Kapitel 10

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Severus beobachtete seinen Sohn. Seit ein paar Minuten schlief er unruhig.

"Hedwig, geh' mal etwas zur Seite. Er wacht gleich auf und dann will ich ihm den Trank geben."

Hedwig zog sich ungern zurück, aber sie tat es. Dennoch hielt sie weiterhin eine Hand ihres Herrn .

"Er hat länger durchgehalten, als ich dachte. Auch für mich ist das alles neu, aber für ihn ist es sicherlich noch schwerer. Er muss sich einem dunklen Lord stellen. Dumbledore ist nicht der nette Mann, nicht mehr sein Mentor. Dann kommt er in diese Welt, in der der Frieden herrscht und nun sterben seine Verwandten. Ich denke, dass er sie nicht wirklich mochte, aber sie trugen sein Blut in sich."

Severus beugte sich über seinen Sohn und schwang seinen Zauberstab. Hedwig sah sich jede Bewegung genau an, dann antwortete sie ihm.

"Mein Herr ist ein starker Mann. Er liebt diesen Ort, obwohl er ihn nicht kennt. Der Frieden fasziniert ihn. Der Tod seiner Verwandten schockt ihn mit Sicherheit, aber viel mehr schockt ihn, dass es so einfach war. Sie haben mir von dem Gespräch erzählt. Ich denke, dass ihm die Tatsache, dass Dumbledore womöglich der Mörder ist, mehr zu schaffen macht. Mein Herr sieht immer nur das Gute im Menschen und nun wurde ihm die bittere Wahrheit zu deutlich bewusst."

Harry unterbrach das Gespräch, indem er die Augen aufschlug. Stöhnend schloss er sie wieder und wollte seinen Arm über die Augen legen, aber seine Hand wurde festgehalten. Langsam öffnete er deshalb erneut die Augen und sah, dass Hedwig auf einem Stuhl neben dem Bett saß und seine Hand hielt. Sein Vater saß auf der Bettkante und hatte schon einen Trank in der Hand. Harry wollte sich ruckartig aufrichten, doch dies verhinderte sein Vater.

"Langsam, du warst drei Stunden bewusstlos. Ich musste dich leider mit einem Zauber schlafen schicken. Trink den Trank, dann können wir in Ruhe noch einmal drüber reden."

Harry setzte sich langsam auf und schluckte das Gebräu in einem Zug. Kurz schüttelte er sich, weil der Geschmack einfach widerlich war. Danach dachte er kurz nach, warum sein Vater diesen Zauber benutzt hatte. Es traf ihn wie ein Blitz. Seine Verwandten waren tot und höchstwahrscheinlich war Dumbledore dafür verantwortlich!

"Ich sehe schon, du erinnerst dich, aber denk daran, es muss nicht so sein, wie es scheint. Es kann auch sein, dass die Zeitung schlecht recherchierte oder der Informant gelogen hat. Du solltest dich erstmal etwas ausruhen und beruhigen. Ich werde einige der Dinge bei Lokark für dich regeln. Alles geht nicht, aber ich kann mit einem Teil beginnen."

Severus erhob sich und ging zur Tür. Dort sprach er scheinbar mit Lokark, den Harry nicht sah, bis dieser das Zimmer betrat.

"Mein Herr, ist es Ihnen recht, wenn ihr Vater schon beginnt? Wir können Ihre Angelegenheiten auch auf einen anderen Tag verschieben."

"Nein. Es ist alles gut. Severus hat die Vollmacht. Wenn ich gebraucht werde, rufen Sie mich einfach. Ich muss mich bei Ihnen noch entschuldigen, weil ich die Kontrolle verloren habe."

Heftig schüttelte der Kobold den Kopf und beteuerte, dass Harry sich keineswegs entschuldigen musste.

"Mein Herr, jedes Wesen reagiert auf den Tod der Verwandten irrational. Wir Kobolde stehen hinter Ihnen. Falls Sie Rachedurst verspüren, zögern Sie nicht, wir helfen Ihnen. Jedes Wesen hier wird Ihnen treu und bedingungslos zu Seite stehen. Sei es ein Rat oder ein Krieg. Teratiha wird für Sie stehen."

Der Kobold wackelte mit Severus davon und ließ einen sprachlosen Harry zurück. Dieser wandte sich an Hedwig und wollte wohl, dass sie es dementierte, doch sie nickte nur besonnen.

"Mein Herr, ich habe das Glück, Sie schon lange zu kennen. Ich weiß, Sie wollen weder einen Krieg noch verspüren Sie ein starkes Verlangen nach Rache, aber jedes Wesen hat irgendwann den Punkt erreicht, an dem es nicht mehr kann. Hier sind Wesen, die Jahrhunderte gelebt, gelernt und Erfahrungen gesammelt haben. Nutzen Sie das Wissen und die Kraft. Sie haben mir die Prophezeiung erzählt, aber Sie haben eine entscheidende Möglichkeit übersehen. 'Der eine muss durch die Hand des anderen sterben.' Mein Herr dieser Satz ist das Entscheidende. Jedes Wesen in Teratiha ist Ihr verlängerter Arm. Wenn Sie es wünschen, stellt Teratiha eine Streitmacht auf, die die Welt noch nicht gesehen hat."

TeratihaWo Geschichten leben. Entdecke jetzt