Kapitel - 1

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Mit großer Freude erwartete ich den Beginn des Sommersemesters. Es wird mein zweites sein, das ich im Rahmen meines Meteorologiestudiums absolvieren werde. Und heute ist der erste Tag, Montag der 7. April. Dies bedeutet für mich schon um sechs früh morgens aufzustehen und mich nach dem Duschen auf dem schnellsten Weg zur Bahn zu begeben, welche ich auch pünktlich erreiche. Nach eine halben Stunde erreiche ich dann die Fakultät, an der ich meine erste Vorlesung dieses Semesters besuche. Meine Freunde aus dem ersten, die mich nun schon ein halbes Jahr kennen gelernt haben, warten schon vor der Uni und gemeinsam gehen wir, nachdem auch die letzten bekannten Gesichter, die es weiter versuchen werden, eingetrudelt sind, ins Gebäude und betreten den Hörsaal. Mathematik wird uns als erstes präsentiert. Nach weiteren zwei Vorlesungen ist auch schon alles wieder passiert und ich muss mache mich wieder auf den Heimweg, doch diesmal entscheide ich mich zu einem langem Spaziergang. Zwei-ein-halb Stunden Fußmarsch erwarten mich, vor denen ich aber nicht zurückschrecke. Ganz im Gegenteil, ich freue mich wieder unterwegs zu sein und mir Mal wieder nach sehr langer Zeit zu Hause die Beine vertreten zu können. Quer durch die ganze Stadt an deren anderes Ende muss ich in meine Studentenwohnung. 

Gemütlich gehe ich trotzdem ohne Eile vor mich hin und schlendere die Straßen entlang. Ein Strecke gerade aus und etwas später eine Kurve nach links und danach ein weitläufige nach rechts. Danach liegt der Park vor mir, der geplante Zwischenstopp ist nun auf meinem Plan an der Reihe. Der herrliche Sonnenschein, welcher mich schon den ganzen Tag erfreut, lädt da natürlich regelrecht ein sich für ein Stündchen im Park nieder zu lassen. Darum setze ich mich bei meiner Ankunft unter einen der Schatten spendenden Bäume und genieße das schöne Wetter. Es war der letzte Baum, unter dem niemand saß. Trotz des Trubels um mich her, habe ich doch das Gefühl von Ruhe und innerem Frieden. Mein Körper ist erfüllt von Fröhlichkeit.  

„Darf ich mich zu ihnen setzen?", höre ich plötzlich eine zaghafte Stimme hinter mir fragen, und drehe mich ein wenig überrascht um. Natürlich habe ich nichts dagegen und vorsichtig setzt sie sich neben mich in den Schatten. Völlig verwundert gesiezt worden zu sein, blicke ich sie an und kann irgendwie mich nicht davon trennen, mich über diesen Menschen zu wundern. Bin ich schon so alt, dass ich nicht mit „Du" angeredet werde? Aber eigentlich ist mein Gedankengang völlig unverständlich, denn mit 19 Jahren wird man nun nicht mehr so einfach zu den Jungspornen gerechnet, denen man so einfach begegnet, als sei man ein kleines Kind. Sie war aber aber auch nicht gerade sonderlich alt. Ich schätze sie sogar eigentlich eher in meinem Alter vielleicht ein, zwei, drei Jahre älter. Sie hatte für diese Temperaturen unüblich eine schwarze, kurze Hose und ein ebenso schwarzes T-Shirt an. Sofort eröffnete sich in meinem Kopf das Verlangen die Frage nach dem Warum und des Wieso zu stellen. Doch ich kannte sie ja gar nicht und wollte auch eigentlich nur die schöne Atmosphäre in mich aufnehmen. Nichts desto trotz machte sich in mir eine gewisse Anspannung breit, für die ich keine Erklärung hatte. Sie saß derweil nur mit gesenktem Kopf still da und schaute abwesend ins Gras. Sie beobachtete die fleißigen Insekten, die zwischen den Grashalmen und anderen Wiesenpflanzen ihrem geschäftigen Treiben nachgingen, wie zum Beispiel Ameise, Marienkäfer und Biene. Auch eine Hummel flog von Blume zu Blume und wurde von ihren Tränen-erfüllten Augen verfolgt. Gleich wurde mir mein Herz schwer und ich wusste nichts besseres als ihr ein Taschentuch anzubieten, welches sie mit einem leisen, verwundertem „Danke..." entgegen nahm. Ein winziges Lächeln huschte über ihren Mund, verschwand aber sofort wieder und wich einem wieder traurigem Gesichtsausdruck. Weshalb auch immer, stand kurz darauf und wollte gehen. Doch als sie dann vor mir stand und mit ihrem Gesicht in meines Blickte, da ich ihren Bewegungen mit meinem Blick folgte, setzte sie sich wieder hin und saß darauf noch eine kleine Weile still neben mir. 

„Was machst du hier so allein im Park?", fragte sie mich leise. „Ich sitze hier um in das schöne Wetter zu genießen.", gebe ich genauso leise zur Antwort. „Was ist an diesem Wetter schön?" „Die Sonne scheint, es ist warm und der Himmel ist blau, erfreut dich das denn nicht?" Ein Weile ist es wieder still, bevor sie mir dann immer noch ziemlich leise antwortet: „Nein." Schweigen erfüllt die Luft um uns herum, und auch eine kleine Wolke schiebt sich vor die Sonne. „Mich kann nichts und niemand mehr aufheitern." Seit diesem Moment kreist nun mir die Frage immer und immer wieder im Kopf herum, was dieses Mädchen so traurig gemacht hat. Weshalb ist sie nicht glücklich und kann sich nicht an der Welt erfreuen. Mit diesen Gedanken mache ich mich auf den Weg, nachdem auch sie, die die nächste halbe Stunde kein weiteres Wort sprach, gegangen war. Weiter in Richtung Osten, damit ich in mein Zimmer komme, wo ich mich auf mein Bett fallen lasse und so eine Weile liegen bleibe. Nur kurz gehe ich heute noch ins Internet, checke meine Mails und logge mich danach auch gleich wieder aus. Nach meinem Abendbrot dusche ich noch schnell und gehe zu Bett. Der nächste Tag wartet schon auf mich, wieder stehen Vorlesungen an und diese sollte ich nicht verpassen.

Die Liebe eines MenschenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt