es, dass man mit deinen Charakteren mitfiebert (besonders bei ihrem ersten Beinahe-Treffen im Park) und stets wissen will, wie es mit den beiden weitergeht. Tatsächlich haben wir dein Buch an einem Stück durchgelesen, was zwei Hauptgründe hat: deine Kapitel sind sehr kurz und die Unterhaltungen sehr authentisch. Die Reaktionen deiner Protagonisten aufeinander sind zum größten Teil wirklich realistisch und nachvollziehbar und nur selten an der Grenze zum Kitschigen, sodass man ihnen ihre Gefühle abkauft und Empathie für sie entwickelt. Das ist der Grund, warum es auch ein bisschen schade ist, dass man dein Buch so schnell durchgelesen hat, denn es hätte durchaus noch Raum für Ausbaumaßnahmen gegeben. Gerne hättest du Annabelle und Peter - natürlich zu einem angemessenen Zeitpunkt - noch mehr von sich preisgeben lassen können, denn es handelt sich um interessante und auch sympathische Charaktere. Besonders ihr Humor, ihr Einfühlungsvermögen in den jeweils anderen, ihre Emotionalität und - wie schon erwähnt - ihre Natürlichkeit/Authentizität sind Eigenschaften, die wir als sehr gelungen hervorheben möchten. :) Nur wenn es um die Eifersucht geht, haben wir deren Verhalten manchmal als etwas überzogen empfunden, aber da tickt wohl jeder anders.
Stil: 10/10
Dein Buch besteht- bis auf das Zusatzkapitel - ausschließlich aus Dialogen (und gelegentlich auch Monologen) in Form von SMS-Nachrichten mit eingeschobenen Datums- und Zeitangaben und an diesen "Brief"romanstil hast du dich auch konsequent gehalten. Selbst am Ende (ACHTUNG SPOILER!), als Annabelle und Peter zusammenziehen, heiraten und eine Familie gründen, wird die Handlung nur mithilfe der Kommunikation zwischen den beiden erzählt und - deshalb die volle Punktzahl - man kauft es dir voll und ganz ab. Das liegt auch daran, dass die Figuren dem Leser durch ihre einheitliche Art sich auszudrücken schnell vertraut sind und man dank verschiedener sich wiederholender Wortspiele und Neckereien verstehen kann, wie die beiden so schnell Gefühle füreinander entwickeln."Pass auf dich auf." ist so ein Satz, der die Vertrautheit der beiden zeigt, weil er zu einer Art Ritual für sie wird, allerdings hast du ihn nach unserem Geschmack ein wenig zu früh eingebaut.
Ein letzter Punkt des Lobes, den wir zum Thema Stil äußern wollen, ist die wirklich konsequente Großschreibung des Wortes "Du", die, gerade weil sie heutzutage nicht mehr so wirklich üblich ist, sehr gut zu der eher gehobenen Ausdrucksweise deiner Charaktere passt und die Achtung zeigt, die sie einander entgegen bringen.
Rechtschreibung/ Grammatik: 9/10
Also zunächst einmal müssen wir an dieser Stelle unseren Respekt aussprechen: Du achtest wirklich sorgfältig auf die Richtigkeit und Vielseitigkeit deiner Sprache, du drückst dich sehr abwechslungsreich aus und machst fast überhaupt keine Fehler bei Rechtschreibung und Grammatik. :) Dies ist natürlich auch einer der Faktoren, der wesentlich dazu beiträgt, dass sich dein Buch so angenehm und flüssig lesen lässt. Kleine Fehler, die uns aufgefallen sind, sind dass du hin und wieder Adjektive ohne Grund groß schreibst (so zum Beispiel gleich in deinem Klappentext: "Ist etwas, das als SMS-Flirt beginnt überhaupt in die reelle Welt übertragbar und Zukunftsfähig?") oder - was wirklich sehr ungewöhnlich ist - zu viele statt zu wenig Kommata verwendest. Meist passiert dir das zuletzt Genannte bei adverbialen Bestimmungen oder anderen Satzbausteinen, die du von Kommata einschließen lässt, obwohl das nicht nötig wäre. Dadurch wirken sie wie Einschübe, die man ja theoretisch weglassen könnte, ohne dass der Sinn des Satzes verloren geht, jedoch handelt es sich meist um wichtige Informationen, auf die der restliche Satz aufbaut (zum Beispiel: "Hast Du wieder Kontakt, zu Deinen ehemaligen Klassenkameraden, aufgenommen?" Ohne die dick gedruckten Wörter würde der Inhalt der Frage verloren gehen). Außerdem ist das Komma als Satzzeichen natürlich auch dazu da, Satzteile voneinander zu trennen und dadurch für Pausen zu sorgen - die an falscher Stelle dann etwas stören und verwirren. Ein Beispiel hierfür ist der Satz: "Nein, Du denkst nur einmal, in Deinem Leben, an Dich, wenn Du mit mir schreibst." Die überflüssige Kommasetzung macht ihn beim ersten Lesen sehr unverständlich, das Komma nach "einmal" und das nach "Leben" müsstest du entfernen, damit der Satz richtig ist und man dir folgen kann.
Zuletzt noch ein kleiner Fehler, der dir am Anfang mehrmals unterlaufen ist, den du bei einer späteren Erwähnung aber nicht nochmal gemacht hast: "holde Magd" ist in den allermeisten Fällen ein kompletter Widerspruch, deshalb vermuten wir, dass es das Wort "Maid" war, das du gemeint hast.
Gesamtpunktzahl: 34/40
Fazit: "Briefe an Annabelle" von Cherrielein ist ein schönes Buch für zwischendurch, das mit humorvollen und tiefgründigen Wortwechseln und einem klassischen Happy End besticht, und besonders für Freunde romantischer Literatur zu empfehlen ist, die Wert auf eine hohe sprachliche Qualität legen und nach leichter Lektüre für einen verregneten Nachmittag oder eine lange Zugfahrt suchen. (:
PS: Für alle Leser, denen "Briefe an Annabelle" gefallen hat und natürlich auch für dich selbst (denn wir gehen mal davon aus, dass jeder das schreibt, was er selbst auch gern liest) können wir das Buch "Gut gegen Nordwind" von Daniel Glattauer empfehlen, da es der Geschichte von Inhalt und Umsetzung her sehr ähnlich ist. :)
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