Kapitel 4

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"Zuerst wird Alice das Boot verlassen. Dann werden Sie folgen. 24 Stunden Zeit." König Charles der zweite richtete seine Pistole in den Himmel und drückte ab. Ein ohrenbetäubender Knall ertönte. Das war der Startschuss.

Alice stürzte sich kopfüber ins Wasser. Im flacheren Gewässer erschwerten ihr die braunen Stiefel das Laufen.

Die Insel bestand mehr oder weniger aus riesigen Palmen, die mehrere Meter über ihr in den wolkenlosen Himmel aufragten. Auf Augenhöhe befanden sich dichte Fahnengestrüppe.

Am Strand angekommen, lief Alice direkt auf das Gebüsch zu. Sie musste so schnell wie möglich die Höhle finden.

Immer weiter in das Landesinnere führten sie ihre Füße. Das Kreuz auf der Karte war ungefähr in der Mitte der Insel gewesen.

Sie hörte den zweiten Startschuss aus einiger Entfernung.

Das Spiel konnte beginnen...

Alice kämpfte sich weiter durch den Urwald. Sie wich ein paar tiefhängenden Zweigen stachliger Büsche aus und konnte geradeso vermeiden, dass sie über einen kleinen umgefallenen Laubbaum stolperte.

Nach einiger Zeit lichtete sich das Gestrüpp. Sonnenstrahlen fielen Alice ungehindert ins Gesicht. Sie stolperte über einen Felsen. Die Gegend hatte sich verändert. Anstelle der grünen Gebüsche säumten jetzt Felsen und Gesteinsformationen Rose' Weg.

Schwer atmend blieb sie stehen und blickte sich prüfend um. Ob der Pirat sie hören konnte? Nein. Das war unmöglich. Alice hörte Wasserrauschen. Hier musste es einen Wasserfall geben. Und tatsächlich. Als Alice ein wenig weiter über die Felsen kletterte, stand sie auf einer Klippe. Ein schmaler Wasserfall hatte sich tief in den Felsen eingeschnitten.

Hier irgendwo musste sich diese Höhle befinden. Alice kletterte von der Klippe und stieg neben dem kleinen Wasserfall einige Steinstufen herunter. Unten befand sich eine Art See. Links daneben ging ein schmaler dunkler Spalt in das Innere des Felsens.

Alice kam vorsichtig näher und spähte misstrauisch in den Felsspalt. Das musste die Höhle sein, von der ihr Vater gesprochen hatte. Langsam tastete sie sich an der Felswand entlang. Immer tiefer ging es in den Felsen. Blind stolperte sie über einige lose Steine. Dann traf ihr Fuß auf etwas Schweres. Alice blieb abrupt stehen und ging in die Hocke. Hier lag etwas. Sie tastete mit ihren Händen den Boden ab und fühlte mit ihren Fingern das kalte Metall. Es war der Griff ihres Schwertes, dass noch immer in der Scheide steckte. Alice griff nach dem Ledergürtel und hing sich das Schwert um den Oberkörper. In dem zweiten Riemen steckten die Schusswaffen. Etwa einen Meter weiter fand sie auch ihre Weste mit der kleinen Axt und dem Messer. Alles war da, wo es sein sollte.

Alice machte sich auf den Rückweg. Ihr Herz klopfte. Erste Aufgabe bestanden. Jetzt stand ihr die nächste Herausforderung bevor. Sie musste Jack finden. Und ihn dann umbringen.

Sie erreichte das Ende der Felsspalte und kniff die Augen zusammen, als das Sonnenlicht in ihre Augen fiel.

Sie musste vorsichtig sein. Jack konnte inzwischen hier sein. Es war genug Zeit vergangen. Ihre rechte Hand bewegte sich unbewusst zu dem silbernen Griff ihres Schwertes.

Doch außer dem Wasserplätschern des Wasserfalls war nichts zu hören.

Alice sprang über einige Steine und watete durch einen flachen Fluss, der in die Richtung floss, aus der sie gekommen war. Jede ihrer Bewegungen waren bedacht. Fast geräuschvoll verschwand sie hinter zwei großen Fahnenblättern im Regenwald. 

Die Insel war nicht groß. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie Jack fand.

Sie konnte sich aber einen Vorteil verschaffen, indem sie dafür sorgte, dass er sie nicht sah. Ein Schuss. Ein Schuss aus dem Hinterhalt würde reichen, um ihn zu töten.

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