Zwanzig Minuten nach Acht kam Jonah um mich abzuholen. War ja klar, dass er wieder zu spät kommen würde. Aber mir machte das nichts aus, ich freute mich einfach auf den heutigen Abend. Und vielleicht lernte ich auch mal wieder jemanden kennen. Erwähnt hatte ich ja schon, das meine letzte Beziehung ein Weilchen her ist und ich jetzt bereit für etwas neues war.
Ich umarmte meinen besten Freund zur Begrüßung, schnappte meine kleine Umhängetasche und verabschiedete mich von meiner Mom.
"Jaja, ich pass schon auf mich auf", rief ich bevor sie auch nur etwas sagen konnte und zog Jonah hinter mir her aus dem Haus.
"Mila!", hörte ich meine Mom noch rufen "Du bist spätestens um 1 Uhr zuhause."
Jonah setzte sich auf den Beifahrersitz und ich war erst ganz überrascht, dass er mich fahren lies, doch dann konnte ich mir denken warum:
Er wollte auch mal wieder was trinken, denn die letzten Male ist immer er gefahren und musste sich zurücknehmen. Das bedeutete, dass ich heute die Vernünftige spielen und mich zurückhalten durfte. Mit hochgezogenen Augenbrauen und einem schiefen Grinsen nahm ich auf dem Fahrersitz des schon etwas älteren VW Golf platz.
"Bereit?" fragte er mit einem zwinkernden Auge .
"Bereit", antwortete ich ihm und drehte das Radio auf.
"Hey Brother...", dröhnte es aus der Anlage. "There's an endless road to re-discover. Hey Sister, Know the water's sweet but blood is thicker
Ooooh if the sky comes falling down, for you there's nothing in this world I wouldn't do", summten wir voller Freude mit.
"Was hast du denn sonst noch von dem Club gehört, ausser das er gut sein soll?" fragte ich Jonah während ich gerade zum Überholen ansetzte.
"Ach ich hab nur mitbekommen, dass heute angeblich ein paar C-Promies zu besuch sein sollen, die den neuen Club ebenfalls testen wollen", schmunzelte er. "Du kennst doch sicherlich Carolina Willer?"
"Na klar. Sie moderiert die Nachrichten um Mitternacht", erinnerte ich mich. "Und du bist dir sicher, dass sie heute dort auftauchen wird?"
"Zu neunundneunzig Prozent. Meine Quellen sind immer sehr zuverlässig", erklärte er verschmitzt.
Lachend drehte ich meinen Kopf zur Seite und konzentrierte mich wieder auf's Fahren. Es wurde gerade so richtig Sommer, es war angenehm warm und der Sonnenuntergang um diese Uhrzeit war atemberaubend. Mir konnte es gar nicht besser gehen. Mit Jonah an meiner Seite, ganz ohne Familienprobleme und mit guten Noten in der Schule war ich vollends zufrieden.
Der Club hieß Polaris und lag etwas außerhalb der Stadt. Eine Straße weiter fuhr ich mit Schwung in eine leere Parklücke zwischen einem rostigen Opel und einem schicken Cabrio. Da passte Jonah's alter WV super dazu, dachte ich mir und stieg aus. Ich zupfte mir meine mintgrüne Bluse zurecht, die ich mir in meine engen Shorts gesteckt hatte. Passend dazu trug ich Sandaletten mit ebenfalls mintgrünen Riemchen.
Ich hakte mich bei Jonah unter und wir gingen gemeinsam die Straße entlang. Schon von weitem hörten wir laute Musik und ich denke es war von Vorteil, dass wir hier nicht in einem Wohngebiet waren. Sonst wäre die Polizei bestimmt im Dauereinsatz, denn Familien und ältere Menschen konnten ganz schön pingelig sein...
Draußen vor der Tür stand eine Schlange von Menschen die warteten um eingelassen zu werden. Während wir uns hinten anstellten und miteinander quatschten, bemerkte ich keinen der Fotografen, die wartend vor dem Eingang lauerten. Erst als Jonah mich mit dem Ellenbogen anstieß und darauf aufmerksam machte fing ich an zu glauben, dass vielleicht doch noch jemand bekanntes erscheinen würde.
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Am Leben
HumorDas Schicksal kann manchmal ziemlich fies sein, genau das ist der Grund warum man sich nicht mit ihm anlegen sollte. Oder zumindest nicht, wenn so einiges auf dem Spiel steht. Dein Schulabschluss oder dein bester Freund zum Beispiel. Denn nur eine K...