2. Kapitel

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Der Unterricht war mal wieder total im Eimer. Unser Lehrer, klein, schlaksig mit grauen Haaren und einer Halbglatze hieß mit Nachnamen Arnold und war schon 73 Jahre alt. Ich verstand noch immer nicht wie jemand ihm zumuten konnte eine Klasse wie unsere zu unterrichten. Außerdem sollte er doch schon längst in Rente sein.

Auf jeden Fall ist es jedesmal eine Katastrophe im Unterricht mit ihm. Zum einen weil man ihn sowieso kaum verstand, da er durch sein Gebiss nur nuscheln konnte und zum anderen da ihm dauernd irgendwelche Sachen passierten. Ein Beispiel währe da die Sache mit seiner Kleidung.

Ich habe mich schon öfters gefragt ob er nicht doch Alzheimer hat.

Es passierte vor drei Monaten, als Herr Arnold mehr als eine halbe Stunde zu spät kam, was ihm natürlich häufiger passierte, und uns gefragt hat warum wir denn alle schon so früh da sind. Bis es dann endlich ein Mitschüler aus der ersten Reihe geschafft hat ihm zu erklären, dass die Stunde bereits begonnen hat, sind noch einmal zwanzig Minuten draufgegangen.

Als er seine etwas abgenutzte Jacke auszog und über den Lehrerstuhl hing erstarrten wir. Einzelne von uns fingen sogar an, lauthals zu lachen. Herr Arnold musste wohl in seiner morgendlichen Routine vergessen haben sich ein Hemd über zu ziehen, denn er stand mit nacktem Oberkörper vor der Klasse und bemerkte sein Missgeschick erst zu spät.

Mit seiner wackligen Stimme ermahnte er die grinsenden Schüler und meinte so etwas könnte doch jedem passieren. Als die Jacke wieder angezogen war und meine Klassenkameraden sich beruhigt hatten passierte schon der nächste Unfall. Unser Lehrer wollte den Unterricht beginnen und bückte sich nach der Kreide, da zerriss es ihm seine Jeanshose am Hinterteil und alle hatten freien Blick auf seinen geblümten Slip. Natürlich konnte ich mich nun selbst nicht mehr halten vor lachen und Herr Arnold schaute mit schiefem Blick in die Klasse. Wahrscheinlich wusste er nicht recht was uns so derartig zum Lachen brachte, aber als Nele aus meiner Klasse ihn anwies sich an seinen Hintern zu fassen verstand er.

In Eile packte er seine Tasche und verschwand aus dem Klassenzimmer.

Einerseits war es schon lustig ihn so zu sehen, doch andererseits tat er mir leid. So etwas sollte keinem passieren. Ihm muss schon der Schalk im Nacken gessesen haben um an einem Tag so viel Unglück zu haben.

Nun wisst ihr was ich meine, nur dürft ihr euch nicht vorstellen dass es bei uns jeden Tag so heiter zugeht. Dieser eine Tag denke ich, war eine Ausnahme.

Heute jedenfalls habe ich mal wieder fast kein Wort verstanden und trotzdem einen Stapel voll Hausaufgaben aufbekommen. Wenn das so weiter geht dann sollte ich mir vielleicht doch überlegen die Schule zu wechseln.

Ich packte die Sachen in meine Schultasche und verließ das Zimmer. Auf dem Schulgang sah ich Sofia und Jenna, mit denen ich dringend noch etwas besprechen musste und lief zu ihnen hinüber:

"Hey, habt ihr schon die Einladungen verschickt und die Band organisiert? Ich hab gestern mit einer Bekannten, die Veranstaltungskauffrau ist telefoniert und sie würde uns kostenlos eine große Bühne auftreiben und zur Verfügung stellen. Außerdem hab ich mich um die Snacks und Getränke gekümmert."

Jenna, Sofia und ich sind dieses Jahr verantwortlich für die Abschlussfeier die jedes Jahr auf dem Schulhof für die Abiturienten stattfindet. Nächstes Jahr waren wir selbst an der Reihe.

"Ja ich habe mir die Band Grooves rausgesucht, das sind 5 heiße Jungs die echt gute Covers und auch eigene Songs spielen", sagte Jenna mit ihrer weichen Stimme.

"Und wie sieht es mit den Einladungen aus?" fragte ich Sofia.

"Ähm.. du Mila das tut mir echt leid, ich habs total vergessen. Aber ich kümmere mich gleich darum", antwortete sie verlegen.

"Mhh schon okay. Bitte vergiss es nicht nocheinmal", gab ich etwas verbissen zurück.

Im Hintergrund konnte ich beobachten wie Jonah aus dem Beratungszimmer kam, sich durch die Haare strich und langsam den Gang entlang schlenderte. Kurz nach ihm trat eine hübsche Rothaarige Referendarin, die ich noch nicht sehr oft gesehen hatte aus der Tür. Auch sie strich sich die Falten aus ihrem Rock und ein breites Grinsen trat auf mein Gesicht. Bei meinen Freundinnen blieb das natürlich nicht unentdeckt.

"Was hast du gesehen?" wusste Jenna gleich bescheid.

"Ach, nichts besonderes", versuchte ich mein Grinsen zu unterdrücken. "Wir sehen uns Morgen", verabschiedete ich mich bei den Zweien.

Ich trat zur Seite und lief in schnellen Schritten Jonah hinterher, um ihn einzuholen. Als ich an seiner Seite angekommen war rieb ich ihm unter die Nase, dass ich alles genau gesehen hatte.

"Ich finde die Rothaarige sieht ziemlich schüchtern aus."

"Könnte sein", antwortete er knapp.

"Du weisst doch Schüchterne sind anhänglich... die wirst du so schnell nicht mehr los", wies ich ihn darauf hin.

Ich kannte ihn gut und wusste genau, dass er mit Beziehungen nicht so klar kam. Er war eher der draufgängerische Typ und lebte nach dem Motto jeden Tag so zu leben, als sei es der letzte.

"Vielleicht ist das zwischen uns, anders wie sonst und es steckt mehr dahinter als du denkst", murmelte Jonah etwas verlegen.

Meine Augen weiteten sich und ich glaube sogar, dass mir der Mund offen stehen blieb. So etwas habe ich ihn noch nie sagen hören.

"Hast du irgendetwas genommen?" fragte ich fassungslos.

"Nein. Ich meine das ernst. Natalie gefällt mir und ich denke dass zwischen uns mehr werden kann, als nur das Verhältnis im Beratungszimmer", erklärte er mir. "Sie hat mich für's Wochenende zu sich nach Hause eingeladen und mal sehen, was daraus wird."

"Jonah du spinnst doch. Sie ist neu hier an der Schule und du nutzt sie nur aus!", ermahnte ich ihn. "Übrigens ist sie Referendarin, du weisst doch dass zwischen euch eigentlich nichts laufen darf."

Jonah kniff mir in die Seite und meinte: "Schon gut. Ich weiss was ich da tue. Aber jetzt lass mich dich erstmal nach Hause bringen. Du willst dich doch sicher noch für heute Abend fertig machen?"

"Genau. Wenn ich pünktlich fertig werden will muss ich mich ganz schön beeilen. Ich weiss noch gar nicht, was ich anziehen soll."

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So das war das zweite Kapitel :)

Ich hoffe euch gefällt es, bin offen für Tipps und Kritik!

Ich freu mich auf eure Kommentare!

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