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Ich werde angeschrien und drehe mich weiter ohne aufzuhören.
Meine Füße tuen so weh...
Es fühlt sich so an, als würden sie bluten.
Doch ich drehe immer noch weiter.
Er sollte mich doch jetzt halten!
Auf einmal falle ich.....

Ich wachte schweißgebadet in meinem Zimmer auf und atmete schnell.
Ich dachte, ich könnte endlich mit meiner Vergangenheit abschließen...

Ein Seufzer verließ meinen Mund und ich entschied mich, aufzustehen.
Ich öffnete die Jalousien und machte mein Bett ordentlich. Dann setzte ich mich an meinen Schreibtisch und betrachtete mein Zimmer. Mein Zimmer war in schlichtem Grau und Schwarz gehalten, wobei an der Tapete ein roter Streifen entlangging und das Zimmer lebhafter wirken ließ.

Ich saß bestimmt eine gute halbe Stunde einfach dort und dachte nach, bis meine Brüder in mein Zimmer platzten und sich auf mich stürzten.
Ich erschrak etwas, umarmte sie dann aber ebenfalls mit einem Lächeln im Gesicht.

„ Na ihr ? Schon wach ?"
„ Ja wir haben Mum bei Frühstück geholfen, aber ich habe aus Versehen die Milch fallen lassen" sagte Ivan mit einem verlegenen Grinsen. „Und dann hat Mama uns weggeschickt" sagte Dima gespielt traurig.

Die zwei waren wirklich kleine Teufel und stellten immer irgendwas an.
„ Aha. Wollen wir schauen, ob das Frühstück schon fertig ist ?" antwortete ich mit einer ruhigen Stimme. Die Zwei nickten eifrig und wir gingen runter.
Unten angekommen sah ich auch schon meine Mutter, die Pfannkuchen machte. Ich atmete den Geruch einmal tief ein und ging dann zu meiner Mutter.

„ Guten Morgen Mama" sagte ich und holte fünf Teller aus dem Schrank.
„ Guten Morgen, Schatz. Ah vier reichen. Papa ist arbeiten."
„ Schon wieder ?"
„ Ja. Ein Kollege von ihm ist ausgefallen, deswegen musste er einspringen."
„Achso..." sagte ich etwas enttäuscht und legte einen Teller zurück. Mein Vater war selten zu Hause, da er viel Arbeiten musste.

Nach dem Frühstück verzog ich mich in mein Zimmer und holte ein dickes Buch aus meinem Schrank. Viele würden mich jetzt für komisch halten, aber ich liebe Literatur.
Ich schlug das Buch auf und fing an zu lesen. Ich verlor mich immer in meine eigene Welt, wenn ich las und so bemerkte ich nicht, dass ich über vier Stunden las. Ich wollte heute noch Eislaufen gehen, weswegen ich das Buch zuschlug und meine Sachen einpackte.
Schlittschuhe, Trainingssachen und Trinkflasche.
Ich glaube ich habe alles.

Ich ging die Treppen runter und legte meine Tasche in den Flur. „ BIN EISLAUFEN !" schrie ich durchs ganze Haus , damit es alle hören konnten.
Nachdem ich ein 'Ja' zurück gerufen bekam, zog ich mich an und verließ das Haus.

Ich blieb nach kurzem Laufen an der Bushaltestelle stehen und wartete circa drei Minuten auf den Bus.
Als ich in den Bus eingestiegen war und einen Platz gefunden hatte , zog ich mein Handy aus der Tasche und schaute, ob ich neue Nachrichten hatte.

Keine neuen Nachrichten.... wie beliebt ich doch war.
Ich schrieb dann etwas mit meiner besten Freundin Dasha. Ich kannte sie, seit ich klein war. Wir haben zusammen viel durchgemacht.
Früher hatten wir dasselbe Ziel.
Früher...

Meine Laune änderte sich schlagartig von gut zu traurig und ich rang mit den Tränen. Ich vermisste mein altes Leben aber ich musste damit klar kommen.
Damals kam alles so plötzlich....
Ich seufzte und verabschiedete mich von ihr, da ich gleich an der Eishalle sein würde. Ich verließ den Bus und schaute auf die Uhr.
17:29 Uhr.
Bisschen spät, aber das passt schon.

Als ich an der Eishalle ankam zeigte ich meine Seasonkarte und ging mich dann umziehen. Als ich an der Bahn angekommen war, sah ich nur ein paar Leute trainieren. Um diese Zeit kommen meist keine Besucher mehr.
Ich steckte meine Kopfhörer in meine Ohren und lief mich erstmal ein. Ich glitt über das Eis und fuhr große Bögen. Dabei drehte ich mich manchmal und fuhr auf nur einem Bein. Ich blieb an der Bande stehen und machte mir Musik an.
Ich glaube ich brauchte jetzt was dynamisches. Ich grinste etwas, weil ich wusste welches Lied ich jetzt anmachen musste.

Ich klickte auf  "I am the best".
Ich stellte mich in die Startpose und fuhr dann los. Ich fuhr schnell über das Eis und machte schnelle Bewegungen. Ich konzentrierte mich voll und ganz auf das Lied.
Und jetzt einen dreifachen Rittberger....
Ich sprang ab und drehte mich ziemlich schnell... Gestanden !!

Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen und fuhr noch dynamischer weiter. Dann machte ich einen Butterfly und ging über in eine Pirouettenkombination. Zuerst drehte ich ganz normal, nahm dann aber mein rechtes Bein , was das Tempo noch erhöhte, und drehte weiter.
Am Ende der Musik sprang ich noch einen dreifachen Axel und landete dann im Spagat. Ich atmete schwer und legte mich aufs Eis. Ich glaube, ich war noch nie so gut gelaufen.

Ich schaute mich etwas um und sah, dass es schon dunkel war und niemand mehr auf dem Eis war.
Ich fuhr zur Bande und trank erstmal was. Dabei bemerkte ich einen Zettel auf dem stand:

Hallo Genia :)
Wir sind alle schon gegangen.
Du warst so vertieft ins Laufen und wollten nicht stören. Wäre nett wenn du die Halle zumachen könntest. Du weißt, wo der Schlüssel ist.
Ana <3

Ich könnte ja.... wenn hier sowieso niemand mehr ist....

Ich lief zur Musikanlage und schloss meinen Mp3-player dort an. Ich machte eine Playlist mit meinen Lieblingsliedern an und fuhr los. Es waren ziemlich viele K-Pop-  und Animelieder aber auch Russische- und Englische Lieder. Das erste war ein ruhiges Lied und ich fuhr wieder nur Bögen, damit ich mich etwas ausruhen konnte.

Ich liebte es, alleine zu laufen , denn da konnte ich meine wahren Gefühle zum Ausdruck bringen. Nachdem ich eine halbe Stunde etwas ruhiger gelaufen bin, kam wieder ein ziemlich schnelles und dynamisches Lied. Ich grinste etwas und drehte die Anlage lauter. Es war mein Lieblingslied von Blackpink.Ich stellte mich in Startposition und die Musik fing an zu spielen.
Let the show begin....

Ich beschleunigte so schnell es ging und fuhr mit voller Geschwindigkeit durch die Halle. Dann sprang ich eine Sprungkombination, bestehend aus einem dreifachen Rittberger und einem zweifachen Salchow.
Gestanden!

Dann machte ich etwas Show und fuhr wieder Bögen. Dabei fuhr ich mal im Arabeske und hob das Bein ab und zu.
Jetzt wieder einen Sprung....
Ich wollte einen dreifachen Salchow machen und nahm viel Schwung.
Dann sprang ich so fest es ging ab und....
EIN FÜNFFACHER SALCHOW ?!? UND GESTANDEN?!?!

Ich war so in meinem Element und fuhr einfach weiter. Ich nahm meine Umgebung schon lange nicht mehr wahr. Am Ende machte ich noch eine Pirouettenkombi und endete dann.
War das gerade wirklich passiert ?!?!
Ich fuhr zur Bande und atmete unregelmäßig. Dann schlich sich ein breites Grinsen auf meine Lippen.

Das war der HAMMER !", hörte ich eine Stimmer direkt vor mir jubeln.
Ich schaute erschrocken auf und fiel aufs Eis, da die Person nichtmal 10 Zentimeter von mir entfernt war.

Lubov na I'duWo Geschichten leben. Entdecke jetzt