Capítulo 1

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Schreiend erwache ich aus meinem Schlaf. Schon wieder ein Albtraum. Ich setze mich aufrecht in mein Bett und versuche mich zu beruhigen. Ich bin mal wieder total verschwitzt und noch immer laufen mir Tränen über die Wangen. Nach einigen Minuten habe ich es geschafft mich zu beruhigen. Ich schaue auf mein Handy. Es ist erst halb sieben. Eigentlich klingelt mein Wecker erst in einer halben Stunde, doch jetzt kann ich sowieso nicht mehr schlafen. Ich entscheide mich dafür schon aufzustehen und eine etwas längere Dusche zu nehmen.

Ich stehe also von meinem Bett auf und begebe mich ins Bad. Dort ziehe ich meinen verschwitzten Pyjama aus und stelle mich unter das warme Wasser. Ich mag das Gefühl, wenn das warme Wasser an mir herabfließt. Es beruhigt mich und für einen kurzen Moment vergesse ich meine Sorgen und fühle mich wohl. Ich dusche immer warm, egal ob Sommer oder Winter. Im Moment haben wir Mitte Frühling.

Nach ungefähr 20 Minuten (normalerweise dusche ich innerhalb von 10 Minuten) steige ich aus der Dusche und betrachte mich im Spiegel. Meine langen braune Haare sind noch ganz nass und kleben an meinem Körper. Meine hellbraunen Augen sind etwas gerötet. Eigentlich finde ich, dass mein Gesicht ziemlich hübsch ist. Meine Haut ist sehr rein, da ich nie wirklich irgendwelche Hautprobleme oder ähnliches hatte. Meinen Körper hingegen mag ich nicht. Er ist mit Narben überseht. Jedes Mal, wenn ich ihn betrachte, erinnert er mich an meine Vergangenheit. Jede einzelne Narbe erinnert mich an meinen Schmerz. Manchmal glaube ich, dass ich es nie vergessen werde, dass ich meine Vergangenheit nie hinter mir lassen kann. Sie ist ein Teil von mir und wird es immer sein, egal wie sehr ich versuche sie zu verdrängen.

Mit dem Finger streiche ich langsam über meinen Hals. Man erkennt die Fingerabdrücke noch immer. Glücklicherweise sieht es nicht mehr so schlimm aus wie am Samstag.

Seit meine "Mutter" vor kurzem an Krebs gestorben ist, misshandelt mein "Vater" mich. Er hat schon immer viel getrunken, zumindest seit ich ihn kenne. Jedoch hatte er seine Wut immer unter Kontrolle. Er weinte und schrie oft, wenn er getrunken hatte, da er wusste, dass seine Frau den Kampf gegen den Krebs verlieren würde, doch er war nie gewalttätig. Seit Helena tot ist, hat sich das jedoch geändert.

Helena und Nick haben mich vor einem halben Jahr adoptiert. Helena hatte schon immer von einem Kind geträumt, konnte jedoch keins bekommen. Deshalb haben die beiden sich entschlossen mich zu adoptieren. Obwohl Helena damals schon an Krebs gelitten hat und von der Krankheit geschwächt war, war sie immer für mich da. Sie tat ihr Bestes damit ich mich bei ihnen wohl fühle. Ich mochte sie. Sie hatte ein gutes Herz und sie war eine der wenigen Personen, bei der ich mich wirklich wohl gefühlt habe. Auch wenn ich sie nur einige Monate kannte, habe ich viel mit ihr erlebt und sie in mein Herz geschlossen. Wir haben oft zusammen gelacht und haben über vieles gequatscht. Leider ist sie schon 5 Monate nach meiner Adoption verstorben. Sie hat mich verlassen. Wieder einmal wurde ich verlassen und alleine zurückgelassen. Alleine mit ihrem Mann, der mich misshandelt...

Bei den Erinnerungen an Helena kommen mir die Tränen wieder hoch. Ich versuche jedoch sie zu unterdrücken und an etwas anderes zu denken. Ich schaue wieder in den Spiegel, als ich auf einmal meinen Wecker klingeln höre. Es ist mittlerweile schon sieben Uhr. Die Zeit ist irgendwie wie im Flug vergangen. Ich nehme mir zwei Handtücher, wickle eines davon um meinen Körper und das zweite nutze ich für meine Haare. Daraufhin verlasse ich das Badezimmer, um mich in meinem Zimmer fertig zu machen.

Ich suche mir zuerst meine Unterwäsche heraus und ziehe mir diese schnell über. In meinem Kleiderschrank finde ich einen schwarzen Pulli und nehme mir dazu eine graue, high-waist Jeanshose. Ich ziehe immer langärmlige Klamotten an, denn ich möchte nicht, dass jemand meine Narben sieht. Ich will nicht, dass jemand mich danach fragt oder dass ich angestarrt werde. Außerdem trage ich oft schwarze oder graue Klamotten, um nicht großartig aufzufallen.

SolaWo Geschichten leben. Entdecke jetzt