Nach dem Frühstück lag ich wieder auf 'meinem' Bett. Meine Laune war am Tiefpunkt, denn ich konnte mir immer noch nicht erschließen, wer ich war, woher ich kam, und wie ich wieder an meine Erinnerungen komme.
Werner hatte mir erzählt, dass sie nur am Wochenende hierher kamen, um ein bisschen zu entspannen. Das hieß, morgen fahren sie wieder ins Dorf, um ihrem Alltag nachzugehen. Nur gibt es da ein Problem. Was soll ich machen? Wohin soll ich gehen?
Ich kannte hier niemanden, außer diese verrückte Familie. Aber sie konnten mich doch nicht ewig bei sich bleiben lassen. Ich musste alleine etwas erreichen. Ich könnte immer weiter dem Wanderweg im Wald folgen, irgendwo würde ich doch ankommen müssen. Da ich nichts besaß, würde mich auch nichts auf dem Weg aufhalten.
Vielleicht klang es dumm, einfach so, ohne Nichts loszuziehen. Aber ich musste es einfach alleine schaffen. Ich will nicht dieses Mädchen sein, welches all ihre Erinnerungen verloren hat, und jetzt unbedingt von jedem Hilfe benötigt. Ich bin nicht schwach, ich kann das. Ich bin stark.
Ich wartete eine ganze Stunde, bis ich mir sicher war, dass alle schliefen. Ich hatte Angst wegen Isaac, ich mein, wenn er schon knurren kann, kann er dann auch super gut hören? Wie so ein richtiger Hund? Wie Wolverine, nur anders? Wär schon cool, aber irgendwie auch verstörend.
Okay, ich sollte mir Hobbies suchen. Mein Gott, wer kam denn auch darauf, das ein Mensch wie Wolverine, nur anders sein konnte?
Und da war es wieder, ich konnte mich an Sachen wie Wolverine erinnern, wusste aber nicht woher. Das machte mich verrückt!Ich seufzte, so zu leben war anstrengend. Dabei 'lebte' ich erst zwei Tage. Ich seufzte ein weiteres Mal und schaute mich nochmal im Gang um, sodass hoffentlich auch niemand da war.
Ich schlich wie eine Katze zur Haustür und trat ausversehen gegen die Komode daneben. Dabei stoß ich mir den kleinen Zeh und wäre fast auf den Boden geklatscht, konnte mich aber noch- Gott sei Dank- an der Wand abfangen. Darauf patschte meine Hand so laut gegen die Wand, sodass ich laut fluchte.
Ruckartig hielt ich den Mund. Das war ja total auffällig! Soviel zu: Ich schlich wie eine Katze.
Langsam, mit weit geöffneten, aufgeschreckten Augen richtete ich mich auf und schleichte mich auf Zehnspitzen weiter zur Tür.
Als ich bei dieser angekommen bin, ohne gegen irgendwelche Ecken und Kanten zu stoßen, welche nicht exestierten, griff ich zu dem Türknauf und drehte ihn langsam um. Es klickte und als ich die Tür aufschob, quitschte diese unnormal laut auf.
"Verdammte Tür!", fluchte ich, mal wieder zu laut. Genervt verdrehte ich meine Augen und versuchte mich weiter darauf zu konzentrieren, leise zu sein.
Ich gelangte nach draußen an die frische, kalte Luft, welche ich erstmal tief in meine Lungen einatmete. Ich drückte die Tür hinter mir zu und ignorierte verkrampft das weitere Quitschen.
Erleichtert schlich sich ein Lächeln auf mein Gesicht. Nachdem ich einige Schritte weit gelaufen bin, wohlbemerkt nur in dünnen Socken, welche ich in meiner Nachtschulblade gefunden hatte, bemerkte ich, wie große, schwere Schneeflocken vom Himmel fielen.
Auf dem Waldboden lagen gute zwanzig Centimeter der weißen, Zuckerwatte ähnelden Masse.
Begeistert und glücklich lief ich weiter und bewunderte die Flocken, wie sie durcheinander durch die Luft wirbeln und ihren Weg nach unten suchten.
Verwundert bemerkte ich, wie mir kein Stück kalt wurde, als ich durch Schnee lief, obwohl ich nur eine Jogginghose und ein lockeres Tshirt trug. Ich zog meine Socken aus, da diese in Sekunden durchnässt waren. Ich schmiss sie einfach irgendwohin und lief weiter.
Auch bemerkte ich in diesem Moment, wie sehr ich den Schnee liebte. Ich liebte den Schnee, den Winter und die Kälte.
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Schattenkinder~ Krieger Der Nacht
Fantasy"Es war ruhig, ruhig wie schon lange nicht mehr. Und dennoch konnte ich diese Ruhe nicht genießen, denn ich hatte immer noch Sorgen. Ich wusste weder wo ich war, noch wie ich hier her kam. Bin ich tot? Nein das kann nicht sein, der Tod sollte anders...