Aus Bryans Sicht:
Ich rannte so schnell ich konnte davon! Was sollte ich jetzt tun? Ich hatte sie alle in Gefahr gebracht! Anton hatte mit Sicherheit alles mitbekommen! Es war alles meine Schuld! Wir waren dem Tod einfach ausgeliefert! Ich musste etwas tun! Ich musste es klarstellen! Ich musste mich opfern! Für meine Freunde! Ich musste zum Mörder! Doch ich rannte weiter. Ich wollte zu meinem Bruder! Doch ich rannte weiter. Ich rannte davon, ohne mich noch ein einziges Mal umzudrehen. Ich rannte weiter, geradewegs an der Gasse vorbei, in der ich den Mörder das aller erste Mal gesehen hatte! In der der Mörder mich töten wollte und ich ihn angeflehte hatte mich zu verschonen! Und er hatte recht gehabt! Ich wünschte mir, er hätte mich umgebracht! Und dann begann ich zu schreien: ,,Ich bin hier! Töte mich doch endlich! Bitte! Verschone meine Freunde und töte mich!“ Doch es geschah nichts. Die Gasse war genauso still wie damals! Als würde niemand dort wohnen! Wütend lief ich weiter und trat in die Bar ein, aus der ich damals gekommen war. Der Barkeeper Roman bemerkte mich sofort. ,,Bryan! Alter Freund! Lange nicht mehr gesehen! Setz dich doch!“, rief er. Ich lächelte nicht zurück, ich grüßte auch nicht. Ich ließ mich einfach auf einen Barhocker fallen und bestellte einen extra starken Drink. ,,Junge, du weißt, dass du noch nicht 18 bist! Ich darf dir das eigentlich gar nicht geben!“, meinte er entschuldigend. Ich sah ihn an. ,,Bitte! Ich passe schon auf mich auf! Ich brauche das jetzt einfach! Komm schon!“, flehte ich ihn an. Er schien einen Augenblick zu überlegen, dann sagte er: ,,Ich gebe dir aber nur einen!“, beschloss er schließlich. Ich nickte. Als er mir den Drink auf die Theke stellte, trank ich ihn in einem Zug leer. Er brannte wie Feuer in meinem Hals. Dieser Drink hatte es echt in sich! Ich kniff die Augen zusammen, bis ich alles heruntergeschluckt hatte und stellte das Glas wieder auf meinen Tisch. Wenn ich das, was ich vorhatte noch einigermaßen nüchtern tun wollte, sollte ich es jetzt tun! ,,Sag mal, hast du ein Papier und einen Stift für mich?“, fragte ich ihn schließlich. ,,Sicher!“, meinte er und kramte in einem der Schubfächer, dann legte er beides vor mich. ,,Danke!", sagte ich.
Lieber Ethan…
Begann ich. Ich schrieb so schnell ich konnte das gesamte Papier voll und hoffte, er würde es verstehen! Ethan war mein bester und einziger Freund und ich musste mich noch von ihm verabschieden! Als Roman gerade bei einem der Kunden am Tisch stand ergriff ich die Chance! Ich steckte mir den Brief in die Hosentasche, schlich hinter den Tresen und schnappte mir eine Flasche Sekt. Ich wusste, dass die ganze Flasche ausreichen würde, um betrunken zu werden, da ich viel Alkohol nicht gewöhnt war. Ich vertrug ihn, aber ich wurde schnell benebelt! Ich sah mich nochmal nach Roman um, welcher nicht zu mir schaute und rannte so schnell ich konnte aus der Bar. Ich konnte ihn noch rufen hören, dass ich meinen Drink noch bezahlen müsse, doch ich rannte weiter. Irgendwann begann es in Strömen zu regnen und ich setzte mich unter ein Vordach eines Hauses. Der Brief durfte auf keinen Fall nass werden! Ich musste ihn unbedingt Ethan geben! Eine Weile saß ich einfach nur da und beobachtete den Regen der prasselnd auf das Vordach fiel, dann sah ich wieder auf die Flasche in meinen Händen. Ich kramte in meiner Jackentasche und zog mein Taschenmesser heraus, an dem sich ein Korkenzieher befand. Ich öffnete die Flasche mit einem Ruck und sie sprudelte über. Ich hatte sie wohl beim Rennen zu viel geschüttelt! Ich setzte die Flasche an meinen Mund und trank ein paar Schlucke des spritzigen Getränks. Nach dem Schlucken war mein Mund sofort trocken. Der Sekt brannte nicht so sehr im Hals wie der Drink, den ich zuvor getrunken hatte, dennoch bemerkte ich nach ein paar weiteren Schlucken wie mir schummrig wurde. Tut mir leid Roman, ich brauch das jetzt einfach! Ich kippte den Rest des Sektes in meinen Mund und trank. Dann warf ich die Flasche davon und hoffte, sie würde zerspringen. Das tat sie auch! Mein Kopf fing immer stärker an zu rotieren. Was habe ich mir nur dabei gedacht? Ich presste meine Hände gegen die Schläfen und hoffte es würde dadurch besser werden, aber die Welt drehte sich immer mehr um mich herum! Ich wollte die Augen schließen, weil mir schwindelig wurde, doch sofort wurde mir schlecht. Der Regen hatte, wenn mich nicht alles täuschte aufgehört und es wurde langsam dunkel. Jetzt durfte ich nur nicht den Verstand verlieren! Ich musste Ethan den Brief geben! Ich wollte doch nur meine Gefühle vergessen! Nicht alles! Ich überprüfte noch einmal, ob der Brief noch in meiner Hosentasche war und nickte erleichtert. Plötzlich hörte ich eine Stimme irgendwo neben mir. ,,Verschwinde von hier du Straßen Junkie! Das ist mein Haus! Ich dulde hier keine Leute wie dich!“, schrie er. Ich sah mich unsicher um, aus welcher Richtung die Stimme gekommen war. Ich musste den Kopf langsam bewegen, weil mir sonst schlecht wurde! Da erkannte ich einen Mann! Ich stand unsicher auf und stützte mich an der Hauswand ab. Er kam ein paar Schritte auf mich zu, war aber noch weit entfernt. Glaubte ich zumindest. Ich konnte seinen Atem in meinem Gesicht spüren! Also war er wohl doch nicht so weit entfernt wie gedacht… ,,Verzieh dich!“, murmelte er wütend. ,,Jetzt machen sie sich mal nich ins Hemd! Ich geh ja schon!“, lallte ich. Als ich mich gerade in Bewegung setzen wollte, fiel ich sofort wieder um. ,,Der'mo!“, fluchte ich leise. Ich dachte ich halt so viel aus! ,,Verpiss dich sofort von meinem Grundstück!“, schrie der Mann mich an. ,,He! Passen Sie auf was sie sagen! Ich hab schon Leute ermordet!“, lachte ich lallend. Scheiße! Ich muss sofort die Klappe halten! Ich versuchte ein weiteres Mal mich in Bewegung zu setzen und dieses mal klappte es. Ich schwankte davon und spürte beim Weitergehen den Blick des Mannes auf meinem Rücken. Meine Güte fühlte ich mich gerade gut! Was war das für ein Sekt? Was wollte ich nochmal so wichtiges machen? Ich kratzte mich am Kopf. Ethan! Jetzt fiel es mir wieder ein! Wo war denn nochmal der Weg zum Internat? Ich drehte mich nach rechts, dann nach links. ,,Och menno!“, rief ich und verschränkte die Arme wie ein beleidigtes Kind. Wo war ich denn jetzt lang gerannt? Einfach laufen! Irgendwann wirst du schon ankommen! Dachte ich mir. Ich bog immer wieder ab und musste mich dabei an den Hauswänden festhalten, damit ich nicht umfiel. Es wurde immer dunkler und ich bemerkte, dass ich zweimal im Kreis gelaufen war! Die Zeit verging und irgendwann wurde aus der guten Laune Kopfschmerzen. Wie lange war ich hier bitte schon herumgelaufen? Irgendwo in meinem Unterbewusstsein nahm ich eine Kirchenglocke wahr. Wenn mich nicht alles täuschte, war es jetzt 22 Uhr! Und da erkannte ich im Schein des Mondlichts das Internat! Ich verschnellerte meinen Schritt und zog den Brief aus meiner Hosentasche. Jetzt war es also so weit! Ich würde mich verabschieden von dieser Welt! Ich hatte es auch verdient! Von Anfang an! Ich schlich so leise wie ich konnte die Treppen nach oben und stellte mich vor meine Zimmertür. Ich atmete tief ein und dann schob ich den Brief unter der Tür durch. Ich klopfte und hoffte, dass Anton, wie ich vermutete, nicht im Zimmer war! Ich drehte mich um und wollte gerade weiter gehen, als mich eine Hand am Arm packte. Ich wusste, dass ich keine Chance gegen ihn hatte! Und ich würde mich nicht wehren… Nicht mehr…
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THE MIRROR (Abgeschlossen)
Mystery / ThrillerEthan ist neu in Bremen auf einem Internat. Als er dann Bryan und Lucy kennenlernt verändert sich alles. Sie werden schnell Freunde und bemerken seltsame Dinge. Es beginnt alles mit einem Mord! Doch das soll nicht der letzte sein! Die Freunde versu...
