2. Kapitel

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Ich erinnerte mich noch gut an meinen ersten Tag. Während der Kutschfahrt schossen mir tausend Gedanken durch den Kopf und die Sorge ließ meinen Magen grummeln. Ich versuchte die Fahrt zu genießen und mich darauf zu konzentrieren dass ich meiner alten Herrin endlich entkommen war. Doch mein Optimismus half nichts. Von einem Moment auf den anderen war ich meinem Zuhause entrissen worden. Ich ließ nicht nur die Madame Leward, dessen Haus ich schon seit Jahren putzte, zurück sondern auch Erinnerungen, meine kleine liebgewonnene Kammer und die wenigen Freunde die ich beim Einkauf im Dorf getroffen hatte. Noch nie hatte ich mich so klein gefühlt. So verloren.

Dieses Gefühl wurde nur verstärkt, als die Kutsche endlich zum stehen kam, mir die Tür geöffnet wurde und ich herauskletterte. Ich stand mitten auf einem großen Platz, dessen Boden von sauberen Pflastersteinen gesäumt war. Mein Blick wanderte über die zahlreichen Stände, die zu meinen Seiten standen. Gemüse, Tiere, Kleidung, handgeflochtene Körbe und große Brote. Ein wenig wie Zuhause, dachte ich, und doch so anders.

"Entschuldigen Sie, aber im Schloss wartet man bereits auf ihre Ankunft.", sagte der Kutscher. Sein höflicher Ton überraschte und freute mich zugleich. Sprachlos nickte ich nur und folgte dem kleingewachsenen, aber schick gekleideten, Mann. Versteckt hinter den Ständen, taten sich nämlich die hohen Schlossmauern auf. Ich achtete darauf meinen Mund nicht offen zu lassen, was mir bei der Schönheit die mich im Schloss erwartete, nicht leicht fiel. Kaum traten wir nämlich durch das große Holztor, dass den Schlosshof von dem Innenraum trennte, war es als würde ich eine neue Welt betreten. Die Böden waren aus feinstem Mamor, die Wände zierten zahlreiche Gemälde und hier und dort glitzerte mir ein goldener Leuchter entgegen.

"Na endlich!", ertönte eine Stimme. Ich riss meinen Blick von den geschmückten Wänden los und erblickte eine kräftige Frau mit einem breiten Lächeln. "Ich dachte schon ihr würdet heute nicht mehr eintreffen." Sie warf dem Kutscher einen tadelnden Blick zu. Dann wandte sie sich an mich und griff nach meiner Hand. "Herzlich willkommen im Schloss! Mein Name ist Rosa und ich bin wohl so etwas wie eine Ersatzmutter für die Dienstmädchen hier. Es freut mich, dass du uns im Schloss helfen möchtest. Wie ist dein Name Mädchen?"

"Catlyn", antworte ich schüchtern. Die Frau, Rosa, strahlte mich an und sagte: "Was für ein schöner Name. Hier! Falls es dir zu klein oder groß sein sollte, dann gib es mir und ich werde sehen was sich machen lässt." Sie reichte mir ein schwarzes, schlichtes Kleid mit langen Ärmeln. Das Gleiche, dass auch sie selbst trug. "Das ist die Arbeitskleidung hier im Schloss.", erklärte sie mir. Dankbar nickte ich und fuhr mit dem Daumen über den Stoff. Er war weicher, als alle Kleider die ich je besessen hatte. Nicht, das meine Gaderobe sehr groß gewesen wäre.

"Nun, dann zeige ich dir mal dein Zimmer und deinen Arbeitsplatz." Ich nickte und lächelte ihr zaghaft zu. Der Kutscher verabschiedete sich wortkarg und verschwand hinter der nächsten Ecke. Ich folgte Rosa und dachte dabei, wie fremd alles hier war und doch fühlte ich mich durch ihre Begrüßung schon sehr willkommen. Vielleicht war das hier gar nicht das Ende.

Sondern der Anfang etwas Großem.

Die Königin der KettenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt