Mein Beitrag zum Prompt "Mami" aus dem "Countdown to Hell-oween" .
Viel Spaß beim Gruseln!
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Privatdetektivin Maddy Williams stand vor einem verrosteten und stark überwucherten Metalltor.
Allgemein war sie hier an einem nicht gerade einladenden Ort gelandet.
Hier draußen war die frische Herbstluft kühl und feucht, sodass sie in den Lungen brannte, wenn man sie zu schnell einsog.
Die Einfahrt, in der sie ihr Auto stehen gelassen hatte, war ein gutes Stück entfernt. Von dort an war sie einem schmalen Pfad in den Wald gefolgt, obwohl dieser eher wie eine kleine Schneise wirkte, auf dem sich kein Baum zu wachsen wagte. Die Äste hingen jedoch bedrohlich tief, sodass es bei jedem Schritt tiefer in die Wildnis wirkte, als würden die Bäume nach ihr greifen, während die Äste über ihre Schultern und Wangen strichen und feuchte Spuren hinterließen, bis sie nach ein paar hundert Metern vor diesem Eisentor mit den bedrohlichen Stacheln am oberen Rahmen, zum Stehen gebracht wurde.
Ihr Klient hatte Maddy bereits verraten, dass seine Ex-Frau und ihre gemeinsame Tochter sehr zurückgezogen lebten, doch damit, dass sie am Nachmittag in einem dunklen Wald enden würde, weil das dichte Blattwerk fast jeden Sonnenstrahl verschluckte, damit hatte sie nicht gerechnet.
In dem wenigen Licht tastete sie am Tor nach einer Klingel oder ähnlichen und hätte sich am liebsten selbst dafür in den Arsch gebissen, dass sie ihre Taschenlampe auf ihrem Rücksitz zurück gelassen hatte.
Als Maddy schon meinte die Klingel endlich ertastet zu haben, riss sie sich an einer dornenbesetzten Schlingpflanze noch den ganzen Handrücken auf und könnte ein erschrecktes, schmerzerfülltes Stöhnen nicht unterdrücken.
Während sie ihre Hand inspizierte auf der zwei lange blutige Kratzer waren, hörte sie auf einmal eine leise Stimme.
"Hallo?"
Erneut zuckte sie zusammen und riss den Kopf nach oben.
Zwei Meter hinter dem Tor stand ein kleines Mädchen.
Wie hatte sie es nur geschafft sich unbemerkt so nahe an sie heranzuschleichen?
"Hallo, bist du Clare? Dein Vater hat mich geschickt, lässt du mich rein?"
Das Mädchen trat neugierig ein paar Schritte näher. Sie war süß, zwei Strähnen aus dem langen blonden Haar, waren auf beiden Seiten verzwirbelt und nach hinten gesteckt damit sie ihr nicht ins Gesicht fielen, ihre Haut war weiß wie Porzellan und ihre Augen groß und unschuldig.
"Mami sagt, ich soll keine Fremden hereinlassen.", erwiderte die Zehnjährige, doch Maddy würde nicht so einfach aufgeben. Die Hälfte ihres Auftrags war erfüllt, sie hatte das Mädchen wohlauf vorgefunden.
Wie alt sie war, wusste die Detektivin, da ihr Vater sich gesorgt hatte, weil Mutter und Tochter allen Kontakt zu ihm Abgebrochen hatten, weder zu Weihnachten noch zum Geburtstag der Kleinen hatte man ihn hereingelassen oder das Telefon abgenommen. Das hatte den Vater natürlich sehr irritiert, doch die Polizei hat sich noch nicht so schnell dazu überreden lassen, die Lage zu überprüfen. Also hatte der Mann Maddy geschickt, die sich sofort auf den Weg gemacht hatte, diesen scheinbar einfachen Auftrag zu erledigen.
Jetzt galt es nur noch herauszufinden, warum die beiden den Kontakt so abrupt eingestellt hatten.
"Dein Vater hat gesagt, du hattest vorgestern Geburtstag, herzlichen Glückwunsch, er wäre sehr gerne gekommen."
"Mami hat gesagt, Daddy darf uns nicht mehr besuchen kommen."
"Wieso darf Daddy euch nicht besuchen Clare?"
"Das darf ich dir nicht verraten, sonst wird das Ding, das aussieht wie Mami böse."
Noch bevor Maddy nachfragen konnte, was die Kleine mit diesen merkwürdigen Worten meinte, hallte ein wütender Ruf durch den Wald.
"Clare, komm rein es wird dunkel!"
Das Mädchen drehte sich um und Maddy konnte es nur anstarren.
Die zusammengezwirbelten Strähnen des Kindes steckten nicht, wie erwartet im blonden Haar, nein, sie steckten direkt in einer roten, blutigen Masse.
Dem Mädchen schien der komplette Hinterkopf zu fehlen...
Bevor Maddy fähig war vor Entsetzen zu schreien, knallte etwas scheppernd von hinten auf ihren Schädel und sie klappte in sich zusammen.
Als die junge Privatdetektivin ihr Augen wieder öffnete blickte sie aus einem dunklen Loch nach oben in die Dämmerung.
Zwei Silhouetten hoben sich von den satten Blautönen, die in Richtung Horizont zu einem kräftigen Orange übergingen, ab. Eine davon gehörte zu dem Mädchen ohne Hinterkopf, die Zweite einer unbekannten, hoch gewachsenen Frau. An einer Hand hielt sie das Mädchen, das ihr neugierige Blicke zuwarf, sonst aber ganz ruhig wirkte, in der anderen war ein Spaten, der auf Maddy, wie der Dreizack des Teufels wirkte. Auf dem Gesicht der Frau, die eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Mädchen aufwies, formte sich ein irres Lächeln, dann ließ sie die kleine Hand des Kindes los und rammte die Schaufel in einen Sandhügel.
Feuchte Erde regnete auf Maddy herab, sie war unfähig sich zu bewegen, noch konnte sie schreien. So blieb ihr Mund stumm aufgerissen und ihre Augen geweitet, während die kühle Erde sie immer mehr bedeckte, ihren Rachen und Nasenlöscher füllte, bis schließlich keine Luft mehr zu ihr durchdrang und die Welt von Schwärze verschluckt wurde.
~Ende.~
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Sucker for Creativity
RandomK U R Z G E S C H I C H T E N ~ Cover ~ [Tags] ~ Entries ~ Everything that fits nowhere else! [Language: English and German] Shortstorys: Hier findet ihr auch einige Kurzgeschichten, die meisten gehen in eine düstere Richtung, also wer Lust auf ein...
